MB-Groove-Sampler

Akai MPC-2500 im Test

Die MPC-Reihe ist ein Hardware-Fels in der (Software-)Brandung. Nicht nur in der HipHop-Szene sind die MPC-Beat-Schmieden Kult, auch viele Techno- und House-Produzenten bedienen sich der MPC-Maschinen. Seitdem der Erfinder legendärer Drumcomputer, Roger Linn, 1988 die MPC 60 für Akai entwickelte, schreitet die Evolution des Sample-Drumcomputers stetig voran.

(Bild: Dieter Stork)

Es gibt eine Menge Gründe, warum die MPC-Reihe so beliebt ist, drei seien hier genannt:

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  • das gute Timing des Pattern-orientierten Sequenzers,
  • die tollen anschlagdynamischen Drum- Pads, die Roger Linn ursprünglich für seine Linn 9000 entwickelte,
  • der gute Sound des Gerätes, das in Sachen Durchsetzungsfähigkeit und Bassdruck noch immer jedes Notebook in Grund und Boden rockt.

Außerdem ist das Gerät für die Bühne prädestiniert, die Handhabung ist einfach und Abstürze sind nicht zu befürchten. Auch im Studio profitiert man vom intuitiven Handling der Maschine und beim Erstellen von Grooves mit dem „MIDI Production Center” kommt man auf ganz andere Ideen als beim Programmieren mit Software-Sequenzern. Das neue Modell 2500 ist das fehlende Glied zwischen dem kleinsten Modell MPC 1000 (s. Test KB 09/04), der Top-Maschine MPC 4000 (s. Test KB 10/02) und dem ersehnten Nachfolger der MPC 2000 XL. Sie ist mit einem Verkaufspreis von ca. € 1.790,– etwa € 650,– günstiger als die MPC 4000.

Äußeres

Die schwarze Farbgebung verleiht der MPC 2500 einen edlen und dezenten Eindruck, den Akai übrigens in Zukunft allen MPCs angedeihen lassen will. Zur Freude eingefleischter MPC-Fans ist das klappbare Display, das man bei der MPC 1000 vermisst hatte, wieder da. Die Arbeit (insbesondere auf der Bühne) wird dadurch erheblich erleichtert, da man aus allen Blickwinkeln optimale Sicht hat. Die 16 Gummi-Pads spielen sich – wie man es von den Akai-Maschinen gewohnt ist – einfach klasse. Auch hier übernehmen die Pads noch weitere Funktionen, die sich über verschiedene Tastenkombinationen abrufen lassen. So findet man direkten Zugang zu bestimmten Menüs oder kann die Tracks während der Performance muten.

Links neben den Pads befindet sich die Q-Link-Sektion, in der man mit zwei Fadern und zwei Potis Realtime-Manipulationen am Audiomaterial vornehmen kann. Sie können z. B. auf Pitch, Filter-Cutoff und Resonanz, Attack und Decay geroutet werden. Die Q-Link- Regler erzeugen MIDI-Daten, die aufgenommen bzw. abgespielt und bei Bedarf auch später editiert werden können. Auf der Vorderseite der Maschine, deren Größe etwa der der MPC 2000 entspricht, findet sich neben dem Kopfhörerausgang und zwei Fußschalteranschlüssen ein CF-Card- Slot (wie bei der MPC 1000). Eine 32-MB CF-Karte wird mitgeliefert, Karten bis zwei GB Fassungsvermögen lassen sich verwenden. Auf der Rückseite wird geklotzt: Stereo-Ausgang, acht Einzelausgänge, symmetrischer Stereo-Eingang, zweimal MIDI-In, viermal MIDI-Out (sodass man bis zu 64 MIDI-Kanäle nutzen kann), coaxialer S/PDIF-Ein und Ausgang, ein USB-Anschluss zum Datentransfer mit dem Computer (Backup und Import von WAV-Files). Mit dieser Grundausstattung können nicht nur Computer-Unwillige das Gerät gut als Studiozentrale einsetzen. Bei der teureren MPC 4000 müssen die Einzelausgänge und das Digital-Interface nachgerüstet werden (dafür hat sie allerdings auch serienmäßig einen symmetrischen XLR-Stereoausgang). Der rückseitige Netzschalter der MPC 2500 ist zwar schwergängig, könnte aber für eine Live-Situation etwas besser gegen versehentliches Abschalten geschützt sein.

Innere Werte

In der Basisversion ist die MPC 2500 mit etwas archaischen 16 MB RAM ausgestattet. Sie lässt sich bis 128 MB hochrüsten; das ist OK, wenn man nur kurze Drum- Samples nutzt, es hätte aber auch ruhig etwas mehr sein können. Das Gerät verfügt außerdem über ein 5 MB großes Flash-ROM, sodass beim Einschalten direkt einige Sequenzen und Sounds geladen werden können. Wie die MPC 1000 und 2000 arbeitet die Maschine mit einer Sample-Rate von 44,1 kHz / 16 Bit und einer 32-fachen Polyfonie. Bei komplexeren Arrangements kann es deswegen manchmal etwas eng werden, 64 Stimmen – wie bei der MPC 4000 – wären natürlich besser gewesen. Es lassen sich außerdem noch eine optionale Festplatte, die bis zu 80 GB fassen kann, und ein CD/RW-Laufwerk einbauen, was übrigens ziemlich einfach geht.

Der Grid-Editor sorgt für Übersicht bei der Groove-Erstellung.

Sequenzer

Das Fassungsvermögen des Sequenzers gleicht dem der MPC 1000: Es können bis zu 100.000 Noten auf 64 Spuren in maximal 99 Sequenzen und 20 Songs verarbeitet werden. Allerdings hat sich hier einiges in Sachen Editier-Komfort getan: So gibt es einen schönen Grid-Editor, mit dem sich die Grooves sehr übersichtlich darstellen und editieren lassen. In der Grid-Matrix werden immer 36 Steps von drei Pads angezeigt. Durch Antippen eines Pads wird die entsprechende Spur sofort dargestellt. Man kann alle Events einer Pad-Spur auch in einem Listen-Editor modifizieren, der sich innerhalb des Grid-Menüs schnell erreichen lässt. Die Sequenzen können aber leider nur bei gestopptem Sequenzer editiert werden.

ChopShop / Patched Phrase

Zu den wesentlichen Neuerungen des MPC 2500 gehört das Beat-Slicing, das unter dem schönen Namen „ChopShop” im Betriebssystem der Maschine verewigt wurde. Da auch Mitbewerber wie der Roland MV-8000 die tempo- und tonhöhenunabhängige Verarbeitung von Loops bieten, musste Akai reagieren. Das Audiomaterial wird dabei in Regionen zerlegt, wobei dem Slicing entweder ein starres Raster von einer zu wählenden Anzahl von Regionen (Equally) oder die Attack-Phasen (Auto) zugrunde gelegt werden. Diverse Parameter wie Threshold, Sensitivity und Recovery (damit wird die Mindestzeit zwischen den Attack-Phasen bestimmt) erleichtern im Auto-Modus die Anpassung an das Audiomaterial. Die Slices (bzw. Regionen), deren Start- und Endpunkt sich übrigens nachjustieren lassen, werden dann entweder automatisch auf die Pads verteilt oder nach der Angabe des Originaltempos in eine so genannte „Patched Phrase” konvertiert, die tonhöhenunabhängig und temposynchron abgespielt wird.

Mit entsprechenden Einstellungen lassen sich hier gute Ergebnisse erzielen. Momentan können allerdings nur Mono-Samples verarbeitet werden, bei Stereomaterial wird nur der linke Kanal verwendet. Beim Sampling hat man einiges verbessert: Es ist jetzt möglich, bei laufendem Sequenzer zu sampeln, wobei aber nicht auf die Festplatte, sondern in den Arbeitspeicher geschrieben wird. Eine Aufrüstung auf 128 MB RAM ist daher notwendig, um diese Direct-Recording-Funktion, die z. B. Vokalaufnahmen erleichtert, vernünftig nutzen zu können, denn eine Disk-Streaming-Funktion wurde (noch) nicht implementiert.

Effekte, Filter, LFO

Die Effektsektion ähnelt in ihrer Grundstruktur der der MPC 1000: Es gibt zwei unabhängige Effektprozessoren und eine Master-Effektsektion, allerdings wurden die Effektalgorithmen überarbeitet und verbessert. Die schönste Nachricht für MPC Aficionados: Es gibt endlich ein Delay! Tatsächlich wurde dieser Brot-und-Butter- Effekt erst jetzt in einer MPC implementiert. Das Delay lässt sich auf Wunsch zum Tempo synchronisieren, das Effektsignal kann gedämpft werden, und das Panning kann temposynchron oder asynchron eingesetzt werden. Ansonsten gibt es noch Reverb, Bit Grunger, Chorus, Phaser, Autopan, Tremolo Compressor und 4-Band-EQ. Alle Effekte sind brauchbar bis gut, ich hätte mir lediglich noch einen guten Distortion-Effekt gewünscht, denn der ziemlich zahme Bit Grunger ist da kein Ersatz.

Jetzt ist endlich auch ein Delayeffekt an Bord.

Etwas schade ist, dass die Effekte nur über den Stereoausgang ausgegeben werden, da hoffen wir auf Nachbesserung im nächsten Betriebssystem-Update. Verbessert wurden aber die Filter-Algorithmen: Das neue 4-Pole-Filter klingt beispielsweise nicht übel und erweitert die Klangmöglichkeiten erheblich. Wie beim großen Bruder MPC 4000 verfügt das Gerät über LFO-Modulation, wobei allerdings nur ein LFO an Bord ist. Er arbeitet immer temposynchron, bietet die Wellenformen aufsteigender und abfallender Sägezahn, Dreieck, Rechteck, Sinus sowie eine Zufallswellenform und lässt sich auf die Modulationsziele Pitch, Lautstärke, Filter und Panorama routen. Mit der neuen Input-Thru-Funktion wird die MPC 2500 zum Effektgerät, denn jetzt kann man statt der internen Samples über die analogen und digitalen Audioeingänge auch externes Audiomaterial mit Filter und Effekten manipulieren – das ist eine sinnvolle Erweiterung, die auch live viel Spaß machen kann (etwa bei einer Kombination von Live- und DJ-Set).

Praxis

Der Bedienkomfort hat sich gegenüber MPC 4000 und 1000 eindeutig verbessert. So kann man direkt aus der Main-Page sampeln, ohne sich erst durch diverse Menüs hangeln zu müssen. Die Note-Repeat-Funktion lässt sich (ebenso wie die vier Pad- Bänke) mit eigenem Taster sofort aktivieren, und man kann neuerdings auch die Repeat- Quantisierung direkt mit den Funktionstasten anwählen.

Der ChopShop ist ein leistungfähiger Beatslicer.

Viele kleine durchdachte Software-Details, wie etwa das unkomplizierte Wechseln zwischen dem Mixer- und Effektmenü, erleichtern die Arbeit. Auch die anderen Features wie Timestreching und Resampling, die man seit der MPC 4000 nicht mehr missen möchte, sind natürlich implementiert. Wichtige Bedienelemente, die man dauernd braucht, wie das Datenrad und die Cursor- Tasten, ähneln denen der MPC 2000 und den Samplern der S-Serie, und sie gefallen mir besser als die der MPC 4000 oder 1000, da ihre Formgebung und die Haptik ein schnelles Arbeiten ermöglichen. Die anschlagdynamischen Pads sind wie immer Klasse, verfügen aber nicht über Aftertouch wie die der MPC 4000. Minuspunkte gibt’s für den Zwang, den Sequenzer beim Editieren stoppen zu müssen; das nervt nicht nur beim Einstellen des Swing-Faktors.

Auch die Filteralgorithmen wurden verbessert.

Fazit

Die MPC 2500 ist in mancher Hinsicht die beste MPC, die es je gab: Der erhöhte Bedienkomfort, neue Funktionen wie z. B. das Beat-Slicing und Direct-Recording und die tolle, wie immer sehr gut verarbeitete Hardware, die in der Grundversion schon eine sehr gute Ausstattung an MIDI-Schnittstellen, Einzelausgängen und Q-Link-Reglern für die Echtzeitsteuerung bietet, sprechen für sich.

Hauptkritikpunkte sind die lediglich 32- stimmige Polyfonie und die Obergrenze von 128 MB Arbeitsspeicher. Besonders in letztem Punkt sollte nachgebessert werden, um z. B. die Integration längerer Vocal- oder Instrumenten-Samples zu erlauben. Ansonsten wäre es schön, wenn ein zukünftiges Update die Möglichkeit böte, bei laufendem Sequenzer auch die Sequenzen zu editieren. Die Klangqualität ist wie immer hervorragend: Druckvolle Bässe, crispe Höhen und ein generell durchsetzungsfähiger Sound zeichnen die MPC aus. Wer mehr Stimmen braucht und auch andere Sample-Raten nutzen will, muss auf die MPC 4000 ausweichen oder die Roland MV-8000 ins Auge fassen, die gute Effekte und ebenfalls Features wie Beat-Slicing bietet und mit dem neuen Update 3.5 (siehe Test in Ausgabe 3.2006 von SOUND & RECORDING) noch mal kräftig an Funktionsumfang zugelegt hat. Mit einem Preis von 1.799 Euro ist die MPC 2500 zwar kein Schnäppchen, aber es wird ein hochwertiges Tool geboten, das auch in extremen Live-Situationen stoisch und absturzsicher funktioniert und im Studio ein Mörderteil zur Groove-Erstellung ist.

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