Die Messdaten

Chandler TG Microphone Großmembran-Kondensatormikrofon im Test

(Bild: Dr. Andreas Hau)

Vor rund zwei Jahren brachte Chandler LTD in Zusammenarbeit mit den Abbey Road Studios das REDD Mic auf den Markt, ein Großmembranmikrofon, dessen Röhrenelektronik auf den Schaltungen der berühmten EMI REDD-Konsolen beruhte. Das gleiche Konzept steckt auch hinter dem TG Microphone, dessen Schaltungen auf denen des transistorisierten Nachfolgers beruhen, des nicht minder berühmten EMI TG 12345 Mischpults, das u. a. die Beatles auf ihrem letzten Studioalbum Abbey Road verwendeten. Damit nicht genug: Zusätzlich wurde der Tape-Transfer-Equalizer der TG-Mastering-Konsole eingearbeitet.

Wie bereits beim REDD Mic ist die Formgebung TG Microphone an das legendäre U 47 angelehnt. Zu Zeiten der Beatles war der Neumann-Klassiker ja das Studiomikrofon schlechthin; die Abbey Road Studios verfügen bis heute über ein ganzes Arsenal dieser Mikros. Das TG Mic ist ein wenig kürzer als das (überlange) REDD Mic, sodass die Abmessungen nun eher denen des U 47 in der Shortbody-Ausführung entsprechen. Während der chromglänzende Mikrofonkorb weitgehend dem des optischen Vorbilds entspricht, ist die Lackierung in Dunkelgrau an die Farbgebung der TG-Konsolen angelehnt. So sieht das TG Mic bei Markteinführung schon recht klassisch aus − nur die rote LED, die den Mikrofonkorb von innen beleuchtet, will nicht so recht ins Bild passen. Die Vorderseite markieren der (amerikanisch protzig) mit Flammen hinterlegte Chandler-Schriftzug und, weiter unten, ein nüchternes Abbey-Road-Logo (britisches Understatement).

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In der Nierencharakteristik zeigt das TG Microphone einen weitgehend ausgeglichenen Frequenzgang mit einer moderaten Höhenanhebung. In der Kugelcharakteristik steigt diese deutlich an, ebenso wie die Welligkeit in den mittleren Frequenzen, die vermutlich Reflexionen im Mikrofonkorb geschuldet ist.
Die ersten beiden Positionen des Tape Equalizers arbeiten wie ein Tilt Filter, wie hier anhand der Nierencharakteristik dargestellt ist.
Der Low-Cut mit den Einstellungen 50 Hz und 90 Hz arbeitet sehr sanft, wie hier anhand der Kugelcharakteristik dargestellt ist.
Position vier des Tape EQs ändert den Frequenzgang nur wenig, während in Position fünf vor allem die Bässe stark angehoben werden.
Ungewöhnlich: Auf der Rückseite befindet sich ein Stufenschalter für den EMI Tape Equalizer.
Die Presets des EMI Tape EQ dienten eigentlich der Anpassung von Bändern, die nach verschiedenen Standards bzw. mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten aufgenommen wurden. Entsprechend kryptisch ist die Beschriftung.
Am unteren Ende des Gehäusetubus’ befinden sich Schalter für Low-Cut und Betriebsmodus: System A ist der originale charakterstarke TG-Sound, System B klingt etwas sauberer.
Das Chandler TG Microphone lässt sich nicht mit Phantomspeisung betreiben, sondern erfordert das mitgelieferte Speiseteil.
Das Chandler TG Mic arbeitet mit einer randkontaktierten Großmembrankapsel.
Der Ausgang arbeitet trafosymmetriert; der Ausgangsübertrager ist ungewöhnlich groß.
Die Mikrofonelektronik, die an die Schaltungen der TG Pulte angelehnt ist, ist klassisch mit bedrahteten Bauteilen aufgebaut und wirkt sehr sauber verarbeitet.

+++
charakterstarker Sound mit Abbey-Road-Genen
+++
große Klangpalette dank vieler Einstellmöglichkeiten
++
gute Verarbeitung

erfordert externes Speiseteil (mit Steckernetzteil)

Hersteller: Chandler LTD
UVP/Straßenpreis: 2.736,− Euro / 2.199,− Euro

www.sea-vertrieb.de

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