Lauschangriff - Über 50 Hörbeispiele

Das richtige Studio-Mikrofon am Saxofon

Welches Mikrofon eignet sich am besten für die Aufnahme eines Saxofons? Dieser Frage soll im folgenden Beitrag auf den Grund gegangen werden. In einer umfangreichen Aufnahmesession haben wir ein Tenor-Saxofon mit 28 Mikrofonen verschiedener Hersteller und diverser Bauarten aufgenommen, um ihren Klang vergleichen und analysieren zu können. Damit eine Vergleichbarkeit hergestellt wird, teilt sich der Bericht in vier Unterkategorien – Dynamische Mikrofone, Kondensatormikrofone, Bändchenmikrofone und Clip-Mikrofone.

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Marc Bohn

Intro

Das Saxofon erzeugt je nach Lautstärke einen Frequenzumfang bis über 12kHz hinaus. Dabei werden die mittleren Frequenzen vom Bereich der Klappen abgestrahlt, während die hohen Frequenzen direkt vor der Glocke (Bell) entstehen.

Um den Rahmen nicht zu sprengen stellen wir euch pro Mikrofon jeweils zwei Soundbeispiele zur Verfügung. Das erste Beispiel ist ein laut gespieltes Lick mit kürzeren Tönen, das den vollen Frequenzumfang des Saxofons bei hoher Lautstärke erkennen lässt. Beim zweiten Beispiel handelt es sich um eine pentatonische Tonleiter, die den Tonumfang des Tenor-Saxofons aufgezeigt und den Klang der Mikrofone in den verschiedenen Lagen bei mittlerer Lautstärke demonstriert.

Vorhandene Einstellmöglichkeiten an den Mikrofonen wurden in neutraler Stellung belassen und die Positionierung je nach Mikrofonart in der Entfernung leicht variiert. Alle Beispiele wurden im Gotteswegstudio A in Köln über einen sehr transparent klingenden Millennia HV-3R Mikrofonvorverstärker aufgezeichnet. Für ein genaueres Bild der Aufnahmesession empfehle ich euch den Brass-Recording Artikel in der aktuellen Ausgabe von Sound & Recording.


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Sound&Recording 02/16 – Brass Recording Special 

In der Sound&Recording-Ausgabe 02/16 steht die Mikrofonierung von Blasinstrumenten im Fokus. Wir haben mit jeweiles über 25 Mikrofonen an Trompete, Posaune und Saxofon Audiobeispiele erstellt, die ihr hier auf der Website über SoundCloud auch anhören könnt. In unserem Brass Recording Special im Heft geben wir euch einen Einblick hinter die Kulissen der Recordings mit dem Bläsersatz aus „Sing mein Song – Das Tauschkonzert“. In unseren Tests findet ihr das Kleinmembranmikrofon-Stereoset Telefunken M60 FET. Für alle Homerecorder zeigt S&R-Leser Felix Krawcyk, wie er sein Homestudio aufgepimpt hat. Im zweiten Teil unserer DAW History Reihe geht es um den Game-Changer Ableton Live. Alle Love The Machines Fans können sich auf den Yamaha DX200 (*2001) freuen.

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Dynamische Mikrofone

Widmen wir uns als erstes den neun dynamischen Mikrofonen für unseren Vergleich. Für die Saxofon-Aufnahme werden in dieser Mikrofonart oft das Electro-Voice RE20, das Sennheiser MD421, das Shure SM7b sowie das SM57 vom gleichen Hersteller als Standards eingesetzt.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

Beim Vergleich der dynamischen Mikrofone sind die Unterschiede nicht so eindeutig wie an der Trompete oder Posaune. Das Sennheiser MD441 klingt sehr »voll«, allerdings insgesamt auch recht »dunkel«, während das MD421 mehr vom eigentlichen Ansatz abbildet. Sehr »hell« klingt das Electro-Voice RE20, das Shure SM57 ist  ähnlich »offen«, besitzt jedoch mehr tiefe Mittenfrequenzen. Das Shure SM7b wirkt ausgeglichen und weist weniger Luftgeräusche als das RE20 und das SM57 auf.

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>> Das richtige Studio-Mikrofon an der Posaune – Mehr als 50 Soundbeispiele von über 25 Mikrofonen zum Anhören<<

Kondensatormikrofone

In der zweiten Runde vergleichen wir zehn Kondensatormikrofone. In dieser Kategorie gilt das AKG C414 als ein Standard, doch auch Klassiker wie das Neumann U47 werden gerne zur Aufnahme des Saxofons eingesetzt.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

Das AKG C414XLII ist, ebenso wie das Gefell M930 und das Rode NT-2 sehr »offen« und höhenreich, ohne dass der Grundton darunter leidet. Das DPA 4011 klingt etwas »voller» jedoch im Präsenzbereich reduziert. Als »dunklere« Mikrofone sind das Neumann U87AI und M149 zu nennen, etwas präsenter ist das Shure KSM32.

Das Neumann U47fet ist im Gegensatz zum Röhren-Klassiker U47 nicht so »luftig« und der Grundton wirkt etwas »dünner«.

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>> Das richtige Studio-Mikrofon an der Trompete – Mehr als 50 Soundbeispiele von über 25 Mikrofonen zum Anhören<<

Bändchenmikrofone

Sechs Bändchenmikrofone sind im Vergleich am Saxofon zu hören. Klassiker wie das Coles 4038 oder die neueren Bändchenmikrofone von Royer Labs werden auch am Saxofon eingesetzt, jedoch nicht so häufig wie an Trompete oder Posaune.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

Das Anblasgeräusch wirkt beim AEA R84 etwas reduziert und leicht gedämpft, während es beim Coles 4038 und dem Royer R-122 stärker durchkommt. Das Beyerdynamic M160 ist im Vergleich eher »dünn«, weist jedoch die größte Präsenz und viele Höhen auf. Die intensivste Ausprägung des Grundtons und der tiefen Frequenzen ist beim 4038 und dem R84 vorhanden. Die Royer-Bändchen klingen insgesamt ausgewogen, wobei das R-122V etwas »voller« und das R-121 »runder« wirkt.

Clip-Mikrofone

Bei den Clip-Mikrofonen handelt es sich um Miniatur-Kondensatormikrofone, die zur besseren Vergleichbarkeit bei uns eine eigene Kategorie erhalten. Aufgrund der nahen Position an der Glocke wäre ein Vergleich mit den anderen Kondensatormikrofonen nicht besonders aussagekräftig.

Klangbeispiele

Klangbeispiele

 

Beim AudioTechnica ATM350 und dem SD Systems LCM85 sind verstärkt Griffgeräusche wahrnehmbar, die beim Shure Beta98 nicht gegeben sind. Dies liegt daran, dass bei unserem Vergleich das Beta98 in der AMP-Version vorlag und daher nicht am Trichter befestigt wurde, sondern auf einem Stativ befestigt war (jedoch neben den anderen Clips ausgerichtet).

Das Beta98 wirkt klanglich insgesamt etwas »dunkler« im Ansatz und die Luftgeräusche sind leicht reduziert, der Grundton ist recht »voll«. Im Gegensatz dazu ist das ATM350 etwas höhenreicher und die Luft wird deutlicher abgebildet. Dazwischen befindet sich das LCM85 mit etwas weniger tiefen Mitten und dennoch einem »offenen« Ansatzklang.

Outro

Nach dem Anhören und Vergleichen der vielen Soundfiles bleibt nun die Frage zu klären, welches Mikrofon eigentlich das Beste für die Saxofon-Aufnahme ist. Die Antwort darauf ist allerdings leider nicht so einfach. Jedes Mikrofon bietet einen anderen Charakter, der bestimmte Qualitäten und Klangaspekte des Saxofons hervorbringt und je nach Stil und Art des Projekts gewählt werden sollte. Dabei steht die Mikrofonwahl in Abhängigkeit zum Klang des aufzunehmenden Instruments und dem zu erzielenden Klangbild. Im Vergleich mit den Trompeten- und Posaunen-Aufnahmen fallen die Unterschiede zwischen den Mikrofonen einer Bauart jedoch etwas geringer aus. Die Frage nach dem geeignetsten Mikrofon für die Aufnahme eines Saxofons kann abschließend leider nicht eindeutig mit einer Hersteller und Modellbezeichnung beantwortet werden. Vorteilhaft ist daher wenn im Studio verschiedene Mikrofone zur Auswahl stehen und der Favorit bei jedem Projekt individuell gewählt werden kann. Wenn es sich allerdings um 28 verschiedene Mikrofone handelt, fällt die Wahl äußerst schwer!

Falls ihr Lust auf mehr bekommen habt und die Mikrofone selbst ausprobieren wollt, ist dies beim Sound & Recording „Hands On The Mic“-Workshop am 13.04.2016 in der Musikfabrik in Mannheim möglich. Dort besteht die Möglichkeit die detaillierten Einstellmöglichkeiten wie Richtcharakteristiken und Frequenzschaltungen der Mikrofone auszuprobieren und auf jedes Instrument der Horn-Section im Detail einzugehen. Neben den Musikern Axel Müller (sax), Johannes Goltz (tb) und Christoph Moschberger (tp) und werde auch ich gemeinsam mit dem Sound & Recording-Team vor Ort sein, um mit euch über Equipment, Mikrofontechniken und Klänge zu fachsimpeln.

Hier geht es zur Anmeldung:

Aufmacher-Brass-Workshop

>> Hands On The Mics – Lauschangriff 2.0 – S&R – Brass Recording Workshop im Musikpark Mannheim <<

3 Kommentare zu “Das richtige Studio-Mikrofon am Saxofon”
  1. Florian Schneider

    Irgendwie sind keine allzu grossen Unterschiede
    zwischen den Mikros festzustellen.
    Sind das .mp3?

    Antworten
  2. Sandro Miori

    Leider sind hier die Mikrofone direkt zum Trichter etwa 45 Grad wenn nicht steiler nach unten gerichtet, was zu einem dünnen, schneidenden Ton führt. So wird die warme Komponente, die in der Einleitung richtig erwähnt wird, beinahe völlig ausgeblendet.
    Besser das Mikrofon etwa waagerecht oder etwas nach unten Richtung oberen Trichterrand zu richten. So bleibt der klang durchsetzungsfähig, hat aber auch die nötige Wärme.
    Die Überschrift sollte besser Winds Recording und nicht Brass Recording lauten, da auch Saxofone (bekanntlich Holzblasinstrumente-Woodwinds) dabei sind. Meine Kritik will Eure sonst beachtliche Arbeit noch ein Bisschen besser machen;-)

    Antworten
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