Kolumne - Vinyl Special

Im Review: Stoppok – Operation 17

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Mit treffsicherem Kompass navigiert Stoppok, eine der wohl unbeugsamsten deutschen Konstanten fernab des Mainstreams, mit Operation 17 durch trübe Zeiten und schwere Gewässer. Ein Album von beispielhafter Klarheit, Haltung und Musikalität — von dem es hierzulande dringend mehr bräuchte.

Es setzt den Kurs von Popschutz (2014) fort, durch welches sich auch im Kleinen eine neue Stoppok-Ära in puncto Soundästhetik abzeichnete: US-Session-Drummer Wally Ingram, Nashville-Country-Profi, löste den sehr technisch und akkurat spielenden Benny Greb ab und brachte somit einen akustisch-perkussiven Stil ein; dieser sollte, gemeinsam mit Stoppoks auf Solo-Pfaden selbst entworfenen Fußpercussions, für ein neues Klangbild sorgen. Alles wurde dadurch etwas dezenter, unaufdringlicher und etwas weniger klassisch Rock-betont, stattdessen sehr warm, mellow und folkig.

Aufgenommen wurde Operation 17 erneut live im Studio Nord in Bremen und anschließend von Stoppok selbst im eigenen Studio gemixt: keine digitalen Presets waren die Devise, stattdessen minutiöse Feinarbeit. Durch das dadurch bewusst gewählte zahllose Abmischen jedes Songs hat Stoppok hier sehr besondere Momente konserviert — mit seiner vierzigjährigen Erfahrung im Rücken wurde hier nichts dem Zufall überlassen: alles ist an seinem Platz, jeder musikalische Handschlag sitzt, pure Essenz, absolutes Feel. Die Melodien sind ausgefeilt, mit sehr viel Gespür für Detail und Ausdruck gespielt. 1 Weg hier raus, eines von mehreren Album-Highlights, ist eine tief berührende, herzerwärmende Ballade, in welcher er mit maximalem Fingerspitzengefühl die einzig sinnvolle Botschaft in vermeintlich hoffnungslosen Situationen mit absoluter Klarheit wiederholend formuliert: »Es muss ’nen Weg hier raus geben«. Im Umkehrschluss heißt dies für Stoppok ganz offensichtlich, dass Scheitern keine Option ist. Dieser unerschütterliche Optimismus angesichts pessimistisch stimmender Realitäten ist eine unnachahmliche Qualität des Künstlers. So bilden die Songs seines siebzehnten Studio-Albums das Leben selbst ab; sie sind hoffnungsvoll, aber gleichzeitig melancholisch.

Stoppok, ein kritischer Chronist seiner Zeit — immer mit weitem Blick, nie pädagogisch mahnend — ist textlich so klar und nachvollziehbar, dass es jeder, der es verstehen will, verstehen muss. Operation 17 ist sicherlich eines der wichtigsten deutschsprachigen Rockalben des Jahres, denn derjenige, welcher hier Hand angelegt und operiert hat, ist wahrlich ein Meister seines Fachs.

http://www.stoppok.com

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