Small Item, Big Beat

Beyerdynamic TG D71c Bassdrum-Mikrofon

Beyerdynamic TG D71c
(Bild: DIETER STORK)

Die Drum-Mikrofone der TG-Familie von Beyerdynamic bekommen Zuwachs. Das KondensatorGrenzflächenmikrofon TG D71c (fortan D71c genannt) wird dem dynamischen Bruder TG D70c zur Seite gestellt und will damit keine Konkurrenz, sondern eine praktische Alternative sein.

Das Praktische an Grenzflächen-Mikrofonen ist ihr völlig problemloses Handling: einfach hinlegen, anschließen und fertig − dafür braucht man noch nicht mal ein Mikrostativ. Und bei der Bassdrum wird’s noch einfacher, denn das Mikro wird einfach in die Trommel auf die meist ohnehin vorhandene Decke oder das Dämpfungskissen gelegt, und dann muss man sich nur noch überlegen, wie man das Kabel wieder unauffällig aus der Bassdrum führt, damit es einerseits nicht am Resonanzfell schabt und andererseits unauffällig verlegt wird. Für Letzteres gäbe es verschiedene Möglichkeiten, z. B. das Kabel durch eine der Luftausgleichsöffnungen im Kessel zu führen, aber das soll nicht das Thema dieses Tests sein.

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Das D71c passt mit seinen geringen Abmessungen von ca. 9 x 8,5 x 3 cm wahrscheinlich durch jede noch so kleine Öffnung, die die meisten Bassdrum-Frontfelle ohnehin besitzen. Damit es nicht verrutscht, hat man es mit gut 400 Gramm recht schwer gemacht, und auf seiner Unterseite befindet sich eine Schicht rutschfestes Gummi; selbst wenn man es einfach mal auf einen Tisch legt, fällt es schwer, das D71c zu verschieben.


Sound&Recording – Drum Recording Special

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Weitere Themen:
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Seine Grundform ist nahezu quadratisch, und der nach oben zeigende Gehäuse-Part ist gewölbt − betrachtet man es von der Seite, wird man an den sanft geschwungenen Verlauf einer Anhebung mit einem Peak-EQ bei einer Frequenzkurve erinnert. Diese »Welle« ist mit unzähligen kleinen Löchern versehen. Nun könnte man meinen, dass hier auch der Schall zur Kondensatorkapsel vordringen kann, aber das ist nur die halbe Wahrheit. Schaut man sich nämlich die Seite an, die zum Schlagfell zeigen sollte, entdeckt man ebenfalls reichlich kleine Löcher. Und durch diese gelangt dann der Löwenanteil des Sounds zur Kapsel. Man sollte also bei der Platzierung tunlichst darauf achten, dass diese vorderen Löcher nicht durch eine Falte im Kissen oder in der Decke verdeckt werden, ansonsten geht nämlich der Attack der Bassdrum flöten.

Die dem Resonanzfell zugewandte Seite ist hingegen vollkommen geschlossen, und hier gibt es nur eine XLR-Buchse sowie eine LED zu entdecken, die bei anliegender Phantomspeisung dezent rot leuchtet. Auf der Rückseite findet man noch zwei eingelassene Vertiefungen, in die man Schraubenköpfe stecken könnte, um das Mikrofon mithilfe entsprechender Muttern beispielsweise an einem Brett unverrückbar zu befestigen. Die sollte man dem Drummer aber besser nicht zeigen, denn für ihn ist sein Bassdrum-Kessel nicht einfach nur ein gebogenes Brett … (Der Autor ist übrigens nicht nur Engineer, sondern auch Drummer; Anm.d.Red.)

Beyerdynamic
(Bild: DIETER STORK)

SOUND
Bei der Optimierung des Frequenzgangs hat Beyerdynamic offensichtlich Wert darauf gelegt, dass das D71c perfekt mit der Bassdrum harmoniert. Kurz gesagt: Das tut es auch. Die Bässe kommen angenehm wuchtig, aber trocken und nicht mulmig rüber, die Mitten sind dezent ausgedünnt, und der Attack ist deutlich, aber nicht nervig ausgeprägt. Zunächst einmal könnte man sagen, dass man mit dem puren Ergebnis durchaus zufrieden sein kann, denn es beinhaltet all das, was man heutzutage von einer Bassdrum erwartet. Out of the box sollte das Gan – ze daher auch für viele Stilrichtungen funktionieren, ohne dass man einen Equalizer bemühen müsste. Den Klangcharakter würde ich als »druckvoll mit leicht holzigem Attack« beschreiben, also keineswegs künstlich aufgebohrt, aber durchsetzungsfähig.

Trotzdem bleibt Freiraum für Kreativität, denn Beyerdynamic hat es in keiner Richtung übertrieben. Wer mag, kann die Bässe genau in den Bereich schieben, der dem mitspielenden Bassisten nicht in die Quere kommt, und auch der Attack-Bereich ist noch so weit gefasst, dass auch hier gezielte Anhebungen oder Absenkungen möglich sind.

Verglichen mit einem dynamischen Mikrofon, das mit einer Superniere stärker gerichtet ist als das D71c mit seiner Halbniere, lässt das Beyerdynamic einen Hauch mehr Nebengeräusche durch − so ist das Mitschwingen der Toms auf der Spur des D71c ein leicht stärker zu hören als beim dynamischen Kollegen, der die Schallinformation überwiegend direkt vom Schlagfell bekommt. Aber das macht das D71c auch ein wenig sympathischer, weil es bei Drums eben so ist, dass hier alles Mögliche mitschwingt.

FAZIT
Mit dem Grenzflächen-Kondensatormikrofon TG D71c stellt Beyerdynamic eine attraktive Alternative für dynamische Mikrofone vor. Das Mikrofon tut genau das, was es soll, denn es formt einen modernen BassdrumSound, der nicht übertrieben in eine bestimmte Richtung geht, sondern bei Bedarf Freiraum für eigene Sound-Vorstellungen lässt.Mit seinem (laut Hersteller) maximalen Schalldruckpegel von 148 dB sollte ihm auch die lauteste Bassdrum keinerlei Probleme bereiten. Das einzige, was hier knallt, ist der Preis, denn der ist für Handarbeit »Made In Germany« ausgesprochen günstig.

+++ moderner, auf Bassdrum optimierter Sound

+++ robustes, schweres Gehäuse

++ problemloses Handling

soll bei Bedarf am Bassdrumkessel angeschraubt werden

TG D71c

Hersteller/Vertrieb
Beyerdynamic

UvP
249,— Euro

www.beyerdynamic.de

 

Kommentar zu diesem Artikel

  1. Der Preis ist heiß! Das musste jetzt einfach sein 🙂 Das Mikro aber wohl auch!

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