Ohne Firlefanz

Presonus Studio 2|6 und 6|8 – USB-2.0-Audio-Interfaces im Test

Gerade erst überraschte Presonus mit dem ultraschnellen Thunderbolt-Audio-Interface Quantum, nun schickt der US-Hersteller zwei sehr preisgünstige Audio-Interfaces mit USB-2.0-Schnittstelle ins Rennen. Ein gutes Audio-Interface muss sich ja nicht zwangsläufig durch Innovation auszeichnen, wichtiger fürs entspannte Arbeiten sind Zuverlässigkeit und hochwertige Klangeigenschaften.

(Bild: Dr. Andreas Hau)

Die Hardware macht schon mal einen hochwertigen Eindruck. Die Gehäuse bestehen aus Metall und sind tadellos verarbeitet. Die Kombination aus Metallic-Blau und gebürstetem Alu wirkt recht schmuck, in Anbetracht der Preisklasse: Rund 180 Euro kostet das kleine Studio 2|6 im Laden, das etwas größere Studio 6|8 ist für knapp 280 Euro zu haben. Schauen wir mal, was man dafür bekommt!

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Das 2|6 ist eher spartanisch ausgestattet: Auf der Gerätefront befinden sich zwei Combobuchsen, die als Mic/Line/Instrument-Inputs dienen. Bei Belegung mit einem XLR-Stecker landet man im Mikrofoneingang; für Kondensatormikrofone lässt sich P48-Phantomspeisung zuschalten. Bei Belegung mit einem Klinkenstecker wird die Betriebsart (Line, symmetrisch/Instrument, unsymmetrisch) über den danebenliegenden Line-Button bestimmt.

Wer einen Bass oder eine Gitarre ein- stöpselt, sollte daher unbedingt darauf ach- ten, den Instrument-Modus zu wählen, der eine hohe Impedanz von 1 Megaohm bereitstellt. Nur so bleibt die Brillanz von Gitarren/ Bass-Pickups erhalten; im Line-Modus mit einer niedrigeren Impedanz von 10 Kiloohm klingen Instrumente mit passiven Tonabneh- mern matt. Schön, dass wir mal in Ruhe darüber reden konnten, denn sonst gibt es hier nichts zu sehen.

Gute Messwerte liefern das Studio 2|6 und 6|8 in Anbetracht der Preisklasse. Im Loop-Test (Ausgang auf Eingang) kommt das Studio 6|8 auf eine Dynamik von 110 dB. Das kleinere Studio 2|6 bringt es dagegen nur auf 103 dB — vermutlich weil die Stromversorgung per USB-Bus-Power Kompromisse in Sachen Energieverbrauch erzwingt.

 

 

 

Mehr Anschlüsse finden sich auf der Rückseite, als da wären: ein Kopfhörerausgang; zwei Main-Outs, die sich frontseitig im Pegel regeln lassen, zum Anschluss von Mo- nitorboxen, zwei zusätzliche Line-Outs und … Trommelwirbel: MIDI-Anschlüsse! Die sind seit dem Analog-Synth-Revival wieder unver- zichtbar. Einen Netzteilanschluss sucht man vergebens, das 2|6 wird über den USB-2.0- Port vom angeschlossenen Computer gespeist. Darin unterscheidet sich das kleine 2|6 vom größeren 6|8, das über ein sehr kompaktes externes Netzteil mit Strom versorgt wird. Das mag der eine oder andere als lästig emp-finden, aber Audio-Interfaces mit eigener Stromversorgung haben in aller Regel bessere Audiowerte als solche, die mit USB-Bus-Powering betrieben werden. Das liegt schlicht daran, dass der USB-Bus (zumindest bei USB 2.0) nicht besonders viel Energie bereitstellt, wodurch zwangsläufig das Stromsparen eine höhere Priorität erlangt als optimaler Klang.

Insofern empfehle ich seit Jahren Audio-Interfaces mit eigener Stromversorgung. Ob sich meine Bus-Powering-Skepsis auch im konkreten Fall der beiden Presonus- Interfaces bewahrheitet, sehen wir später. Ansonsten bietet das 6|8 ein erweitertes Anschlussfeld auf der Rückseite. Zusätzlich zu den beiden Eingängen auf der Gerätefront gibt’s hier zwei weitere Combobuchsen, die hier aber »nur« als Mikrofon/Line-Eingänge dienen; einen Instrumentenmodus haben diese beiden Eingänge nicht. Wäre auch unnötig, denn die beiden Inputs auf der Front reichen ja locker aus, um Gitarre und Bass anzuschließen, wenn nötig auch gleichzeitig.

Analoge Ausgänge hat auch das 6|8 nur vier: zwei frontseitig regelbare Main-Outs und zwei nicht regelbare Line-Outs. Dazu kommen koaxiale S/PDIF-Ein- und Ausgänge (stereo, bis 96 kHz, 24 Bit), die genauso wie die MIDI- Anschlüsse an einer neunpoligen D-Sub-Buchse anliegen und über eine mitgelieferte Kabelpeitsche bereitgestellt werden.

Über einen Software-Mixer verfügen die klei- nen Presonus-Interfaces nicht. Stattdessen kann eine Monitoring-Mischung auf zwei Arten erstellt werden, über Direkt-Monitoring oder über die DAW. Die Möglichkeiten des Direkt-Monitorings sind recht primitiv: Durch Drücken der »Mon«-Taste rechts neben der Pegelanzeige des Main-Outs werden die an den Eingängen anliegenden Signale latenz- frei auf den Kopfhörerausgang geroutet. Um zu einem Song weitere Spuren einzuspielen, muss man natürlich auch das DAW-Signal hören. Da die Spuren dort oft schon bearbeitet sind, ist der DAW-Mix meist zu laut im Verhältnis zum Eingangssignal. Sinnvoll wäre daher ein Mix-Regler, um das Lautstärkeverhältnis zu korrigieren. Der fehlt leider. Es geht aber auch ohne Mix-Regler. Die Holzhammer-Methode wäre, die Stereosumme in der DAW leiser zu regeln.

Es gibt aber eine etwas elegantere Lösung über den A/B-Button, der das Eingangssignal des Kopfhörerwegs bestimmt. Bei beiden Modellen verfügt der Kopfhörerausgang über keine eigenen Wandlerkanäle; insofern sind die Produktbezeichnungen 2|6 und 6|8 ein wenig geflunkert, denn es gibt faktisch nur vier bzw. sechs Ausgangskanäle. Gespeist wird der Kopfhörerausgang wahlweise vom ersten oder zweiten Wandlerpaar, d. h. dem Signal des Main-Outs oder der Line-Outs 3 und 4. Die Umschaltung erfolgt über den be- sagten A/B-Button rechts neben der Pegel- anzeige für die Main-Outs. In der Praxis wird man in der DAW den Monitoring-Out auf die Line-Outs 3+4 routen; bei Cubase Pro wäre das der Control-Room-Ausgang. Hier kann man nun den Pegel des DAW-Return-Signals passend zum Direktsignal einstellen.

Dennoch hat Presonus’ Direktmonitoring- Lösung ein paar Einschränkungen. Da alle Inputs gleichzeitig auf den Kopfhörer-Bus geroutet werden, sollte man die Gain-Regler der nicht benutzten Eingänge auf Linksanschlag drehen, damit kein unnötiges Rauschen die Abhörqualität mindert. Außerdem erscheinen im Kopfhörer alle Eingangssignale in der Ste- reomitte. Das ist praktisch, wenn man nur eine Quelle aufnimmt, ist aber blöd, wenn man mit zwei Mikros Stereoaufnahmen ma- chen möchte, denn im Kopfhörer hört man das Mikrofonsetup ja nur in mono.

Derartige Einschränkungen kann man umgehen, indem man auf Direkt-Monitoring verzichtet und das Monitoring komplett über die DAW regelt. Dieses Konzept verfolgt ja auch das kürzlich getestete Presonus Quan- tum. Voraussetzung ist, dass die DAW entsprechende Funktionen wie Cue-Sends bietet. Praktischerweise legt Presonus seinen Inter- faces die hauseigene DAW-Software Studio One 3 in der Artist-Version bei, die solche Funktionen mitbringt (was für Einsteiger- versionen keine Selbstverständlichkeit ist).

Es gibt aber noch eine Voraussetzung für komfortables Monitoring über die DAW: Die Treiber des Audio-Interface müssen rasend schnell sein, denn das Eingangssignal muss ja von der DAW verarbeitet und wieder ausgegeben werden. In der Praxis bedeutet das eine Roundtrip-Latenz (d. h. Eingangslatenz + Ausgangslatenz) von höchstens 10 ms. Für besonders kritische Signale wie Gesang und Drums sollte sie möglichst noch deutlich da- runterliegen, denn sonst klingt das Monito- ring-Signal nicht direkt genug für eine optimale Performance. Beim Presonus Quantum mit Thunderbolt-Schnittstelle und ultraschnellen Treibern waren superniedrige Latenzen kein Problem. Aber wie schlagen sich Presonus’ USB-Treiber?

Treiber & Software

Die Niedriglatenz-Performance ist erstaunlich gut, insbesondere auf der Windows-Plattform. Auf meinem Testrechner (Windows 7 64 Bit, Intel Core i7 2700K mit 4x 3,5 GHz, 16 GB RAM) liefen die Presonus-Interfaces, die beide denselben Treiber verwenden, bereits in der kleinsten Puffereinstellung mit 16 Samples sehr performant. Cubase Pro 9.5 zeigte eine Eingangslatenz von 2,43 ms und eine Ausgangslatenz von 1,86 ms an. Wie immer habe ich zum Testen der tatsächlichen Performance unter CPU-Last den Edel-Softsynth U-He DIVA verwendet (s. Kasten Latenz- Benchmarking). Im 16-Samples-Setting ließ sich DIVA bereits zwölfstimmig ohne Aussetzer spielen. Im nächsthöheren Setting mit 32 Samples und kaum höheren Ein/Ausgabelatenzen von 2,79 bzw. 2,86 ms erklangen bereits alle 16 maximal möglichen DIVA- Stimmen. Ein sehr gutes Ergebnis für ein USB-Audio-Interface!

Auf der Mac-Plattform habe ich die Trei- ber-Performance auf meinem MacBook Pro 13 getestet (late 2011 Modell, Intel Core i5 mit 2x 2,4 GHz, 16 GB RAM, MacOS 10.9.5). Auch hier liefen die Presonus-Interfaces bereits in der kleinsten Puffereinstellung mit 32 Samples knackfrei (Eingangslatenz: 2,99 ms, Ausgangslatenz 2,77 ms), DIVA ließ sich aber nur mit maximal fünf Stimmen spielen. Performanter war das 64-Samples Setting mit Latenzen von 3,72 bzw. 3,49 ms. Nun war DIVA zwölf-stimmig spielbar; auf einem neueren, leis- tungsfähigeren Mac erklängen wahrschein- lich alle 16 Stimmen ohne Aussetzer. Bei meinem kleinen 13-Zoll MacBook war dazu das 192-Samples-Setting erforderlich mit Ein/Ausgabelatenzen von 6,62 bzw. 6,40 ms. Auf dem Mac ist also die Niedriglatenz-Performance nicht ganz so gut wie unter Windows, aber durchaus noch ausreichend, jedenfalls auf einem einigermaßen aktuellen Mac.

Außer Treibern und der bereits angesprochenen DAW Studio One 3 Artist erhal- ten Käufer des Studio 2|6 bzw. Studio 6|8 noch ein großzügiges Software-Bundle in Form der »Studio Magic Plug-in Suite«. Dazu gehören die Eventide-Plug-ins 910 Harmoni- zer und 2016 Stereo Room, der Lexicon MPX-i Reverb, drei Plug-ins der Plugin Alliance, nämlich der Brainworx bx_opto Kompressor, der SPL Attacker und der Maag Audio EQ2, sowie der Klangerzeuger Arturia Anlaog Lab Lite. Alleine die Software-Beigaben sind eigentlich schon den Kaufpreis des Studio 2|6 wert!

Praxis

Bewertet man die Qualität eines Audio-Interfaces der 200- bzw. 300-Euro Preisklasse, muss man natürlich andere Maßstäbe ansetzen als bei einem 1.000-Euro-Interface. Neue Dimen- sionen werden hier sicher nicht eröffnet, sondern es geht darum, ob man mit diesen Interfaces längerfristig Freude haben wird. Oder nüchtern ausgedrückt: Entsprechen Klang, Verarbeitung und Bedienbarkeit der Nutzezerwartung? Und ist der Funktionsumfang den typischen Aufgaben gewachsen? Das kann man für beide Presonus-Interfaces bejahen.

Das kleine Studio 2|6 ist jedoch etwas »auf Kante genäht«. Die etwas schwächere Performance der AD/DA-Wandler fällt dabei kaum ins Gewicht; eine Dynamik von 103 dB reicht für alle Anwendungen im Homestudio aus. Man sollte aber schon etwas sorgfältiger aussteuern, um nicht unnötig Auflösung zu verschenken. Mehr ins Gewicht fallen die

Mikrofonvorverstärker des Studio 2|6, die hörbar mehr rauschen als die teurer Interfaces, einschließlich des Studio 6|8. Das be- trifft hauptsächlich die Arbeit mit dynamischen Mikros, die viel Verstärkung erfordern. Bei Kondensatormikros, die übli- cherweise einen satteren Pegel liefern und daher in Sachen Rauschen weniger problematisch sind, könnte dagegen die Phantomspeisung etwas knapp bemessen sein. Ihre Spannung von 44,39 Volt ist noch normgerecht (48 V ±4 V), der Maxi- malstrom von 9,43 mA liegt jedoch knapp unter der Norm (maximal 10 mA). Es gibt jedoch nur wenige Mikrofone, die eine so hohe Stromaufnahme haben, und im Praxistest mit verschiedenen Mikrofonen traten keine Probleme auf. Der Grund für diese Einschränkungen ist leicht gefunden: Die Stromversorgung über den USB-Bus stellt nur begrenzte Energie zur Verfügung, die sich alle Bestandteile − Wandler, Pre- amps, Phantomspeisung, usw. − teilen müssen. Das zwingt die Entwickler zu Kompromissen. Im Rahmen der Möglichkeiten haben die Jungs von Presonus aber gute Arbeit geleistet, denn für ein USB-Interface dieser Preisklasse und mit Bus-Powering schlägt es sich ausgezeichnet.

Gleichwohl kann man für 100 Euro mehr in Form des Studio 6|8 ein hörbar besseres Audio-Interface erwerben. Dank Speisung über ein externes Netzteil besteht kein Zwang zu übermäßigem Stromsparen. Die Phantomspeisung arbeitet vollständig normgerecht, und die Klangqualität ist durchweg etwas besser. Mit 110 dB liegt die Gesamtdynamik auf dem Niveau etwas teuerer Interfaces. Den größten Unterschied machen jedoch die eingebauten »XMAX« Preamps, die beim Studio 6|8 im stromfressenden, aber klanglich überlegenen Class-A-Modus laufen. Das hört man: Auch in höheren Gain- Settings arbeiteten die Preamps des Studio 6|8 angenehm rauscharm. Das Eingangsrauschen ist mit sehr guten −130 dB-A spezifiziert, während das 2|6 nur auf −125 dB-A kommt, d. h. ein 5 dB höheres Grundrauschen hat. Das macht einen riesi- gen Unterschied, wenn man z. B. mit Bändchenmikros arbei- ten möchte. Ansonsten sind die Preamps des Studio 6|8 auch übersteuerungsfester und haben mehr Gain zu bieten, näm- lich bis zu 80 dB (!). Das sollte selbst für gehobene Ansprüche genügen.

Fazit

Mit dem Studio 2|6 und 6|8 bietet Presonus zwei USB-Audio- Interfaces mit sehr gutem Preis/Leistungs-Verhältnis und um- fangreicher Softwareausstattung. Ein Highlight sind die sehr performanten Windows-Treiber; die Mac-Treiber liegen auf dem üblichen Niveau. Leichte Abstriche muss man beim Direkt- Monitoring machen, das etwas sehr einfach gestrickt ist. Dank der flotten Treiber lässt sich das Monitoring aber auch über die DAW regeln, zumal Presonus die hauseigene Software Studio One 3 Artist beilegt, die die entsprechenden Funktio- nen mitbringt.

Das kleine Studio 2|6 empfiehlt sich dank Bus-Powering vor allem für den mobilen Einsatz am Laptop. Wer nicht fernab vom Stromnetz arbeitet, sollte dagegen zum Studio 6|8 greifen, denn für nur 100 Euro mehr bietet es neben einer etwas umfangreicheren Ausstattung eine hörbar bessere Klangquali- tät, die durchaus auch gehobenen Ansprüchen genügt. Damit gehört das Studio 6|8 ohne Frage zu den empfehlenswertesten Geräten seiner Preisklasse.

Pro und Contra:

+++ sehr gutes Preis/Leistungs- Verhältnis

+++ performante Treiber (insbesondere Windows)

++ hohe Klangqualität

++ umfangreiche Softwareausstattung

– Direkt-Monitoring sehr einfach gestrickt

Studio 2|6 und 6|8 Hersteller/Vertrieb Presonus/Hyperactive Studio 2|6 UvP/Straßenpreis 224,− Euro / ca. 180,− Euro Studio 6|8 UvP/Straßenpreis 334,− Euro / ca. 280,− Euro
www.hyperactive.de

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