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Austrian Audio Hi-X50 – Kopfhörer im Test

Anfang des Jahres feierte Austrian Audio mit dem Hi-X55 die Wiederauferstehung der Wiener Kopfhörerfertigung. Auf das eindrucksvolle Debüt folgt nun ein etwas kleineres ohraufliegendes Modell – zu einem noch attraktiveren Preis. Trotzdem wird der Hi-X50, wie sein großer Bruder, in Wien handgefertigt.

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Auf Fotos ist der Hi-X50 nur schwer vom Hi-X55 zu unterscheiden. Das grau-schwarze Design ist identisch, nur sind die Hörermuscheln ein gutes Stück kleiner, denn sie sind nicht ohrumschließend, sondern ohraufliegend konstruiert. Das hat auch klangliche Konsequenzen, denn die Ankopplung ans Ohr ist von ganz entscheidender Bedeutung. Gemeinsam ist beiden Modellen, dass sie nach dem geschlossenen Prinzip arbeiten, d. h., sie geben nur wenig Schall nach außen ab.

Geliefert wird der Hi-X50 in einem adretten, aber nicht übertrieben gestylten Karton mit Innenpolsterung. Zum Lieferumfang gehört ein Transportbeutel aus schwarzem Tuch. Das gerade Kopfhörerkabel von 3 Metern Länge ist abnehmbar und wird an der linken Hörermuschel über einen verriegelbaren Miniklinke-Steckverbinder angeschlossen. Am anderen Ende des Kabels befindet sich ein 3,5-Miniklinkenstecker samt Adapter auf 6,3-mm-Klinke.

Der Kopfhörer selbst strahlt professionelles Understatement aus. Statt Bling-Bling gibt’s hier solide Fertigungsqualität. Die grauen Bestandteile, u. a. der Kopfbügel und die Gabelhalterungen, bestehen aus Metall. Die schwarzen, mechanisch weniger geforderten Komponenten sind aus Kunststoff gefertigt. Die Polster an Muscheln und Kopfbügel bestehen aus weichem Schaummaterial mit Formgedächtnis (»Memory Foam«), das den Anpressdruck gleichmäßig verteilt. Die Hörermuscheln sind drehbar gelagert; zum Transport lassen sie sich flach machen bzw. einklappen. Trotz seiner soliden Konstruktion wiegt der Hi-X50 nur 285 g (ohne Kabel).

Der Hi-X50 verwendet die gleichen hocheffizienten 44-mm-Treiber wie sein großer Bruder Hi-X55. Vermutlich wurden sie aber etwas anders abgestimmt, um der ohraufliegenden Konstruktion Rechnung zu tragen. Während beim Hi-X55 der Memory Foam einen Ring um das Ohr bildet, bedeckt er beim Hi-X50 die gesamte Innenseite der Hörermuschel. Der Kunstlederüberzug der Ohrpolster bildet einen Ring, während das innere Oval über den Treibern von einem akustisch durchlässigen Gewebe bedeckt wird.

Für den Transport lässt sich der Hi-X50 kompakt zusammenfalten.

Praxis

Für einen ohraufliegenden Kopfhörer ist der Tragekomfort des Hi-X50 wirklich erstaunlich. Während man beim Aufsetzen noch ein wenig Druck verspürt, verteilt sich dieser in kurzer Zeit gleichmäßig, sodass man den Hi-X50 mühelos über längere Zeit tragen kann. Da die Ohren nicht umschlossen werden, ist die Gefahr eines Hitzestaus gering. Der Hörer passt sich automatisch der individuellen Kopfform an und sorgt so für eine optimale akustische Ankopplung ans Gehör.

Klanglich ist eine starke Familienähnlichkeit zum ohrumschließenden Hi-X55 gegeben. Leider hatte ich Letzteren nicht zu einem Direktvergleich zur Verfügung, sodass ich mich auf meine Erinnerung verlassen muss. Unterschiede scheint es mir vor allem im Bass zu geben. Die Tieftondarstellung des ohraufliegenden Hi-X50 empfinde ich als nahezu linear; die Bässe wirken weniger wuchtig als beim Hi-X55. Nichtsdestotrotz reicht die Bassübertragung sehr tief.

Geschlossene Kopfhörer erreichen selten ein so unangestrengtes, luftiges und gleichmäßiges Klangbild wie offene Modelle. Aber der Hi-X50 ist doch recht nahe dran! Die Mitten werden recht neutral abgebildet und scheinen tendenziell etwas fülliger als beim Schwestermodell Hi-X55. Der für geschlossene Modelle notorische Hang zu »topfigen« Mittenresonanzen ist beim Hi-X50 kaum auszumachen. Wie mir bereits beim Hi-X55 auffiel, werden die Hochmitten etwas zurückhaltend und »gutmütig« dargestellt. Das ist angenehm, aber nicht unbedingt zielführend, wenn man scharfe Zischlaute aufspüren möchte, die auf anderen Wiedergabesystemen möglicherweise bereits schmerzen. Punkten kann die weitgehend lineare Höhendarstellung, die für ein geschlossenes Modell bemerkenswert »offen« wirkt. Auch das Air-Band ist gut ausgeleuchtet.

Da die Treiber des Hi-X50 grundsätzlich identisch mit denen des Hi-X55 sind, sind auch die technischen Daten die gleichen. Die Schallwandler nach dem dynamischen Tauchspul-Prinzip sind hocheffizient mit einer Empfindlichkeit von 118 dB-SPL/V. Ihre Impedanz beträgt nur 25 Ohm. Solch niederohmige Treiber erzielen an praktisch jedem Kopfhörerausgang mehr als ausreichende Lautstärke. Ein Nachteil der geringen Impedanz ist jedoch, dass optimale elektrische Dämpfung nicht an jedem Kopfhörerausgang gegeben ist. Dazu sollte nämlich dessen Ausgangsimpedanz mindestens achtmal niedriger sein als die Kopfhörerimpedanz, d. h. im vorliegenden Fall etwa 3 Ohm. Viele Kopfhörerausgänge liegen aber eher beim Zehnfachen; mein Drawmer MC 2.1 Monitor-Controller kommt sogar auf über 100 Ohm. Eine mangelnde elektrische Dämpfung macht den Klang des Hi-X50 nicht völlig kaputt; grundsätzlich klingt er selbst am Drawmer MC 2.1 noch gut. Aber es ist deutlich zu hören, dass er an sehr niederohmigen Kopfhörerausgängen spritziger, luftiger und ausgeglichener aufspielt. Perfekt harmoniert der Hi-X50 u. a. mit MacBooks und iPads. Auch die meisten Mobilgeräte anderer Hersteller haben oft sehr niederohmige Ausgänge.

Als ohraufliegender Kopfhörer hat der Hi-X50 seine Stärken vor allem im Monitoring. Seine Schallisolation ist überraschend hoch, wenngleich nicht ganz so extrem wie beim legendären Sennheiser HD25, dafür ist die Frequenzdarstellung des Hi-X50 um Klassen linearer. Das empfiehlt den Hi-X50 zur Klangbeurteilung in lauten Umgebungen, beispielsweise wenn es um die Mikrofonpositionierung im Aufnahmeraum geht. Auch beim Aufspüren von Störgeräuschen macht der Hi-X50 eine gute Figur; diesbezüglich fand ich ihn geeigneter als das ohrumschließende Modell Hi-X55.

Fürs Monitoring von Musikern und insbesondere Sängern ist der Hi-X50 ebenfalls bestens geeignet. Die ohraufliegenden Muscheln lassen sich problemlos verschieben, was Sänger ja gerne machen, um die eigene Stimme nicht nur über den Kopfhörer, sondern auch akustisch zu hören. Vielfach lösen sich so Intonationsprobleme in Wohlgefallen auf.

Die Hörermuscheln sind drehbar gelagert und mit großen Buchstaben eindeutig beschriftet.

Fazit

Mit dem Hi-X50 ist Austrian Audio ein wirklich ausgezeichneter ohraufliegender Kopfhörer gelungen. Die Frequenzdarstellung ist für ein geschlossenes Modell außerordentlich ausgewogen – bis auf die etwas zurückhaltenden oberen Mitten. Das Klangbild ist angenehm und trägt zusammen mit dem hohen Tragekomfort dazu bei, dass man mit dem Hi-X50 lange ermüdungsfrei arbeiten kann. Gerade für Sänger ist der Hi-X50 eine Empfehlung, denn die eigene Stimme wirkt in diesem Kopfhörer recht natürlich und die Muscheln lassen sich nach Bedarf verschieben, um eine Ohröffnung ganz oder teilweise freizulassen.

Ein ausgesprochener Mixing-Kopfhörer ist der Hi-X50 nicht, dennoch ist er auch für solche Anwendungen keineswegs ungeeignet. Mit etwas Hörerfahrung lässt er sich durchaus auch für eine kritische Klangbeurteilung einsetzen, zumal seine hocheffizienten Treiber angenehm verzerrungsarm arbeiten und Transienten sauber auflösen. Angesichts der sehr guten Klangleistungen und der hohen Fertigungsqualität »Made in Austria« darf man den Hi-X50 mit einem empfohlenen Verkaufspreis von 239 Euro als sehr günstig bezeichnen. Unbedingt antesten!


Hersteller: Austrian Audio
Preis: 239,– Euro

Internet: www.austrian.audio

Unsere Meinung:
+++ ausgewogenes, harmonisches Klangbild
+++ saubere Transientenabbildung
+++ hohe Verarbeitungsqualität
+++ sehr gut für Gesangsaufnahmen geeignet
– optimaler Klang nur an Ausgängen mit sehr niedriger Impedanz

Austrian Audio Hi-X50

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