Mixpraxis

Emile Haynie über seine Arbeit an High As Hope von Florence + The Machine

»So sehr ich es auch liebe, mit echten Künstlern und richtigen Orchestern, mit Bläsersektionen und superguten Session-Musikern zu arbeiten, gibt es für mich doch nichts Schöneres, als in einem Raum voller Equipment zu sitzen, an Beats, neuen Klängen und Akkord-Arrangements zu arbeiten, ein neues Keyboard, eine Drummachine oder neue Plug-ins auszuprobieren.«

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So sagt es via Skype aus New York Emile Haynie, der über die letzten zwei Jahrzehnte einen bemerkenswerten Weg vom Bedroom-Bastler zu einem der gefragtesten Producer der Welt zurückgelegt hat. Als Teenager geriet er häufiger mal mit den Behörden in Konflikt und musste viel Zeit mit Hausarrest in seinem Zimmer verbringen. Wenn es aber stimmt, dass in allem Schlechten auch eine Hoffnung verborgen ist, lag diese in Haynies Fall darin, nichts zu tun zu haben, außer in seinem Schlafzimmer Beats zu bauen − mit jedem Equipment, das er irgendwie in die Finger bekommen konnte. Falls die Rede von »Blei zu Gold machen« jemals überhaupt zutraf, dann wohl darauf, wie die Skills, die Haynie sich teils unter Hausarrest angeeignet hat, den Grundstein seiner Karriere legten, die bislang zu zwei Grammy-Awards und fünf Grammy-Nominierungen geführt hat sowie zu einer Credit-Liste vollgepackt mit großen Namen wie Eminem, Kid Cudi, Kanye West, Lana Del Rey, Bruno Mars, Rolling Stones, Ed Sheeran oder Lady Gaga. Obwohl er normalerweise hinter den Kulissen arbeitet, ist Haynie im vergangenen Sommer in den Medien aufgetaucht − als hauptsächlicher Co-Producer des vierten Albums von Florence + The Machine, High As Hope.

Der Grundstein

Bevor Haynie von der Produktion von High As Hope berichtete, erzählte er, wie ein problembelasteter Teenager aus Buffalo seinen Weg nach ganz oben geschafft hat. »Ich habe Hip-Hop für mich entdeckt, als ich ungefähr 10 Jahre alt war, und mit 12 war ich besessen davon«, erinnert er sich. »Ich habe jedes Mixtape abgegriffen, das ich in die Finger bekam, um all die verschiedenen Sounds und Songs zu horten. Als Nächstes habe ich auf ein Doppel-Tapedeck gespart und angefangen, mit der Plattensammlung meines Vaters eigene Mixtapes zu machen. Darin bin ich immer kreativer geworden, und irgendwann habe ich die Mixtapes in der Schule verkauft. Ungefähr in dieser Zeit, 1992, habe ich den Film Juice gesehen und darin zum ersten Mal die Kunst des DJings so richtig mitbekommen: Scratching und Mixing. Davon war ich ab diesem Punkt komplett besessen.

Als ich dann 14 oder 15 war, wollte ich unbedingt wissen, wie Beats eigentlich gemacht werden, hatte aber keine Ahnung von Produktion, bis ich einen Typen aus der Nachbarschaft namens Jeremy Cochise Ball traf, dessen Rap-Gruppe einen Vertrag mit Payday Records hatte. Er hatte ein kleines Studio mit einem Alesis ADAT, einem Ensoniq EPS-Sampler und ein paar Lautsprechern, und als ich ihn bei der Arbeit daran beobachtete, war es um mich geschehen.

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