Kurztests

AKG Perception 100 und 200: Großmembran-Universalmikrofone

Großmembran-Universalmikrofone

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(Bild: Dieter Stork)

AKG Perception 100 und 200

Prävention gegen die chinesische Kopieranstalt? Drauf steht AKG, die Abstimmung ist Made in Wien, in China wird unter rigiden Qualitätskontrollen gefertigt. Die Anregung zu der Low-Cost- Serie kam von einem der größten Musikhändler Amerikas. Dort sind die Perceptions schon seit über einem Jahr im Angebot. Die beiden Modelle verstehen sich als Großmembran-Universalmikrofone mit Nieren-Richtcharakteristik, nicht nur für Projektstudios und Homerecorder. Angesprochen sind Anwender, die bei ihrem Sound Wert legen auf die Erfahrung eines etablierten Herstellers. Auch Broadcaster sind gemeint, und sogar im rauen Bühnenbetrieb sehen die Entwickler diese Mikrofone.

Sie unterscheiden sich in der Ausstattung: Das 100 ist elektrisch und in der Ausstattung reduziert. Das 200 kommt mit einer Spinnenhalterung, Bass-Cut (12 dB/Okt. bei 300 Hz) und Vordämpfung von 10 dB, was den max. Schalldruck von 135 auf 145 dB wechselt. Sonst sind sie baugleich (18 mV/Pa Empfindlichkeit, 78 dB Geräuschspannungsabstand). Bei der 1-Zoll-Kapsel griff AKG auf Vorbilder bewährter Typen zurück. Der Soll-Frequenzgang verläuft im mittleren Bereich linear bis ca. 70 Hz, dort zeigt sich ein allmählicher Abfall. Oberhalb von 5 kHz erscheint eine kleine Betonung, wie sie heute oft üblich ist. Der 180°-Frequenzgang hat deutliche Berge und Täler. Man möchte das Mikrofon also am liebsten als dezidiertes Solisten-Mikrofon besprechen, ohne nennenswerte Raumanteile.

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Unsere Hörprobe mit Sprache und verschiedenen Saiteninstrumenten ergab einen klaren, präsenten Sound.Wer das AKG C 414 mag oder das C 4000, wird auch am Perception Gefallen finden. Im Vergleich zum C 4000 hat es eine höhere Crispness, eine Art „Kick”, den man – je nach Stil – bei einem Saiteninstrument gelegentlich mit dem EQ reduzieren möchte. Für Vocals war mir diese ausgeprägte Brillanz fast immer willkommen. Auch Percussion reproduziert sich sehr frisch über dieses Mikrofon; wer es mit einer differenzierten, nicht allzu lauten Snare zu tun hat, sollte am Perception Gefallen finden.

Fazit: AKG hat mit diesen Allroundern pragmatisch auf den Markt reagiert. Das 200 ist auf Grund der Abschwächung und des Bass-Cuts ein wenig flexibler als das 100. Für viele Anwender mag die zusätzliche Ausstattung beim 200 nicht relevant sein, wohl aber eine Ersparnis von 60 Euro.

Hersteller: AKG

Internet: www.akg.com

Preis: 155,– (Perception 100), 215,– (Perception 200)

Autor: Martin Hömberg

Sample-CD

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Tekniks Housematic

Vom britischen Hersteller Tekniks kommt diese CD mit dem im deutschsprachigen Raum eher irreführenden Namen. So weist auch der deutsche Vertrieb darauf hin, dass es sich eher um eine U.K Trance/Psy oder TechHouse-Sampling-CD handelt als um klassischen House, so wie er im deutschsprachigen Raum überwiegend bekannt ist. Ihr Schwerpunkt liegt auf so genannten KITS von 126 bis 146 BPM. Ein Kit besteht jeweils aus drei Rubriken mit Programmen im EXS24-, Halion- oder Kontakt-Format, und zwar Beats, Music-Loops und Drum- und Bass-Einzelklängen. Dazu gibt es ein Preset mit einzelnen Drum-Sounds und je eine Bank mit 13 Multi-Sounds und 17 Einzelklängen. Die Beats der Kits bestehen oft aus mehreren Takten. Leider sind die Takte aber nicht einzeln vorhanden, sodass man, um mehr Abwechslung einfacher programmieren zu können, erst noch selbst Hand anlegen muss. Auch Loop-Punkte wurden nicht gesetzt. So verkommt die Programmierung mehr zur Zugabe als zu einem Kaufargument.

Immerhin sind die Drum-Sounds auch einzeln als Programm dabei, sodass man hier und da mit zusätzlichen Schlägen in den Beat eingreifen oder einen Beat auch komplett nachprogrammieren kann. Auch die mitgelieferten Bass-Bänke sind ordentlich und passen jeweils sehr gut zu den Drum-Sounds in der jeweiligen Bank. Die Music-Loops bieten Bassläufe, kurze Sequenzen oder auch mal ein simples Pad. Aus diesen Zutaten kann man dann sicher einen ordentlichen Basis-Track bauen. Leider sind die Multisamples, mit denen man danach eine Lead-Melodie darüber legen könnte, nur sehr einfach und nur über maximal zwei Oktaven im Quint- oder Sext-Abstand gesampelt. So ist es beispielsweise nicht möglich, mit der mitgelieferten Orgel auch mal einen ordentlichen Bass zu bauen oder ein E-Piano in den hohen Lagen zu spielen.

Fazit: Die Qualität dieser CD ist eher durchwachsen. Die Beats sind nicht wirklich neu, die Multi-Samples auch nicht. Letztere haben auch viel zu wenige Split-Punkte. Immerhin ist die Klangqualität gut, aber das muss man sowieso voraussetzen dürfen. Mit ein bisschen mehr Programmieraufwand hätte man deutlich mehr aus dem gebotenen Klangmaterial machen können. Dies „darf” der User jetzt selber machen.

Hersteller / Vertrieb: Tekniks, Best Service

Internet: www.bestservice.de

Preis: 85,–

Autor: Nikolai Kaeßmann

40 Jahre elektronische Instrumente

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Zero-G Nostalgia

Für den Sample-Player Nostalgia von Zero-G hat der Soundwizard Steve Howell (www.hollowsun.com) sein eigenes Synthesizer- Archiv und das von einigen Freunden geöffnet, und Sounds von klassischen, gesuchten sowie obskuren Synths und Drum-Machines zusammengestellt. Die Sounds sind in verschiedene Kategorien wie z. B. „Organs”, „Drum Synths” oder „Vintage Sampler” unterteilt. Letztere Rubrik enthält viele klassische Sounds von Fairlight CMI oder Emulator II, die aus Funk- und Fernsehen bekannt sind. Auch das immer wieder gesuchte Shakuhaji-Sample von Peter Gabriels „Sledgehammer” (das im Emulator-II-Original „Shakalute” heißt) ist in der Sammlung enthalten.

Die anderen Rubriken stellen weitere charismatische Sounds bereit: Charakterstarke Tape-Sounds eines Mellotron oder Chamberlin, B3- und Farfisa-Orgelklänge, 303-Bässe oder eine String-Sektion mit Crumar Performer oder Eminent 310 sollten einen Großteil der Nostalgiker unter uns zufrieden stellen. An Drum-Machines findet man neben der fast kompletten TR-Serie von Roland auch viele obskure Maschinen wie z. B. Korg Mini Pops, Mattel Synsonics (trashiger Instrumenten-Versuch des Spielzeugherstellers Mattel) oder den recht unbekannten Keytek MDP40. LTM-Fans dürften sich besonders über die umfangreiche Speak&Spell-Sektion freuen, die so ziemlich alles enthält, was das zweckentfremdete Kinderspielzeug von sich geben kann.

Man möchte gar nicht wissen, wie viele Stunden es gedauert hat, bis der rote Feuerkasten alle Wörter ausgespuckt hat. Die bekannte Kompakt-Engine, eine abgespeckte Variante des großen NI-Kontakt-Samplers, beschränkt sich auf das Wesentliche und bietet LP-, HP-, Bandpass- und Notch-Filtertypen, Envelopes sowie vier LFOs für Volume, Pan, Tune und Filter. Jedem Instrument kann Reverb, Chorus und ein Delay zugemischt werden. Gerade die Beschränkung auf diese Tools – man vermag es nicht oft genug betonen – kann der Kreativität zugute kommen. Enthält Ihnen der Kompakt-Player dennoch zu wenig Features, können Sie die Soundbänke in Kontakt ab Version 1.5 importieren.

Fazit: Eine klasse Sammlung, in der man auch nach Stunden noch Neues entdecken kann.Viele Samples bringen einen ganz eigenen Charme mit sich, den man bislang nur selten in aktuellen Soft- Synthesizern findet.Tipp!

Hersteller / Vertrieb: Zero-G / Best Service

Internet: www.zero-g.co.uk / www.bestservice.de

Preis: 169,–

Autor: Alex Winterbauer

M-Audio WAV/Acid/REX2/SMFprosessions-24-electro-patterns

ProSessions 24 – Electro Patterns

Authentische Electro-Loops in 24 Bit und den populärsten Dateiformaten hat der italienische Produzent Antonio Dilillo für die Signature-Serie von M-Audio zusammengestellt. Hier finden Sie Hunderte von Viertaktern verschiedener Kategorien. Das Grundtempo ist bei den Dateiformaten variabel. Praktisch artefaktfrei fahren Sie mit REX und den Standard-MIDI-Files. Den Luxus von Apple Loops gönnt man uns bei M-Audio zwar noch nicht, aber die Samples sind ja schnell konvertiert.

Abgelegt sind die Loops in 100 BPM. Innerhalb der Kategorien (u. a. Assembled Beats, Complex Beats, Bass, Digital und Hybrid Synths) wurden die Files leider nur noch durchnummeriert, was den Wiedererkennungswert etwas schmälert.

Dafür machen die Loops schon beim ersten Durchhören Laune: Statt voll gestopfter, nervös rasselnder Patterns findet man hier sehr schlanke und transparente Loops, in denen allzu oft gehörte Klangfarben ein Fremdwort sind. So ist man freier beim Hinzufügen weiterer Tracks. Dazu kommt der Luxus der MIDI-Files: Hier können Sie die Grooves mit eigenen Samples bestücken. Ein Ordner mit passenden One-Shot-Sounds ist ebenfalls auf der DVD vorhanden. Damit können Sie Software-Sampler oder Grooveboxen bestücken. Einziger Wermutstropfen: Bei den tonalen Samples fehlen jegliche Tonhöhenangaben. Hier muss man selber forschen oder bleibt bei Minimal-Stilen, in denen Harmoniewechsel unwichtig sind.

Angesichts der Sounds ist das aber zu verschmerzen. Zwar wirken sie alle bescheiden zurückhaltend, spielen in der Kombination aber alle Trümpfe aus. Da hört man die Arbeit, die in diesen Patterns stecken muss, denn jedes ist sowohl soundtechnisch als auch rhythmisch eigenständig. So richtig brutal und ätzend wird es zwar nie, aber dafür kriegt man solche Sounds ohne größeren Klangerzeugerpark (vermutlich einiges an Modular-Synths) kaum hin.Vom Potenzial her ist das durchaus vergleichbar mit aktuellen Produkten von Ian Boddy, wirkt allerdings etwas digitaler und technoider. Zum Vergleich: Boddy klingt nach den frühen Depeche Mode, Dilillo eher nach den aktuellen Produktionen. Für knapp 100 Steine bekommt man jedenfalls eine sehr gefällige Loop- Sammlung mit jeder Menge Kreativpotenzial.

Vertrieb: M-Audio

Internet: www.m-audio.de

Preis: 99,–

Autor: Christian Baum

WAV/REX/Apple Loopsbigfishaudio-rotation

bigfishaudio Rotation

Kennen Sie den? Diesen fetten Boygroup-Style, der Ende der 90er Einzug hielt? Bei dem die Gitarren abgesägt sägen und die Nachfolger der Orchestra-Hits hämmern? Der für die Sänger tanzbarer ist als für das Publikum? Den sich auch gesettelte Pop-Heroen auf den Leib schneidern lassen, wenn’s (ein Hit) sein muss (Bon Jovis „It’s my life”)?

„Rotation” bietet 25 Construction-Kits zwischen 70 und 110 BPM, jeweils als komplette Demo-Mixes plus alle Einzelspuren (klassische und moderne Keyboards, Streicher, Gitarren, Bass- Line, Effekte, Drums und Percussion). Nur die Vocals fehlen noch, aber im Allgemeinen sind die Texte ohnehin nicht zu fantasievoll – hier geht es um den Groove und das Zucken der Leiber!

Das Ganze ist übersichtlich unterteilt sowie benannt und in drei populären Formaten vorhanden. Dabei sind Sie aber nicht ganz so eingeschränkt, wie das obige Intro glauben machen mag: Es riecht zwar vieles verdächtig nach Britney Spears & Co., aber es werden auch souligere Töne angeschlagen, und schluchzende Balladen können Sie ebenso herausmeißeln. Die Aufnahmequalität ist dabei sehr gut, wenn auch ein wenig nüchtern und clean. Den Dreck müssen Sie selbst hinzufügen, damit das Ganze lebendiger wirkt.

Im Detail muten manche Tracks im Demo-Mix etwas steril an, weil alles sehr kompakt gemischt ist.Vor allem die Streicher- und einige Synth-Linien sind davon betroffen. Am besten wissen Drums, Bass und einige Keyboard-Sounds zu gefallen. Wie immer bei derartigen Construction-Kits sind Sie auf die vorhandenen Tonarten und Harmonien festgelegt. Die klingen zwar authentisch, aber allzu viel Variation ist eben nicht drin. Die typischen Song-Strukturen sind damit nur mühsam zu konstruieren. Zumindest die Drums als wohl markantestes Stil-Element können Sie überall verwenden.

Als kleines Goodie gibt’s noch einen Ordner mit typischen Gitarren- Loops obendrauf, der streckenweise sogar ein bisschen funky klingt.

Rotation ist gut produziert und gut gemeint für diejenigen, die einen bestimmten Hit-Sound nachempfinden möchten. Rasend originell sind schon die Originale nicht, aber wenn Sie Material in diese Richtung produzieren wollen, sind Sie bei bigfishaudio richtig.

Vertrieb: Best Service

Internet: www.bestservice.de

Preis: 85,–

Autor: Christian Baum

WAV/REX/Apple Loopsbigfishaudio-traditional-jazz

bigfishaudio Traditional Jazz

Traditioneller Jazz in geloopter Form? Geht das denn? Noch dazu für’n knappen Fuffi? Bigfishaudio meinen ja, denn eine ihrer aktuellen DVDs beschäftigt sich genau damit: Construction-Kits in drei Sample-Formaten, zwei davon gesliced, auf dass sich auch die Tempi artefaktfrei ändern lassen. So flexibel sehe ich das gerne. Der geneigte Jazzer findet 22 Unterordner mit diesen Kits, sortiert nach Tempi (65 bis 129) und mit der Tonart versehen. Darin gibt es – ganz puristisch – einen Demo-Mix und dann die Einzelelemente Drums, Bass, Piano und Gitarre. Einzelspuren der Drums fehlen leider, hier hätte ich gerne noch mehr gesehen, damit man noch detaillierter abmischen kann.

Die Samples wirken sehr groovy, und gerade bei den Demo-Mixes klingt es schön rauchig nach Jazz-Club-Atmo. Der Upright-Bass knurrt herrlich, und die Drums schleifen – meist mit Besen gespielt – lässig vor sich hin. Mir schwebt da der gebeugte Drummer vor, der mit dem Kippe-bewehrten Bassmann vernebelte Blicke austauscht.

Acht bis 16 Takte lang sind die Loops, und hier liegt ein Problem: Trotz gelungener Stimmung kann man sich nur schwer vorstellen, das komplette Arrangement einzusetzen. Zumindest den Klavier- Part würde ich nur als Dreingabe sehen, der demonstriert, wo es lang gehen könnte. Denn gerade da fällt es sofort auf, wenn man ihn geloopt abspielt. Da müssen Sie schon selber ran, sonst verkommt diese DVD zum stupiden Soundtrack-Lieferanten für Multimediaprojekte oder zur Übungskiste für Jazz-Piano-Aspiranten.

Für kreative Geister eignen sich v. a. die Drum- und Bass-Loops. Abseits ganz traditioneller Stile können diese Samples prima in moderner Umgebung eingesetzt werden.Wenn Sie noch ein wenig schnippeln und Effekt-Plug-ins einsetzen, sind auch Kombinationen verschiedener Construction-Kits interessant.

Insgesamt klingt die DVD recht authentisch, ist in der Verwendung aber etwas eingeschränkt: Echte Jazz-Freaks würden solche Loops kaum mit dem Stock anfassen – die spielen das alles lieber selbst ein.Wer aber Stimmung und Groove mag, kann sie Gewinn bringend in anderen Stilen einsetzen.

Vertrieb: Best Service

Internet: www.bestservice.de

Preis: 49,–

Autor: Christian Baum

Grenzflächenmikrofone

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(Bild: Sennheiser)

Sennheiser E 901 und E 912

Grenzflächenmikrofone haben einen kleinen Trend gesetzt, überwiegend bei der Abnahme von Bassdrums.Wegen ihrer sehr speziellen Bauform sind sie erklärungsbedürftiger als etwa ein traditionelles Mikro mit Schaft, den man als Sänger in der Hand hält – oder mit einer Klammer auf dem Stativ befestigt.

Das Sennheiser E 901 gibt es seit Ende 2004. Als dediziertes Bassdrum-Mikrofon hat es inzwischen seine Karriere gemacht. Das 912 kam 2005 auf den Markt, verfügt über den gleichen Wandler wie das 901, ist aber für völlig andere Einsatzbereiche gebaut.

Den Wandler eines solchen Mikrofons kann man unterschiedlich auslegen, wie unser Vergleich von 901 und 912 zeigt. Das 912 hat einen breiten Anwendungsbereich. Im Instrumenten-Recording wird es vor allem in den geschlossenen Flügel gelegt oder unter den Deckel des offenen oder halboffenen Flügels montiert. Darüber hinaus liegt es gern unauffällig auf Bühnenböden. Seine zurückhaltende Erscheinung macht es auch beliebt bei Konferenzen und in Kirchen. Hier ist eine integrierte Optik erwünscht, daher gibt es das 912 in schwarz und weiß.

Technik

Beide Mikrofone verwenden die gleiche dauerpolarisierte Kondensatorkapsel. Das 901 hat aber eine reduzierte Empfindlichkeit (0,5 mV/Pa) bei gleichzeitig höherer Schalldruckfestigkeit (154 dB SPL statt 136 dB SPL). Dieses Design macht es für einen Job in unmittelbarer Nähe des Bassdrum-Fells tauglich. Das 912 dagegen ist mit 10 mV so empfindlich, dass auch Pianissimo- Passagen eines Flügels ohne Rauschen übertragen werden. Die Mikrofone haben „Antirutsch”-Gummiplatten mit zwei Löchern, mit deren Hilfe man sie an Schrauben einhängen kann.

Praxis

Die Frequenzgänge der beiden Mikrofone lassen die unterschiedlichen Anwendungsbereiche erkennen. Das 901 ist speziell für Bassdrum „getunet”: im Tiefbass-Bereich entsteht ein „Nahbesprechungs- Effekt”, wenn man das Mikro etwa 10 cm in die Nähe des Fells bringt. Oberhalb von 1.000 Hz steigt die Kurve allmählich und deutlich an, sodass der „Kick” entschieden betont wird. Manche Soundleute pflegen die Praxis, das 901 in der Nähe des Spielfells für den „Kick” zu bevorzugen und das Volumen der Bassdrum mit einem weiteren Mikrofon ins Spiel zu bringen.

Beim 912 steht Sprachübertragung im Vordergrund, daher auch der deutliche Abfall unterhalb von 200 Hz, der ebenfalls durch den Proximity-Effekt aus nächster Nähe kompensiert wird. Bei der Instrumentalabnahme ergibt sich der Proximity-Effekt, wenn das Mikrofon im geschlossenen Flügel liegt. Bei z. B. einem Steinway D (2,50 m) werden dann auch die voluminösen Tiefbässe übertragen. Ein geschlossener Flügel hat bei dieser Aufnahmetechnik den Vorteil von deutlich reduziertem Crosstalk zu lauten Signalen in der Umgebung, wie dem Schlagzeug in einer Band. Ein praktischer Vorteil von Grenzflächenmikros ist auch ihre optische Zurückhaltung. Dort, wo man sie anbringen oder hinlegen kann, stört kein Stativ mit seinem Ausleger. Das gilt vor allem für die Bassdrum, die dann zu einem aufgeräumten Bühnenbild beiträgt.

Fazit

Mit diesen beiden Modellen bedient Sennheiser denkbare Anwendungen von Grenzflächen-Mikrofonen. Das relativ neue 912 ist geeignet für Allround-Applikationen. Das 901 hat seinen Platz in der Bassdrum. Dort wird es Sound-gestalterisch aktiv, indem es den Kick kräftig betont: Als Condenser hat es hier ohnehin Vorteile bei der Reproduktion von Impulsen. Die Mikrofone haben robuste Metallgehäuse und erzeugen insgesamt den Eindruck von „Heavy Duty”.

Hersteller: Sennheiser

Internet: www.sennheiser.de

Preis: 289,– (E 901), 289,– (E 912)

Autor: Martin Hömberg

Info-Tipp

Die Richtcharakteristik von Grenzflächenmikrofonen („Pressure Zone Microphone“, PZM) entspricht einer Halbkugel oberhalb des Mikros. Man legt oder montiert sie auf große, ebene Flächen. Manchmal werden dafür auch eigens Platten hergestellt, z. B. aus Plexiglas. Damit ihr besonderer Charakter zum Tragen kommt, muss der Untergrund hart und glatt sein. Der traditionelle Einsatz liegt bei Theaterund Konzertmitschnitten und bei der Übertragung von Konferenzen. In den letzten Jahren wurde auch die Bassdrum als Aufnahmeobjekt entdeckt. In einem akustisch attraktiven Raum eignen sich Grenzflächen auch sehr gut als Raummikrofone bei Aufnahmen mit Drums und anderen akustischen Instrumenten. Der Raum sollte dabei möglichst einen Stein-, Fliesen- oder Parkettfußboden haben.

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