Nichts klingt zufällig

Komponierte Sounds im Film

Filmmusikkomposition. Da denkt man natürlich zunächst an das Theme eine jeden x-beliebigen Films und direkt danach an die Filmmusik, die in den einzelnen Szenen zu hören ist, wobei es sich um ein ganz eigenes musikalisches Thema handeln kann oder um eine Abwandlung des Themas welches bereits im Theme zu hören ist.

Aber neben dem was wir im Film als typische Musik identifizieren, gibt es noch weiter komponierte Klänge die nicht zufällig so klingen, wie sie klingen: die Sprache ist von Ton und Geräuschen. Besonders in Horror-Filmen, oder allgemein in Szenen in denen Spannung aufgebaut wird, sind Ton und Geräusche essentiell für die dramaturgische Gestaltung, besonders dann, wenn der Regisseur auf konventionelle Filmmusik verzichten möchte.

Einer der Wegbereiter dieser Technik ist Alfred Hitchcock mit seinem Film Die Vögel. Wer einmal den Film gesehen hat, wird es schwer haben überhaupt Musik im klassischen Sinne darin zu finden. Abgesehen von zwei Szenen mit diegetischer Musik (Musik innerhalb der Handlung und nicht aus dem Off) gibt es hier keine konventionelle Musik. Selbst der Vorspann besteht allein aus komponierten Vogelgeflatter und -gekrächze.

Doch sehen wir uns eine Szene genauer an. (Die Szene entstammt ungefähr der Mitte des Films und die ersten Vogelangriffe sind bereits geschehen, sodass die Gefahr um die Vögel bereits bekannt ist.) Melanie Daniels (die junge Dame auf der Bank) wartet auf den Unterrichtsschluss während sich im Hintergrund die ersten Krähen auf einem Klettergerüst sammeln. Logisch betrachtet müsste der ein oder andere Flügelschlag zu hören sein oder ein Krähen, denn es sind neben dem Kindergesang aus der Schule selbst die leisesten Geräusche abgebildet (Wind- und Meeresrauschen, das Klicken des Feuerzeugs). Doch selbst als eine komplette Scharr den Hintergrund ausfüllt verhält sich diese absolut lautlos. Auf diese Weise schafft es Alfred Hitchcock die Krähen als intelligente Tiere darzustellen, die selbst im Kollektiv diszipliniert und organisiert genug sind um sich hinter dem Rücken von Melanie anzuschleichen und so einen Angriff vorzubereiten.

In der direkt darauffolgenden Szene passiert, was zuvor schon angekündigt wurde: der Angriff der Vögel. Die trügerische Stille schlägt in einem Moment zum nächsten in ein Chaos aus allen möglichen Geräuschen um. Zunächst das Getrampel der rennenden Kinder, dann folgt das Geflatter der Krähen und schließlich Geschrei der Kinder und Vögel. Die Situation um die hilflosen Kinder stellt Hitchcock sowohl bildlich als auch akustisch dar: Der Angriff erfolgt in der Überzahl, von Hinten und aus der Luft. Akustisch wird das Geschrei der Kinder von dem der Krähen deutlich übertönt. Auffällig ist außerdem, dass das Gekrähe wesentlich höher erklingt, als es echter Krähen-Schreie tun. Damit schlägt Hitchcock gleich zwei Fliegen, denn eine Verfremdung von bekannten Klängen wie auch hohe Frequenzen generell erzeugen ein höheres Unbehagen beim Rezipienten.

Übrigens: Sämtliche Vogelgeräusche wurden hier unter der Aufsicht von Filmmusikkomponist Bernhard Hermann durch Oskar Sala und Remi Gassmann am Trautonium komponiert.

 

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