Am Rechner nachgebaut!

De/constructed – Machine Gun Kelly – Bloody Valentine

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In dieser Workshop-Reihe zeigen wir, wie und mit welchen Tools sich aktuelle Charthits und klassische Stilrichtungen zu Hause am eigenen Rechner (nach-)produzieren lassen. In dieser Folge nehmen wir die Single Bloody Valentine des US-amerikanischen Rappers und Sängers Machine Gun Kelly unter die Lupe, die auf seinem fünften Longplayer Tickets To My Downfall erschienen ist.

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Style-Analyse

Mit der Single sowie dem gesamten Album vollzieht der Rapper einen krassen Stilwechsel von Rap/Trap hin zu lupenreinem Pop-Punk. Die Einflüsse und Referenzen sind nicht zu überhören, Tickets To My Downfall klingt wie eine Retrospektive in die End-Neunziger mit Bands wie Greenday, Good Charlotte, Fall Out Boy und allen voran Blink 182, deren Drummer Travis Barker nicht nur sämtliche Drums auf dem Album spielt, sondern es auch gleich noch produziert hat. Eingängige Riffs und poppige Hooks dominieren, allesamt Ohrwürmer mit teilweise melancholischer Note. Gerade bei Bloody Valentine ist der Einfluss von Blink 182 auf das Songwriting überdeutlich herauszuhören. Das Ergebnis ist zwar nicht bahnbrechend neu, aber doch eine Neuentdeckung und Identifikation für die aktuelle Generation und soundlich frisch produziert.

Für die Umsetzung im Rechner benötigen wir eine klassische Rockband-Besetzung mit Drums, Bass und Gitarren, die von verschiedenen Software-Playern gestellt werden.

Hier findest du die Dateien zum Nachbauen in der eigenen DAW.

Drums

Travis Barker gehört zu der Sorte Drummer, die viele Schläge auf den unterschiedlichen Zählzeiten unterbringen, die Drums treiben also energetisch mit 160 bpm, schnellen Snare-Rolls, Hi-Hat-Patterns und Tom-Fills voran. In den Strophen wird das Grund-Pattern durch einige weggelassene Kickschläge ausgedünnt. Die Achtel-Hi-Hats wiegen dies durchgehend halboffen gespielt mit ungeschliffenem, rockigem Sound auf. Im Chorus wird zur Steigerung auf Viertelkick und 16tel-Hi-Hat gewechselt. Spielweise und Energie erinnern stellenweise an den The-Killers-Hit Mr. Brightside. Immer wieder für soundliche Überraschungen gut: Phaser und Filter auf Drumfills. Dazu im C-Part ein Travis-Barker-typischer Drum-Build-up mit Marching Snare, Rolls und großem Abschlussfill. Um den Schluss-Chorus noch zu steigern, wird von der Hi-Hat auf ein durchgehendes Viertel-Crashbecken gewechselt. Auch ändert sich das Kickpattern in einen klassischen Rock-Groove.

Der Sound der Drums ist präzise, klar und knallig. Grundlage ist ein Drumkit aus den Steven Slate Drums 5 (CLA Rock Kit 02). Die verschiedenen Instrumente werden auf Einzelausgänge verteilt und dann in Cubase für einen dichteren Produktionssound weiterbearbeitet.

Bass

Der Bass spielt straighte Rock-Achtel auf den Grundtönen D, A und Fis, was bis auf den ruhigen C-Part durchgehend über den gesamten Song so bleibt. Grundlage ist hier der Scarbee Rickenbacker Bass aus Native Instruments Kontakt.

Gitarren

Hier wird direkt zu Beginn die Ähnlichkeit zu Blink 182 überdeutlich, da sich MGK des selben Songwriting-Prinzips bedient: Während der Bass die Grundtöne wechselt, spielen darüber gleich zwei ostinate E-Gitarrenlinien, einmal eine gemutete Sequenz sowie ein cleanes, Chorus-geladenes Picking. Hierdurch entstehen leicht melancholische Klangfarben, die das Pop-Punk-Emo-Herz direkt höher schlagen lassen.

Die Gitarrenparts werden überwiegend mit der Musiclab RealLPC erzeugt, die ein cleanes Les-Paul-Signal ausgibt, das dann durch verschiedene virtuelle Native Instruments Guitar Rig Amps geschickt wird. Im Pre-Chorus kommen leicht angezerrte Powerchords hinzu, die im Chorus durch noch offenere Varianten gesteigert werden. Eine fast ebenso ostinate und oktavierte Solo-Lead-Line rundet den Gitarrenpart ab.

Synths

Die verwendeten Synths unterstützen die Emotionalität des Songs, indem sie Atmosphäre erzeugen. In den Strophen spielt z. B. ein Klavier (XLN Audio Addictive Keys »Studio Grand – Miles away«) kleinere Einwürfe, die mit dem Waves CLA Effects Plug-in verzerrt wurden (Preset »Airport Parking«). Im Chorus kommt eine strahlende Fläche aus Spectrasonics Omnisphere (Gospel Solina 4) dazu.

Arrangement& Master

Der Aufbau ist Popsongtypisch gehalten. Auf eine ausgedünnte Strophe folgt und offen gespielten Chorus mündet. Auffallend ist, dass der Song bis auf den ruhig gestalteten C-Part, der sich wie ein Dance-Build-up zum finalen Chorus steigert, mit drei Akkorden auskommt und sämtliche Unterschiede zwischen den Parts allein durch die Instrumentierung und Intensität des Spiels – vor allem in den Drums – entstehen.

Der gesamte Mix wird in der Summe mit dem UAD Shadow Hills Mastering Compressor leicht komprimiert (1–2 dB Gain- Reduction) und mit dem Brainworx bx1 V3 Mastering EQ im Stereobild verbreitert (124 %). Der Sonnox Inflator und der FabFilter Pro L2 als finaler Limiter holen den Mix abschließend nochmal richtig nach vorn. Viel Spaß beim Experimentieren!

 

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