Lauschangriff - 50 Soundfiles

Das richtige Studio-Mikrofon an der Trompete

Aufmacher-Trompete-Royer-Foto-Marc-Bohn
Marc Bohn

Welches Mikrofon eignet sich am besten für die Aufnahme einer Trompete? Im folgenden Beitrag wollen wir versuchen dieser Frage auf den Grund gehen, geeignete Mikrofone miteinander vergleichen und deren Klang analysieren. Zur Verfügung stehen dabei 25 Mikrofone verschiedener Hersteller und diverser Bauarten, die wir im Studio vor einer Trompete positioniert haben. Um Mikrofone gleichen Wandlerprinzips miteinander vergleichen zu können, teilt sich der Bericht in vier Unterkategorien – Dynamische Mikrofone, Kondensatormikrofone, Bändchenmikrofone und Clip-Mikrofone.

Die Trompete ist das höchste Instrument einer typischen Horn-Section und ist in erster Linie für die Hauptmelodie zuständig. Bei mittlerer Lautstärke wird ein Frequenzumfang von ungefähr 8kHz erreicht, bei lauten Tönen erweitert sich das Obertongehalt eines Tons bis ungefähr 15kHz. Zudem weist die Trompete eine starke Richtwirkung auf und die höchsten Frequenzen werden in einem Bereich von ungefähr 30 Grad vor dem Trichter abgestrahlt.

Um den Rahmen nicht zu sprengen stellen wir euch pro Mikrofon jeweils zwei Soundbeispiele zur Verfügung. Das erste Beispiel ist ein laut gespieltes Lick mit kürzeren Tönen, das den vollen Frequenzumfang der Trompete bei hoher Lautstärke erkennen lässt. Beim zweiten Beispiel handelt es sich um eine pentatonische Tonleiter, die den Tonumfang der Trompete aufgezeigt und den Klang der Mikrofone in den verschiedenen Lagen bei mittlerer Lautstärke demonstriert.


 

sr_0216_1_800_pixel

Sound&Recording 02/16 – Brass Recording Special 

In der Sound&Recording-Ausgabe 02/16 steht die Mikrofonierung von Blasinstrumenten im Fokus. Wir haben mit jeweiles über 25 Mikrofonen an Trompete, Posaune und Saxofon Audiobeispiele erstellt, die ihr hier auf der Website über SoundCloud auch anhören könnt. In unserem Brass Recording Special im Heft geben wir euch einen Einblick hinter die Kulissen der Recordings mit dem Bläsersatz aus „Sing mein Song – Das Tauschkonzert“. In unseren Tests findet ihr das Kleinmembranmikrofon-Stereoset Telefunken M60 FET. Für alle Homerecorder zeigt S&R-Leser Felix Krawcyk, wie er sein Homestudio aufgepimpt hat. Im zweiten Teil unserer DAW History Reihe geht es um den Game-Changer Ableton Live. Alle Love The Machines Fans können sich auf den Yamaha DX200 (*2001) freuen.

 

>> Hier könnt ihr die Sound&Recording-Ausgabe 02/16 versandkostenfrei bestellen <<

 

 

 


 

Vorhandene Einstellmöglichkeiten an den Mikrofonen wurden in neutraler Stellung belassen und die Positionierung je nach Mikrofonart in der Entfernung leicht variiert. Alle Beispiele wurden im Gotteswegstudio A in Köln über einen sehr transparent klingenden Millennia HV-3R Mikrofonvorverstärker aufgezeichnet. Für ein genaueres Bild der Aufnahmesession empfehle ich euch den Brass-Recording Artikel in der aktuellen Ausgabe von Sound & Recording.

Dynamische Mikrofone

Zunächst vergleichen wir acht dynamische Mikrofone an der Trompete. Das Shure SM57, das Electro-Voice RE20 und das Sennheiser MD421 als Klassiker unter den Tauchspulenmikrofonen für die Abnahme der Trompete zu nennen.

Klangbeispiele:

Klangbeispiele:

Beim Vergleich der dynamischen Mikrofone wird deutlich, dass trotz der gleichen Bauart große Klangunterschiede bestehen. Das Electro-Voice RE20 macht einen ausgewogenen Eindruck zwischen mittleren und hohen Frequenzen, der Klang des Ansatzes ist etwas reduziert und recht neutral. Auch das Shure SM57 bietet ein sehr ausgewogenes Klangbild, da es sowohl die Präsenzen als auch den vollen Grundton gut abbildet. Das SM58 weist hingegen einen »dünneren« Klang auf, dessen obere Mitten sehr ausgeprägt sind. Sehr viele hohe Frequenzen sind beim Shure Beta57 und Sennheiser MD421 wahrnehmbar, das MD441 ist hingegen sehr »dunkel«, ähnlich auch das Beyerdynamic M88. Das M88 klingt zudem indirekt und die Luftgeräusche kommen stärker in den Vordergrund.

Saxofon-Axel-Mueller-NeumannU47FET-Marc-Bohn
Marc Bohn

>> Das richtige Studio-Mikrofon am Saxofon – Mehr als 50 Soundbeispiele von über 25 Mikrofonen zum Anhören << 

Kondensatormikrofone

In der zweiten Vergleichsrunde wird der Klang von acht Kondensatormikrofonen präsentiert. Das Neumann TLM170 und das AKG C414 gelten in dieser Klasse als typische Mikrofone für die Abnahme der Trompete.

Klangbeispiele:

Klangbeispiele:

Während das AKG C414XLII und das Neumann U47fet das Feld der höhenreichen und »hell« klingenden Kondensatormikrofone anführen, sind das Gefell M930 und das Shure KSM32 recht ausgewogen. Die Mittenfrequenzen sind dabei jeweils gut vorhanden und der Grundton wird passend dargestellt. Auch das Kleinmembran-Kondensatormikrofon DPA 4011 weist einen sehr vollen Grundton und einen transparenten Ansatzklang auf. Während das TLM170 sehr durchsetzungsfähig ist, wirken das TLM193 und das U87AI recht »hohl« und das Luftgeräusch ist stärker als bei den anderen Kondensatormikrofonen. Interessant ist, dass Neumanns TLM193 und TLM170 oft im gleichen Atemzug genannt werden, doch an der Trompete zeigt sich ein massiver Klangunterschied.

Posaune-Coles-Bändchenmikrofone-Foto-Marc-Bohn
Marc Bohn

>> Das richtige Studio-Mikrofon an der Posaune – Mehr als 50 Soundbeispiele von über 25 Mikrofonen zum Anhören<<

Bändchenmikrofone

Im dritten Teil werden sechs Bändchenmikrofone miteinander verglichen. Als Klassiker sind hier das Coles 4038 und das Beyerdynamic M160 zu nennen, doch mittlerweile gehören auch die vergleichsweise jungen Mikrofone der Firma Royer Labs in vielen Studios zum Standard an der Trompete.

Klangbeispiele:

Klangbeispiele:

Das Royer Labs R-121 wirkt sehr ausgeglichen, der Ansatz klingt angenehm und die Trompete insgesamt recht voll. Ähnlich ist das R-122V Bändchen-Röhrenmikrofon, wobei hier der Präsenzbereich reduzierter ausfällt. Das R-122 klingt etwas indirekter und stellt die Luftgeräusche weiter in den Vordergrund. Ebenso stark sind die Luftgeräusche auch beim Beyerdynamic M160 vertreten. Das Coles 4038 klingt voll und dennoch brillant, beim AEA R84 sind der Grundton und der Ansatz hingegen etwas reduzierter.

Clip-Mikrofone

Die Kategorie der Clip-Mikrofone besteht in diesem Vergleich auch aus Miniatur-Kondensatormikrofonen. Aufgrund der nahen Position am Trichter der Trompete wäre ein Vergleich zu den anderen Kondensatormikrofonen jedoch wenig aufschlussreich. Aus diesem Grung betrachten wir die Clip-Mikrofone gesondert in einer eigenen Unterkategorie.

Klangbeispiele:

Klangbeispiele:

Spielt die Trompete laute Töne, so weisen alle drei Mikrofone starke perkussive Luftgeräusche auf, was nur durch eine Veränderung der Position reduziert werden kann. Da wir immer dieselbe Position im Vergleich nutzten, ließ sich dies jedoch nicht ändern und die Tonleiter-Beispiele sind für den Vergleich anschaulicher.

Klanglich fokussiert das Shure Beta98 den Ansatz der Trompete stärker als die anderen Clip-Mikros und weist die lautesten Luftgeräusche auf. Das AudioTechnica ATM350 wirkt »runder« und lässt den Grundton recht voll wirken. Beim SD Systems LCM85 ist der Klang des Ansatzes recht gering vorhanden und die Luftgeräusche treten in hohen Lagen in den Vordergrund. An dieser Stelle sei jedoch zu sagen, dass das LCM85 eigentlich nicht für die Trompete entwickelt wurde und das für die Trompete passende LCM89 bei unserem Vergleich nicht zur Verfügung stand.

Outro

Und welches Mikrofon ist jetzt DAS Mikrofon für die Abnahme der Trompete? Eine eindeutige Antwort darauf zu geben ist schwierig und wird je nach Hörer vermutlich unterschiedlich ausfallen. Nach dem Anhören der vielen Soundfiles steht fest, dass jedes Mikrofon einen anderen Charakter vertritt und damit unterschiedliche Klangaspekte der Trompete herausstellt. Somit steht die Mikrofonwahl in Abhängigkeit zum Klang der vorhandenen Trompete und der gewünschten Klangästhetik. Eine eindeutige Antwort mit einer Hersteller und Modellbezeichnung kann ich an dieser Stelle also leider nicht geben. Ein klarer Vorteil ist daher, wenn im Studio verschiedene Mikrofone zur Verfügung stehen und der Favorit je nach Projekt gewählt werden kann. Wenn es sich wie hier allerdings um 25 verschiedene Mikrofone handelt, fällt die Wahl äußerst schwer!

Falls ihr Lust auf mehr bekommen habt und die Mikrofone selbst ausprobieren wollt, ist dies beim Sound & Recording „Hands On The Mic“-Workshop am 13.04.2016 in der Musikfabrik in Mannheim möglich. Dort besteht die Möglichkeit die detaillierten Einstellmöglichkeiten wie Richtcharakteristiken und Frequenzschaltungen der Mikrofone auszuprobieren und auf jedes Instrument der Horn-Section im Detail einzugehen. Neben den Musikern Christoph Moschberger (tp), Johannes Goltz (tb) und Axel Müller (sax) werde auch ich gemeinsam mit dem Sound & Recording-Team vor Ort sein, um mit euch über Equipment, Mikrofontechniken und Klänge zu fachsimpeln.

Hier geht es zur Anmeldung:

Aufmacher-Brass-Workshop

>> Hands On The Mics – Lauschangriff 2.0 – S&R – Brass Recording Workshop im Musikpark Mannheim <<

 

Keine Kommentare zu “Das richtige Studio-Mikrofon an der Trompete”
Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: