Small, but smart

Arturia SparkLE Hybrid-Drumcomputer im Test

Platzmangel ist eines der Hauptprobleme unserer Zeit. Das merkt man nicht nur beim unwillkommenen Körperkontakt mit dem ausuferndem Sitznachbarn in überfüllten Flugzeugen, sondern auch beim Vorbereiten des Live-Acts im Club, wenn der Resident-DJ/Techniker/Organisator einem sardonisch grinsend eine Fläche von der Größe eines DIN-A4-Blattes zuweist: »So, hier kannst du aufbauen.« Diese Erkenntnis hatten wohl auch die Arturia Entwickler, als sie dem Spark-Controller eine Kompaktversion mit dem schönen Namen SparkLE zur Seite stellten.

ARTURIA-SPARKLE
(Bild: Dieter Stork)

Damit machen sie es ebenso wie die beiden Hauptkonkurrenten Native Instruments und Akai, die mit Micro Maschine und MPC Studio eingedampfte Versionen ihrer ControllerBoliden Maschine und Renaissance herausbrachten.

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Die kleine Schwester SparkLE bietet einen ähnlichen Funktionsumfang wie der große Spark Controller, ist aber wesentlich günstiger. Mitgeliefert wird eine maßgeschneiderte Software, die mit dem Controller interagiert, aber auch ohne ihn funktioniert.

Guck & fühl

Die Hardware mit ihrer hellen Farbgebung wirkt auf Anhieb sympathisch und einladend. Sie passt annähernd auf eine DIN-A4-Seite und ist erfreulich flach und damit Umhängetaschen-kompatibel. Die Oberseite besteht aus stabilem Plastik, die Unterseite und die schicken silbernen Seitenteile aus Metall. Alle Taster sind hintergrundbeleuchtet.

Wie beim großen Spark gibt es acht anschlagdynamische Taster, die zwar nicht besonders groß sind, sich aber gut spielen lassen. Gottseidank wurde ein Manko des großen Spark-Controllers beseitigt, und die 16 Taster der Lauflichtprogrammierung befindet sich jetzt vorne − das erleichtert die übersichtliche Bedienung gewaltig. Dafür muss man auf die komfortablen drei Endlosregler für jeden der sichtbaren acht Kanäle verzichten − jetzt gibt es links oben drei Regler, die durch Antippen eines Pads einem Instrument zugeordnet werden und auch andere (wählbare) Parameter steuern können. Auch die Anwahltaster für Patterns und Songs, die um den zentralen Werteingabe-Encoder gruppiert waren, fallen aus Platzgründen weg. Diese Funktion übernehmen jetzt die Lauflichttaster mit.

Das XY-Pad lässt sich für die Effektmanipulation gewinnbringend einsetzen. Geblieben ist die intuitive Loopsteuerung mit zwei Reglern zum temposynchronisierten Zerschneiden und Verschieben von Loops; dafür fällt die separate Cutoff-, Resonanz- und Panoramasteuerung und die beiden AUX-Regler weg.

Die Einschränkungen zugunsten des kompakteren Designs sind gut gewählt und zu verschmerzen, da alle Funktionen nach wie vor verfügbar sind (wenn auch der eine oder andere Taster zusätzlich betätigt werden muss). Das gilt auch für das fehlende Display, denn schließlich braucht man zum Betrieb sowieso einen Computer und kann dessen Monitor benutzen. Die USB-Buchse, die auch für die Stromversorgung zuständig ist, wurde ist seitlich angebracht; weitere Anschlüsse gibt es nicht.

Software-Instrumente

Ein Großteil der Klänge basiert auf Samples, die im Format 44,1 kHz/24 Bit vorliegen. Spark ist aber weit mehr als nur ein Drum-Sampler, denn beim Generieren und der Manipulation der Spark-Sounds kann man auf drei unterschiedliche Software-Engines zugreifen.

Außerdem profitieren die Drum-Synths von der sogenannten TAE-Engine (True Analog Emulation). Bei diesem Verfahren, das Arturia für seine gelungenen Analogsynth-Emulation, wie etwa den Moog-80 entwickelt hat, werden die Schaltkreise der klassischen Boliden nach gebildet. Der Kick ist jedoch, dass auch noch diverse Physical-Modelling-Algorithmen verwendet werden − eine Besonderheit von Spark bzw. SparkLE, die ihn als sehr flexibles Sounddesign-Werkzeug für Electronic-Drums und -Percussion auszeichnet.

Die unterschiedlichen Klangerzeugungsarten ermöglichen eine große Bandbreite von Sounds, die auch druckvolle Bass- und Lead-Synths sowie eine Reihe ungewöhnlicher Effekte einschließt. Es gibt vielfältige Nachbearbeitungsmöglichkeiten; u. a. ermöglicht die TAE-Engine eine Reihe überzeugender analoger Filter-Emulationen. In der neuesten Softwareversion ist u. a. ein gut klingender Oberheim-Filter-Algorithmus dazugekommen. Multi-Layer-Sounds lassen sich problemlos erstellen, und der Import eigener Samples ist natürlich auch möglich.

Effekte

An Bord ist außerdem eine leistungsfähige und gut klingende Effektsektion mit Mastering-Bereich. Mit dem XY-Pad lassen sich schöne Filter-Fahrten und Beat-synchrone Stotter-Repeat- und Loop-Effekte kreieren. Alle Effekt- und Parameter-Bewegungen kann man übrigens aufzeichnen.

Im Mixer-Menü lassen sich die Sounds mit Effekten wie Reverb, Echo, Bitcrusher, Distortion etc. veredeln. Insgesamt stehen 14 Effekttypen zur Verfügung. Die Qualität der Reverb-Algorithmen ist nicht sensationell, aber völlig ausreichend.

Klangbücherei

Das mitgelieferte Library-Paket bietet mehr als 1.500 Instrumente, die auf 100 Kits mit jeweils 16 Sounds verteilt sind. Zu jedem Kit gehören mehrere, in der Regel liebevoll erstellte Beispiel-Patterns, die in einem Song arrangiert sind. Stilistisch findet sich hier viel gutes Material zu den Themen Tech House, Electro-House, Techno, aber auch überzeugende Grime, Trap- und HipHop-Sounds sowie einige gute Klassiker-Sets. Die Kits sind liebevoll zusammengestellt, klingen schön punchy und funktionieren meistens prächtig.

Arturia hat auch noch eine Reihe günstiger Library-Erweiterungen (€ 29,−/Stück) wie z. B. die EDM-Library, die HipHop Essentials oder eine schöne DubStep-Soundcollection für Spark im Programm.

Praxis

Beim Arbeiten mit SparkLE fällt die niedrige Lernkurve positiv auf. Das meiste ist selbsterklärend, das (gedruckte) Handbuch vereinsamt schnell. Dadurch wird der Weg von der Idee zum Ergebnis erfreulich verkürzt. Das Allermeiste lässt sich vom Controller aus bedienen; die Maus muss selten (etwa bei Library-Browser-Operationen) bemüht werden. Obwohl in der eingedampften LE-Hardware nur noch acht statt 36 Encoder zur Verfügung stehen, sind die Einschränkungen relativ gering.

Der Controller sieht gut aus und fühlt sich gut an; Letzteres auch wegen seines im Verhältnis zu seine Größe erheblichen Gewichtes, das ihm eine gesunde Standfestigkeit beschert. Mir fehlt allerdings noch ein Tempo-Tap-Taster; hier sollte Arturia in einer zukünftigen Betriebssystem-Version (getestet wurde Version 1.6.1) einen anderen Button oder das XY-Pad mit dieser Funktion nachrüsten. Das gleiche gilt für den fehlenden Akzent-Taster. Auch die Möglichkeit, einen Einzähler zu aktivieren, könnte beim Einspielen manchmal hilfreich sein …

Klasse ist die Möglichkeit, Spark auch als MIDI-Controller für die Steuerung anderer Software einzusetzen.

ARTURIA-SPARKLE-2
(Bild: Dieter Stork)

Fazit

SparkLE lässt den Kreativ-Funken überspringen; die Arturia-Designer haben hier einen kleinen Bruder des großen Spark Controllers erschaffen, der sich trotz weniger Bedienelemente nicht hinter ihm zu verstecken braucht. Der relativ niedrige Preis ist ein zusätzliches Argument für den pfiffigen Hybrid-Drumcomputer. Auch wenn Mitbewerber wie Native Instruments Maschine über einen deutlich größeren Funktionsumfang und eine umfangreichere Library verfügen oder die Schlagflächen von Akais Studio-Controller hochwertiger sind, ist SparkLE ein rundum gelungenes Groovetool mit hohem Spaßfaktor.

Hersteller/Vertrieb

Arturia/Tomeso

Preis

249,− Euro

www.tomeso.de

+++ gelungene kompakte Hardware

++ flexilbler Drum-Synthesizer dank Analog-Modeling

– kein Tap-Tempo-Taster

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