Tipps zum Kauf

DAW Controller: Software zum Anfassen

Ob als Keyboard, Pads, Fader, Regler oder als Mischung aus allem — wer komfortabler mit der DAW-Software arbeiten will, der braucht eine Hardware-Controller-Lösung. Je weiter man die Preisleiter bei DAW Controllern herunterrutscht, desto riesiger wird das Angebot. Achtet man beim Kauf aber auf ein paar Punkte, lassen sich Schrott und Spielzeug gekonnt umschiffen. Hier kommen alle wichtigen Bedienelemente im Überblick! 

Mehrere DAW Controller

Nicht alle hier vorgestellten Bedienelemente sind gleichzeitig nötig, und mit einem genauen Plan sollte sich für jeden ein passabler DAW-Controller finden lassen. Beim Kauf sollte man unbedingt darauf achten, dass eine bidirektionale Kommunikation zwischen Controller und DAW gewährleistet ist. Ändert man einen Parameter in der Software, sollte der Controller dies sofort wahrnehmen − und umgekehrt.


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Sound&Recording 03/16 – DAW Controller Special 

In der Sound&Recording-Ausgabe 03/16 stehen DAW-Controller im Fokus. Wir haben Ableton Push 2, NI Maschine und Komplete Kontrol S, Bitwig Surface Pro, das iPad Pro als Controller für euch getestet. In der StudioszeneD erfahrt ihr, wie die AVID S3 das Mixing von “Astronaut” von Sido und Andreas Bourani beeinflusst hat. Außerdem durften wir einen Blick hinter die Kulissen von „Sing meinen Song – Das Tauschkonzert“ werfen. Studio-Story: Dave O’Donnell produziert Keith Richards drittes Solo-Album Crosseyed Heart. Außerdem im Heft: Testberichte zu den UAD-2-Plug-ins Eventide H 910, AKG BX20 und Cinematique Instruments Ensemblia − Update 1.5. In De/constructed nimmt Henning Verlage The Chemical Brothers – Go auseinander.

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Transport

Auf Punkt eins der für ein Homestudio eher fragwürdigen DAW-Controller-Elemente steht die Transport-Sektion, also dedizierte Tasten, welche die gleichnamige Sektion der DAW spiegeln. Braucht’s das wirklich? „Play“ und „Stop“ übernimmt für gewöhnlich die Leertaste der Computer-Tastatur, und auch für „Loop“ und „Record“ kann man schnell die entsprechende Taste verinnerlichen. Eine zusätzlich angebrachte Buchse für einen Footswitch hingegen kann viel praktischer sein, besonders für Gitarristen, denn so ließe sich die Aufnahme freihändig starten und stoppen (sofern die Buchse am DAW-Controller dieses Feature zulässt).

Manchmal findet man auch ein Jog- oder Shuttle-Wheel, das hauptsächlich der Navigation im Arrangement oder dem Setzen der Songpositionslinie dient, und dies ist nicht nur bei der Arbeit mit Videos sehr hilfreich. Denn auch zum Editieren von Takes, primär dem Schneiden und Verschieben von Audio-Regions oder dem Setzen von Fades, kann ein solches Rädchen den Workflow beschleunigen.

Beim Recording selbst ist dieses Feature aber absolut unwichtig. Zudem beansprucht „echtes“ Scrubbing, also eine kontinuierliche Bewegung der Songpositionslinie bei geschwindigkeitsabhängiger Tonwiedergabe, relativ viel Rechenleistung und wird deshalb nicht von allen DAWs unterstützt, sondern häufig durch simples Vor- und Zurückspulen oder durch Sprünge von Takt zu Takt von den Software Herstellern umgangen. Ein gutes Jog-Wheel zeichnet sich durch eine angenehme Gewichtung, hohe Werteauflösung und eine absolut geräuschlose Bedienung aus − drei weitere Faktoren, die einen DAW Controller schnell verteuern.

Fader

Auf vertikaler Ebene müssen Fader möglichst leichtgängig sein, auf horizontaler Ebene hingegen sehr stabil sitzen und dürfen nicht wackeln. Zudem sollte ein ausreichender Regelweg von 80 bis 100 Millimetern vorhanden sein. Alleine diese drei Faktoren wirken sich schon stark auf den Preis aus.

Arbeitet der gesamte DAW-Controller mit dem MIDI-Protokoll, lassen sich auch den Fadern beliebige Parameter in der Software zuweisen, was einem auch das Steuern von Software-Instrumenten versüßt. Der Spaßfaktor ist nun mal viel höher, wenn man wilde Filterfahrten nicht mit der Maus umsetzen muss.

Um richtig Mischen zu können, sollten die Fader aber motorisiert sein − aus einfachem Grund: Die meisten Geräte bieten pro Modul acht Fader, womit sich erst mal nur acht Kanäle in der DAW ansteuern lassen. Bloß ist es sehr wahrscheinlich, dass ein fertiges Projekt weitaus größere Dimensionen annimmt. Hier kommen zwei Schalter ins Spiel, die meist mit „Bank Select +/−“ beschriftet sind. So kann man sich in Achtergruppen alle Kanäle unter die Fader holen.

Die Motoren sollten deshalb möglichst geräuschlos arbeiten, denn es nervt ungemein, wenn das Pult bei einem Bankwechsel oder einer Automation laut rattert. Motor fader sind eine sehr tolle Sache, aber auch kostenintensiver und lohnen sich erst, wenn auch viel selber gemischt wird. Mögliche Kandidaten wären Mackie „Control Universal Pro“ oder Avid „Artist Mix“.

Faderport von Presonus

Preiswert und kompakt, und doch alles an Bord: Der Faderport von Presonus bietet die komplette Steuerung bei der Arbeit mit einer DAW: Start, Stop, Record, Rewind, Fast Forward, Loop, Marker sowie das Aufrufen von Browser, Mixer und Edit-Fenstern. Der Fader ist motorisiert und verfügt über einen langen Regelweg.

DAW-Controller von Base

Anstelle von teuren Motorfadern sind Touch-Strips wie beim hier gezeigten Livid Instruments Base eine super Lösung. Die Situation des Kanals wird stets angezeigt und man kann jederzeit ins Geschehen eingreifen, ohne dabei Parametersprünge zu erzeugen. Und ein bisschen Star-Trek Feeling hat’s obendrein.

Touchstrips

Einige Hersteller umgehen die höheren Kosten von motorisierten Fadern durch Touchstrips. Das ist nicht jedermanns Sache, und eine hohe sowie exakte Auflösung ist nicht immer gegeben. Dennoch hat diese Technologie einige Vorteile. Beispielsweise lassen sich schnelle Parametersprünge nur durch Antippen realisieren, oder die meist mit LEDs versehen Strips können je nach Modell als Pegelanzeige konfiguriert werden. Livid Instruments „Base“ hat gleich neun davon in petto. Auch Steinberg greift neuerdings gerne auf die schwarzen Kunststoffstreifen zurück, etwa beim „CMC-FD“, das mit vier Touchstrips als Fader mit je 1.024 Schritten ausgestattet ist. Ableton „Push“ stattdessen besitzt einen sehr langen Strip auf einer Seite, der gegenwärtig nur das Pitch-Rad eines Keyboards ersetzt. Auf jeden Fall mal ausprobieren!

Drehknöpfe

Im Grunde stellen Drehknöpfe nichts anderes dar als einen „runden Fader − platzsparend! Viele davon sind als sogenannte Endlos-Encoder ausgelegt und nicht sehr viel teurer. Da es von physikalischer Seite her keinen „Anfang“ und kein „Ende“ gibt, hat man den Vorteil, dass ein Bankwechsel auch ohne eine Motorisierung für keinerlei Verwirrung sorgt. Wenn ein LC-Display, welches den aktuell anliegenden Parameter und Wert darstellt, für jeden Regler vorhanden ist, lässt sich wirklich gut arbeiten. Häufig wird diese Anzeige aus Kostengründen gegen einen LED-Ring um jeden Encoder ausgetauscht, um zumindest eine ganz passable Werteskala zu bieten.

Sehr viele Drehknöpfe und eine sehr hochwertige Verarbeitung hat beispielsweise „Code 2“ von Livid Instruments, der jedoch schon etwas teurer zu Buche schlägt. Sparfüchse sollten das Behringer „BCR 2000“ mal begutachten.

Trigger-Pads

Auch mit Trigger-Pads lassen sich beliebige MIDI-Befehle abschicken. Ob diese nun ein Schlagzeug-Sample wiedergeben oder einen Mute-Schalter in der DAW betätigen, hängt von der individuellen Konfiguration ab. Die Akai MPC-Serie galt lange Zeit als das Nonplusultra, wenn es um Pad-Design ging, wobei sich der Trend gegenwärtig hin zu einer etwas steiferen Materialverarbeitung bewegt, wie man beispielsweise an Native SELBSTVERSTÄNDLICH MACHEN AUCH APP-ENTWICKLER NICHT VOR DAW-CONTROLLERN SPEZIELL FÜR DIE PORTABLEN TOUCHSCREENS HALT. Instruments’ „Maschine“ oder Livid Instruments „Base“ erkennt. Eine hohe Empfindlichkeit und Auflösung darf dabei nicht auf der Strecke bleiben, denn die Pads sollen auch bei sehr leichtem Antippen zuverlässig einen Trigger-Befehl abfeuern. Diese sogenannte „Anschlagdynamik“ sollte sich an das eigene Spielverhalten anpassen lassen, was sehr viele Controller durch verschiedene „Velocity Kurven“ auch ermöglichen.

Richtig extravagant − und meist auch etwas kostspielig − wird’s, wenn die Pad zusätzlich noch druckempfindlich sind. Das heißt, ein gehaltenes Pad kann die Druck – stärke in kontinuierliche Controller-Befehle, sprich: „MIDI-CCs“, umwandeln − eine sehr tolle Sache, um bestimmten virtuellen Klangerzeugern expressivere Sounds zu entlocken oder sonstige Parameter, etwa die Grenzfrequenz eines Tiefpassfilters, zu manipulieren. Günstige Geräte, die sich primär auf Pads konzentrieren stammen beispielsweise aus der Novation Launchpad- oder Akai MPD-Serie.

Modular

Steinberg geht mit seiner CMC-Serie einen sehr interessanten und einsteigerfreund – lichen Weg. Genauer gesagt, handelt es sich um sechs verschiedene Module mit je einem Preis von etwa 90 Euro, die auf Cubase und Nuendo abzielen. Jedes Modul ist auf einen der oben vorgestellten Aufgabenbereiche spezialisiert. So kann man klein anfangen und schrittweise expandieren. Vielleicht genügt ja schon ein Modul für die Transporsteuerung, oder man startet gleich mit vier Faderpacks.

Auch der „XPC Expansion Controller“ von Livid Instruments kann die hauseigenen Controller „CNTRL:R“, „Block“ und „Ohm – RGB“ über ein 10-Pin-Kabel mit weiteren Fadern, Encodern oder Joysticks erweitern. Durch die Serie „Elements“ ermöglicht der Hersteller aus Texas sogar volle Kontrolle über das Feature-Set. Acht verschiedene Module lassen sich beliebig in ein Rack einbauen.

Allrounder-Kombis

Für Entschlossene gibt es eine riesige Auswahl an Allroundern. Die Axiom-Serie von M-Audio oder Novations Launchkey beispielsweise verbauen alle erdenklichen Elemente gleich in diversen USB-Keyboards.

Das Nektar Panorama gibt’s entweder mit oder ohne Tasten, wobei es sich hauptsächlich auf die Steuerung von Cubase und Reason konzentriert. Durch verschiedene Modi lassen sich die Bedienelemente entweder dem Equalizer oder Plug-Ins im selektierten Kanalzug automatisch zuweisen. Auch Buttons für Mute, Solo und Spurscharfschaltung sind mit dabei.

Einen ähnlichen Workflow, jedoch mit einer zusätzlichen Software namens „Automap“, bietet das „ReMote Zero MKII“ von Novation. Hier kann man jedem Element einen Parameter durch Bewegung anlernen, auch wenn die DAW selbst keine ausgereifte „Learn“-Funktion besitzt. Allgemein ist der Begriff „automatisch“ immer mit Vorsicht zu genießen, denn es gibt bei allen Herstellern Fälle, wo ein Plug-in gar nicht erkannt wird oder dessen virtuelle Schalter und Buttons unsinnigerweise auf einem Drehregler des MIDI-Controllers landen. Sowohl bei „Automap“ als auch beim „Panorama P1“ kann man das nachträglich korrigieren, und beim Öffnen der nächsten Plug-In-Instanz ist diese Einstellung sogar gespeichert.

Derartige Technologien sollten ja auch dabei helfen, den Einsatz der Maus und somit die Blicke auf den Computerbildschirm zu reduzieren. Wenn keine Beschriftung direkt neben dem Bedienelement an der Hardware vorhanden ist, muss man vor jeder Aktion doch wieder erst prüfen, welcher Controller was macht: Wie war das noch mal? „Ob man wirklich richtig dreht, merkt man, wenn der Bass angeht.“

Einige Controller kommen mit nur je einem Fader und Panoramaregler aus. Der Presonus „Faderport“ beispielsweise steuert neben der Transportsektion ebenso verschiedene Automationsmodi. Für aufwendige Mischarbeiten ist das natürlich nicht genug, dennoch eignet sich das sehr günstige Gerät gut, um hier und da ein paar Lautstärkeverläufe nicht mit der Maus einzeichnen zu müssen.

Das Steinberg „CC121“ ist da schon etwas besser ausgestattet, denn mit den zusätzlichen zwölf Drehreglern lässt sich auch der Equalizer in Cubase direkt steuern. So kann man eine Pegeländerung durch ein Equalizer-Band mit dem Fader ausgleichen oder zwei Bänder gleichzeitig regeln. Praktisch ist auch sein „AI Knob“, der neben Jog Funktion auch beliebige Parameter einstellen kann, solange sich der Mauszeiger darüber befindet.

Wireless

Selbstverständlich machen auch App-Entwickler nicht vor DAW-Controllern speziell für die portablen Touchscreens halt. Schon für wenig Geld emulieren Apps wie „DAW Control“ oder „DAW Remote HD“ diverse Mixing Oberflächen und Transport-Sektionen.

Die kostenlose App „Cubase IC Pro“ von Steinberg erlaubt nicht nur Zugriff auf die Arrangement-Spur in Cubase, sondern auch auf die Transportsteuerung. Das ist besonders praktisch, möchte man kabellos aus einem anderen Raum die Aufnahme starten. Eine hervorragende App gibt’s auch für Nutzer von Logic Pro X: inklusive Mixer, Funktionsbuttons und Einspielhilfen.

Apps wie „TouchOSC“ bieten diese Vorzüge ebenfalls und ermöglichen durch das offene Kommunikationsprotokoll „Open Sound Control“, individuelle Steueroberflächen selbst zusammenzustellen oder fertige Templates anderer User zu laden.

 


 

Checkliste für den Kauf des passenden DAW-Controllers

 

  1. Wie viel Funktionsumfang brauche ich wirklich? Diese Frage sollte man sich vor dem Kauf eines Controllers dringend stellen. Wer hier gleich bei einem teuren Controller mit hohem Komplexitätsgrad einsteigt, muss sich auch darüber im Klaren sein, dass solche Geräte eine gewisse Einarbeitungszeit beanspruchen. Ansonsten steht das Teil schnell ungenutzt in der Ecke rum, weil man mit der gewohnten Mausbedienung zunächst noch schneller arbeiten kann.
  1. Auf vertikaler Ebene müssen Fader möglichst leichtgängig sein, auf horizontaler Ebene hingegen sehr stabil sitzen und dürfen nicht wackeln. Zudem sollte ein ausreichender Regelweg zwischen 80 und 100 Millimetern vorhanden sein.
  1. Wer nicht in einen großen Controller investieren möchte, sollte sich die modularen Konzepte anschauen. Hier kauft man nur die Features, die man für seinen Workflow braucht, und kann bei Bedarf ergänzen.
  1. Bei Controller-Keyboards und Trigger-Pads nicht am falschen Ende sparen und sich mit billiger Hardware zufrieden geben. Vor dem Kauf unbedingt überprüfen, ob Taster oder Pads sauber ohne Fehltrigger oder Nachprellen arbeiten.
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