AKG is back!

AKG K 371 – Studiokopfhörer im Test

(Bild: Dr. Andreas Hau)

Seit der Übernahme durch den Samsung-Konzern war es um AKG ein wenig still, jedenfalls was Studioprodukte angeht. Im Consumer-Bereich wusste der neue Besitzer die Traditionsmarke u. a. zur Aufwertung der den Premium-Handys beigelegten Headsets zu nutzen. Nun ist AKG endlich zurück mit einem neuen Studiokopfhörer – zum erstaunlich günstigen Preis.

Der AKG K 371 kommt in einer hübschen, aber nicht sonderlich aufwendigen Pappverpackung. Finde ich gar nicht so schlecht, denn so kann man den Karton wahlweise zur Aufbewahrung weiterverwenden oder den Entsorgungssystemen zuführen, wenn er unnötig Platz wegnimmt. Zum Lieferumfang gehört ein robuster Stoffbeutel in Grau mit schwarzem AKG-Aufdruck. Dessen Innenseite ist mit einem weicheren, schwarzen Textil gefüttert, auf dass der darin untergebrachte Hörer keine Kratzer abbekomme. Ebenfalls zum Lieferumfang gehören drei (!!!) Kabel: ein Spiralkabel, das sich auf bis zu 3 Meter dehnt, ein gerades Kabel von 3 Metern Länge sowie ein kurzes gerades Kabel von 1,20 m. So ist man in allen Einsatzbereichen optimal versorgt. Das Spiralkabel ist praktisch für die Arbeit am Mischpult bzw. Schreibtisch, das lange gerade Kabel eignet sich bestens für Musiker bzw. Sänger im Aufnahmeraum, und beim Musikhören mit Mobilgeräten sorgt das kurze Kabel für stolperfreien Genuss. Alle Kabel münden in einem 3,5-mm-Miniklinkenstecker, für den ein Aufschraubadapter für 6,3-mm-Klinkenanschlüsse beiliegt. Das Kabel wird einseitig an der linken Hörermuschel über einen Mini-XLR-Steckverbinder mit Verriegelung angeschlossen. Damit wäre das Zubehör komplett. Fehlt noch was? Richtig, der Kopfhörer!

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Moderner Schick ohne Schnickschnack

Der AKG K 371 gefällt mit einer modernen Formsprache mit weichen, organisch verrundeten Konturen. Es gibt praktisch keine Kanten, und auch die Materialien fügen sich schmeichlerisch in die Handflächen. Die Gabelaufhängungen scheinen aus Metall zu bestehen, ansonsten ist der K 371 weitgehend aus Kunststoff gefertigt. Die genaue Materialkomposition lässt sich nur erahnen, denn die schwarzen Oberflächen sind »smooth« veredelt. Die Ohrabdeckungen gehen randlos und ohne Überstände in die Ohrpolster über, als hätte man das Design auf einen möglichst geringen Luftwiderstand optimiert. AKG-Kennern wird auffallen, dass der K 371 auf die patentierte Bügelautomatik verzichtet, die AKG seit Jahrzehnten nahezu jedem Kopfhörer spendierte. War ihr CW-Wert nicht mehr zeitgemäß? Sei’s drum, man kann den Sitz natürlich auch konventionell justieren; der Einstellbereich sollte für jede Kopfform und -größe ausreichen. Das Kopfband ist wie die Hörermuscheln weich gepolstert und mit Kunstleder überzogen. Zum Transport lassen sich die Muscheln in Richtung Kopfband hochklappen; so wird der K 371 sehr kompakt. Allerdings sind die ohrumschließenden Muscheln nicht übertrieben geräumig. Meine nicht allzu winzigen Lauscher passen noch rein, sie stoßen aber seitlich an die Polster. Menschen mit ausladenden Genscher-Ohren sollten sich anderweitig umschauen.

Der K 371 ist ein geschlossener Kopfhörer. Die Isolation liegt in beide Richtungen im mittleren Bereich. Außengeräusche werden gedämpft, man ist aber nicht komplett von der Umgebung abgeschnitten. Bis in mittlere Lautstärken tönt nur wenig Kopfhörerschall nach außen; bei Heavy Metal in voller Lautstärke wird aber der Sitznachbar beherzt mitschunkeln. Der Anpressdruck ist nicht sonderlich hoch, was dem Tragekomfort zugutekommt. Die weichen Ohrpolster sind mit Memory Foam ausgestattet, der sich formbeständig der individuellen Kopfform anpasst. Auch über längere Hörsessions trat bei mir kein unangenehmes Druckgefühl auf.

Klang

Der K 371 klingt für einen geschlossenen Kopfhörer erstaunlich »offen«. Soll heißen, er verschont vor jenen unschönen Resonanzen in den Mittenfrequenzen, die den Klang geschlossener Kopfhörer tendenziell »topfig« erscheinen lassen. Diesbezüglich wurde in den letzten Jahren wohl viel geforscht, jedenfalls hat sich das allgemeine Klangniveau der geschlossenen Kopfhörer zuletzt stark verbessert. Das trifft unbedingt auch auf den AKG K 371 zu.

Insgesamt klingt der K 371 recht ausgewogen. Die Bässe sind druckvoll, aber nicht übertrieben und zeigen eine gute Definition. Bassläufe lassen sich mühelos heraushören. Die Höhen sind AKG-typisch kräftig und eher präsent abgestimmt, d. h., es überwiegen die kernigen oberen Mitten und unteren Höhen, weniger die fein ziselierten Brillanzen im Air-Band. Die frontale Ortung, für die diese Frequenzen eine wichtige Rolle spielen, ist daher recht gut; die kopfhörertypische Im-Kopf-Ortung ist vergleichsweise gering ausgeprägt. Die Stereobühne wirkt auch nicht übertrieben breitgezogen. Grundsätzlich ist es ein ungeschöntes Klangbild, das zum Arbeiten besser geeignet ist als zum Musikgenießen. Was dem K 371 ein wenig fehlt, ist die Emotionalität; das Brustregister in den unteren Mitten wirkt etwas unterrepräsentiert. Dadurch erscheinen Stimmen weniger »warm« und Soloinstrumente weniger »nah«. Ein guter Indikator dafür ist für mich Goodbye Pork Pie Hat auf Charles Mingus’ Meisterwerk Mingus Ah Um (1959). Mit dem K 371 wirkt die Aufnahme ein wenig kühl, beim sehr gefühlvollen Saxofonsolo ab 1:50 will der emotionale Funke nicht so recht überspringen. Nichtsdestotrotz lassen sich Qualität und Mix einer Aufnahme mit dem K 371 bestens beurteilen.

Auch die sekundären Kriterien haben die Entwickler nicht vernachlässigt. Dank hoch effizienter 50-mm-Treiber mit einer Sensitivity von immerhin 114 dBSPL/V und einer niedrigen Impedanz von nur 32 Ohm kommt der K 371 an jedem Kopfhörerausgang auf mehr als ausreichende Lautstärke. Man sollte jedoch im Auge behalten, dass ein so niederohmiger Kopfhörer den Kopfhörerverstärker stärker stresst als ein mittelohmiger. Das bedeutet, dass man zwar auch an Mobilgeräten auf brachiale Lautstärke kommt, hohe Verzerrungsarmut erreicht man aber nur an einem hochwertigen Kopfhörerausgang, der vorzugsweise eine extrem niedrige Ausgangsimpedanz aufweisen sollte. Letzteres ist auch bei Studiogeräten nicht immer der Fall, vermutlich weil eine alte AES-Richtline eine Ausgangsimpedanz von 120 Ohm vorsieht. In der Praxis lieferte der K 371 zwar auch an meinem Drawmer MC2.1 Monitor-Controller einen ordentlichen Sound, obwohl dessen Ausgangsimpedanz über 100 Ohm liegt. Ihr volles Potenzial entfalten die 32-Ohm-Treiber jedoch erst an einem Ausgang unter 4 Ohm, der optimale elektrische Dämpfung sicherstellt, was sich in besonders definierten Tiefen und sauberen Höhen äußert. In Topform spielte der K 371 an meinem Mac Book Pro, das tatsächlich einen ausgezeichneten Kopfhörerausgang hat – auch wenn Neil Young lautstark das Gegenteil behauptet.

Sämtliches Zubehör des AKG K371 (Bild: Dr. Andreas Hau)

Fazit

Ja, AKG lebt noch! Der neue K 371 ist ein sehr gut designter geschlossener Kopfhörer mit einem überraschend »offenen« Klangbild. Jene topfigen Resonanzen, die geschlossene Systeme oft plagen, haben die Entwickler dem K 371 erfolgreich abgewöhnt. Der Sound wirkt sehr klar und aufgeräumt, sodass man den K 371 für alle im Studio anfallenden Arbeiten von Aufnahme bis Mixing verwenden kann. Und auch der Tragekomfort lässt wenig zu wünschen übrig. Die Hörermuscheln könnten für sehr große Ohren ein bisschen eng sein, ansonsten gibt’s hier nichts zu meckern: Die Memory-Foam-Ohrpolster sind weich und geschmeidig, sodass auch längeres Tragen keine Druckstellen verursacht. Der Anpressdruck ist nicht sonderlich hoch; die Dämpfung von Außengeräuschen ist aber auch nur mittelmäßig. Das muss nicht schlecht sein; es kann ja durchaus angenehm sein, noch ein bisschen was von der Umgebung mitzubekommen. Musik hören kann man mit dem K 371 auch, wenngleich es für den sublimen Klanggenuss geeignetere Modelle gibt, die mehr Emotionalität vermitteln – durchaus auch von AKG. Solche Hörer – beispielsweise der K 812 bzw. K 872 – kosten in aller Regel aber ein Mehrfaches. Wer ein eher nüchternes Arbeitsgerät sucht, ist mit dem K 371 jedoch sehr gut bedient. Der Preis von derzeit rund 120 Euro erscheint für das Gebotene außerordentlich günstig!


Hersteller: AKG
UvP / Straßenpreis: 189,– Euro / 116,– Euro
Internet: www.audiopro.dede.akg.com

Unsere Meinung:
+++ sehr gutes Preis/Leistungs-Verhältnis
+++ umfangreiche Ausstattung u. a. mit drei Kabeln
++ ausgewogener Klang ohne störende Resonanzen
++ hoher Tragekomfort
– Außenschalldämpfung nur mittelmäßig

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