Schrille Sounds und Föhnfrisuren

Sound&Recording: That 80s Sound

Anzeige

Für mich sind die 80er musikalisch eines der prägendsten und signifikantesten Jahrzehnte überhaupt. Dort wurde vor allem für den elektronischen und digitalen Bereich sehr viel Pionierarbeit geleistet. Und das in einem gewissen modischen StyleFaktor mit Schulterpolstern und Föhnfrisuren. Die Liste meiner 80er-Jahre-Spotify-Playlist ist wirklich lang! Typisch für diese Zeit sind für mich Acts wie Starship, Journey, Eddy Money, Duran Duran, Limahl, Human League, Kenny Loggins und Harold Faltermeyer, der die Soundtracks zu Beverly Hills Cop und Top Gun produzierte − Letzterer wird in De/constructed von Henning und Christoph ab Seite 40 nachgebaut. Für mich ist das der Soundtrack der 80er! Seit Kurzem versuche ich der Frage auf den Grund zu gehen, warum ich die 80er so cool finde, wo ich doch erst 1984 geboren bin und die Hochzeit meines Musikkonsums im Trash-Zeitalter, den 90ern lag.

Ich erinnere mich auch, dass ich damals mit den 80ern überhaupt nichts anfangen konnte. Woher also dieser Wandel? Grund Nr. 1 ist wirklich der Sound, der sich von aktuellen Produktionen einfach stark abhebt. Es ist nicht alles totkomprimiert, es gibt noch eine gewisse Dynamik, und der Sound klingt einfach original, weil es eben der Original-Sound ist. In den Songs von Human League sind es unter anderem die String-Sounds eines Korg Deltas, und der macht den Sound aus, und eben keine Software-Simulation. Welche Synths außerdem für Human League stehen, könnt ihr in Love The Machines ab Seite 28 nachlesen. Dass auch heute noch mit 80er-Effekten produziert wird, zeigt die Mixpraxis zu The XX mit David Wrench. Und eine Übersicht der 80er-Studio-Effekte findet ihr in Vintage FX. Grund Nr. 2 ist, dass musikalisch viel experimentiert wurde.

Anzeige

Deshalb gibt es natürlich auch Werke, bei denen man sich fragt: »Ist das Kunst, oder kann das weg?« Heute wird im Mainstream nicht mehr experimentiert, sondern die A&Rs wissen genau, was im Radio funktioniert, und darauf wird auch schon das Songwriting aufgebaut. Früher gab es beispielsweise beim Gesang auch mal einen schiefen Ton, der im Kontext wohl auch nicht auffällt, allerdings den Song auch menschlicher gemacht hat. Zu diesem Thema hat Vocal-Coach Ronny Lang einiges zu sagen. Grund Nr. 3 ist für mich zusammenfassend: Nostalgie und »Das Auge hört mit!«. Wenn man an die 80er denkt, stellt man sich sofort Musiker mit Föhnfrisuren und Schulterpolstern an Synthesizern vor und versetzt sich gedanklich zurück in eine Zeit, wo in Autos noch geraucht wurde und Kinder wussten, dass man Bandsalat nicht essen kann und dass der Walkman keine Gehhilfe ist.

Aus dieser Zeit haben Produzent Neil Dorfsman (u. a. Sting, Dire Straits) und die Band Alphaville, deren Hits Big In Japan und Sounds Like A Melody jeder kennt und die mit neuem Album wieder auf Tour ist, einiges zu berichten. Grund Nr. 4: Forever Young!

Viel Spaß beim Lesen dieser SOUND&RECORDING-Ausgabe!

Marc Bohn
Chefredakteur SOUND&RECORDING
PS: Folgt mir auf Instagram und Twitter

SPECIAL

  • Forever Young − Auf Zeitreise mit Alphaville
  • Neil Dorfsman über Produktionen und Technik
  • Love The Machines − Die Synthesizer von Human League
  • Vintage FX − Effektgeräte im Sound der 80er-Jahre
  • De/constructed: Kenny Loggins

TESTBERICHTE

  • Chandler REDD Mic − Großmembran-Kondensatormikrofon mit Röhren-Preamp
  • Ultrasone Signature Studio − Geschlossener Kopfhörer
  • UAD Moog Multimode Filter Collection
  • Native Instruments Thrill − Cinematic Tension Instrument
  • ADAM Audio S3V − 3-Wege-Monitor mit DSP-System
  • Radial Pro RMP, X-Amp & EXTC-500 − ReAmping-Tools

STORY

  • Studioszene: 24-96 Mastering, Karlsruhe
  • The VoiceFinder − Singen ist Psyche

PRAXIS

  • Mixpraxis: The XX
  • I’m Sound − Versicherung für Instrumente und Studio-Equipment
  • Sounddesign − Gläserne Klänge
  • Studiotipps − Kniffe, die die Welt verbessern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.