Mit wabernden Loop-Fragmenten

Sounddesign: Loops als Synth-Add-on – Wir verschönern den Pad-Sounds

Komplexe, sich ständig modulierenden Synthflächen zu programmieren ist ein gutes Stück Arbeit. Die Arbeit kann allerdings deutlich einfacher werden, wenn man mit dem Layering-Prinzip arbeitet und verschiedene, weniger komplexe Sounds schichtet. In dieser Sounddesign-Folge schauen wir uns an, wie wir einfache Pad-Sounds mit Sample-Loops aufwerten können.

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Eine gute Nachricht vorweg: Das Praktische an dieser Technik ist, dass wir sie eigentlich nur ein einziges Mal zusammenbauen müssen und danach den Sample-Content jederzeit austauschen können. Denn die meisten DAWs bieten heute die Möglichkeit, ein Preset einer kompletten Spur zu speichern. Somit wird nicht nur das Instrument inkl. des Loop-Contents und seiner Modulationen gesichert – auch alle zugehörigen Effekte sind gespeichert.

Doch zurück zum Anfang. Das Ziel soll sein, dass wir schöne und simple Pad-Sounds um einen zusätzlichen Komplexitäts-Layer ergänzen wollen und dazu Loops, also Samples, verwenden. Als Quellmaterial eignen sich hier vor allem nicht-tonale Sounds, da der tonale Teil ja bereits von unserem Synthpad übernommen wird. Drumloops funktionieren ganz wunderbar, und vermutlich dürften die meisten von uns Hunderte davon auf der Platte herumliegen haben – und sei es auch nur, weil sie direkt mit der DAW mitgeliefert wurden.

Also legen wir los, suchen uns einen beliebigen Drumloop und laden ihn in den Sampler unserer Wahl. Für das folgende Beispiel habe ich Native Instruments Kontakt verwendet.

In Kontakts Source-Sektion sind die wichtigsten Playback-Parameter wie Timestretching, Tuning und Reverse vereint.

Sampler-Setup

Zunächst schalten wir den Sampler monofon, sodass nur eine Stimme gleichzeitig erklingen kann. Ansonsten hätten wir das Problem, dass sich zu viele Noise-Anteile gegenseitig überlagern, wenn wir Akkorde spielen. Wer das natürlich mag: Go for it! In Kontakt ist diese Einstellung ein wenig versteckt. Wir müssen dazu ein spezielles Script in Kontakts Script-Editor laden, welches wir unter Factory / Performance / Unisono – Portamento finden. Hier schalten wir den Mono Modus auf Legato.

Als Nächstes aktivieren wir das Timestretching des Samplers (TimeMachine Pro in Kontakt), damit wir die Loops verlangsamen und dennoch synchron zum Hosttempo laufen lassen können. In meinem Fall habe ich dazu den Speed-Wert auf vier ganze Noten gestellt. Dadurch werden eintaktige Loops nur noch mit einem Viertel ihrer ursprünglichen Geschwindigkeit abgespielt. Und damit der Loop überhaupt loopt, muss natürlich auch diese Funktion aktiviert werden. In der Regel sind Drumloops perfekt geschnitten, und wir müssen hier nicht mehr nachjustieren.

Dann aktivieren wir die Reverse-Funktion, was den Effektcharakter deutlich erhöht und die Drumloops nicht mehr so eindeutig als solche erkennbar macht.

Die Einstellung der Tonhöhe ist komplett geschmacksabhängig. Wer mag, kann das Sample sehr tief pitchen, um nur noch einen dumpfen Soundteppich zu erhalten, oder eben sehr hoch, um in knisternde Noise-Gefilde abzuwandern. Ein LFO, der die Tonhöhe permanent moduliert, kann den Sound auch noch stark bereichern.

Als finale Grundeinstellung sollten wir noch die Volume-Envelope unseres FX-Layers an die Volume-Envelope des Synth-Layers angleichen.

Volcano 3 bietet sehr ausgefeilte und abgedrehte Modulationsmöglichkeiten für seine individuellen Filterbänder.

Effektierung

Grundsätzlich ist hier erst mal alles erlaubt, was dafür sorgt, dass unsere Soundquelle abgedrehter und interessanter klingt. Dennoch sollte natürlich alles Mittel zum Zweck bleiben und nicht zu sehr vom tonalen Layer ablenken – wir wollen diesen ja schließlich ergänzen. Im Sampler bietet sich z. B. ein Bandpassfilter an, welches wir mit einem temposynchronen LFO-Sweep vollführen lassen. Eine Random-Wellenform des LFOs kann für einen zusätzlichen Zufallsfaktor sorgen, falls das gewünscht ist. Spezielle Filter-Plug-ins wie Fabfilters Volcano 3 können hier noch mal einen deutlichen Schritt weitergehen.

Ein Ping-Pong-Delay und ein Reverb sorgen für zusätzlichen Raum, Signalanteile und Breite. Mixanteile ab 40–50 % sorgen für eine schön kräftige Effektierung des Signals. Natürlich können auch völlig abgedrehte Effekte wie beispielsweise Werkzeuge aus dem Hause Sugar Bytes hier toll wirken.

Zum Abschluss komprimieren wir das Signal recht kräftig, mischen es dann mittels Channelfader passend zum Synthsound hinzu, und schon haben wir ein einfaches Pad um einen komplexen Layer aufgewertet.

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