Die Messwerte

Bändchenmikrofone mit Aktivelektronik im Test: Sontronics Sigma 2, Delta 2 und Apollo 2

Bändchenmikrofone mit Aktivelektronik im Test: Sontronics Sigma 2, Delta 2 und Apollo 2

Über die letzten zehn Jahre hat sich die Firma Sontronics mit interessanten Mikrofonideen und eigenwilligem Design hervorgetan. Frisch überarbeitet wurden die aktiven Bändchenmikrofone Sigma, Delta und Apollo, die in der Mark-2- Version echte Briten geworden sind: Während ihre Vorgänger noch in China gefertigt wurden, prangt nun die Inschrift »Made in Great Britain« neben der Seriennummer. Wir haben die drei zum Fünfuhrtee geladen.

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Die Briten sind ja schon ein sehr eigenes Volk mit einem für Außenstehende oft unerklärlichen Konservatismus und einer Vorliebe für schrulliges Design. Bis heute verweigern sich viele Briten dem Hexenwerk moderner Badezimmerarmaturen. Und ein Auto wie der Reliant Robin − ein dreirädriger PKW, der in Kurven gerne mal umfiel − konnte wohl nur im Vereinigten Königreich entstehen.

Skurrilitäten finden sich auch in der Mikrofontechnik: Während im Bundestag − und mittlerweile auch in vielen anderen Parlamenten − das topmoderne KEM 970 von Microtech Gefell am Rednerpult steht, bleibt das britische Unterhaus beinhart beim AKG D222 »Sound Rocket« − ein dynamisches Zwei-Wege-Mikrofon im Design einer Handgranate, das seit locker 30 Jahren nicht mehr hergestellt wird. Das britischste aller Mikrofone ist und bleibt aber das Coles 4038. Ein Bändchen, das aussieht wie ein Schuhspanner, irgendwann in den 50ern von der BBC entwickelt und seitdem praktisch unverändert in Produktion. Es hat sogar immer noch den gleichen obskuren Anschlussstecker, ungeachtet der Tatsache, dass man sich weltweit auf XLR geeinigt hat. Noch grotesker ist das Coles 4104 »Lip Mic«, ein Bändchenmikro zum − im Wortsinn − unter die Nase reiben. Diese eigenwillige Konstruktion ist nach wie vor das Standard-Kommentatormikro bei der BBC. Headset? Teufelswerk!

Das Sontronics Sigma 2 (links) ist für leisere Quellen optimiert und etwas rauschärmer als das Delta 2, das für nähere Postitionierung und hohe Schalldrücke ausgelegt ist.
Das Apollo 2 Stereomikrofon hat einen akustisch offenen Mikrofonkorb, der zwei im 90- Grad-Winkel gekreuzte Bändchensysteme beheimatet.
Die Sontronics-Bändchenmikrofone werden in Großbritannien hergestellt.
Der Stereoausgang des Apollo 2 verwendet eine unübliche sechspolige Buchse mit ungleichmäßig angeordneten Pins. Prak - tischer wäre ein XLR-5-Anschluss, wie er für Stereomikrofone üblich ist.
Sontronics verwendet in allen drei Modellen das gleiche Bändchenelement. Der Schallwandler hat eine Gesamtlänge von 60 mm, wobei das Aluminiumbändchen auf 36 mm frei schwingt.
Das Innenleben des Sontronics Delta 2. Gut zu erkennen: Der Übertrager sitzt vor der Elektronik, die primär der Impedanzanpassung dient. Die Pegelverstärkung macht der Übertrager.
Das Sontronics Sigma 2 im Praxisvergleich mit einem Kondensatormikro (SE Electronics SE 2300, demnächst im Test)
Das Delta 2 ist für hohe Schalldrücke und (relativ) nahe Positionierung ausgelegt — ideal für Gitarren-Amps.
Das Apollo 2 musste im Praxistest u. a. gegen ein Paar Beyerdynamic M 130 antreten.

Die Frequenzgänge

die wir selbst ermittelt haben, zeigen einen Bändchen-typischen Verlauf. Zu beachten ist, dass wir bei 33 cm Abstand gemessen haben. Der bei der Richtcharakteristik Acht maximal ausgeprägte Nahbesprechungseffekt führt in diesem relativ kurzen Abstand zu einer starken Bassbetonung. Die Welligkeit in den unteren Frequenzen ist dem Messraum geschuldet.

Das Sigma 2 zeigt einen weitgehend linearen Verlauf in den Mitten, um dann oberhalb 10 kHz steil abzufallen. Vorderseite und Rückseite zeigen in den oberen Frequenzen leichte Unterschiede.
Auch beim Delta 2 differieren die Frequenzgänge in den oberen Frequenzen etwas. Der Bassbereich ist für nahe Mikrofonierung kompensiert.
Das obere System des Apollo 2. Die Höhen fallen etwas früher ab als bei den Mono-Bändchen, dafür aber langsamer und gleichmäßiger. Wieder zeigen Vorderseite und Rückseite leichte Unterschiede in den oberen Frequenzen.
Beim unteren System des Apollo 2 sind Vorderseite und Rückseite weitgehend kongruent.

 

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rauscharme Aktivelektronik
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traditioneller Ribbon-Sound
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eigenständiges »britisches« Design
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Blumlein-Stereomikrofon mit einfachem Handling (Apollo 2)

Apollo 2 mit unüblichem Stecker statt XLR-5

Hersteller/Vertrieb: Sontronics/Audiowerk
UvP/Straßenpreis: Sigma 2 / Delta 2: je 952,− Euro / ca. 825,− Euro
Apollo 2: 2.071,− Euro / ca. 1.799,− Euro

www.audiowerk.eu

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