Audio-Lehrgänge und Recording-Kult

Ein Besuch im Abbey Road Institute


Wer heutzutage das Handwerk der Ton- und Audiotechnik erlernen möchte, hat mittlerweile die Qual der Wahl zwischen Uni, Hochschule oder zahlreichen privaten Einrichtungen. Mit dem Abbey Road Institute wird das Angebot hierzulande ab Frühjahr 2016 jetzt noch einmal ein gewaltiges Stück reichhaltiger!

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Markus Thiel

Schon allein der Name des an den berühmten Londoner Studiokomplex angegliederten Instituts versprüht eine gewisse Aura, die nach legendären Plattenaufnahmen und exklusiv entwickelter Studiohardware schmeckt. Doch anstatt sich auf früher verdienten Lorbeeren und einer international hochgeschätzten Marke auszuruhen, überrascht der schulische Neueinsteiger in Sachen Recording mit einem ausgefeilten und international einzigartigen Konzept.

Die SOUND&RECORDING-Redaktion hatte bereits das große Glück, sich in der Zentrale der neuen Bildungseinrichtung im Herzen Londons ein umfassendes Bild von den Unterrichts- und Arbeitsräumen sowie den unmittelbar angegliederten, geschichtsträchtigen Studios zu machen.

Lehrbetrieb mit Tradition

In den Abbey Road Studios hat die Weitergabe wertvollen Wissens seit jeher ihren festen Platz in der alltäglichen Arbeit. Die gezielte Förderung außergewöhnlicher Talente sowie die Ausbildung der nächsten Generation von Audio Engineers stellte für den Studiobetrieb bereits in den Anfangsjahren eine Selbstverständlichkeit dar. Mit Gründung des Abbey Road Institute vollziehen die Studios nun den nächsten logischen Schritt, in dem sie ihr Know-how und ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Audiobranche einer noch größeren Zahl von Studenten zugänglich machen.

Das grundlegende Ausbildungskonzept wurde in engster Zusammenarbeit mit leitenden Ingenieuren der Studios erarbeitet, was durch einen ständigen Austausch auch zukünftig wichtige Impulse für dessen Weiterentwicklung liefern soll.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Markus Thiel

Von alt bis neu

Was das Konzept des Abbey Road Institute maßgeblich von Mitbewerbern unterscheidet, ist ein Curriculum, welches das thematische Feld aus einer sich an der historischen Entwicklung der Aufnahmetechnik orientierten Perspektive betrachtet. So gehört beispielsweise (trotz modernster DAW-Ausstattung) die Beurteilung und Anfertigung von Mono-Mischungen als handwerkliche Basis für spätere Mehrkanal-Produktionen, innerhalb des Lehrplans zu festen Bausteinen der tontechnischen Grundausbildung. Auch Themen wie der praktische Einsatz von dynamischen Effektprozessoren (Kompressorund Limiter) werden bedarfsorientiert und gemäß der Notwendigkeit ihrer Entwicklung behandelt.

Umfassend betrachtet, orientiert sich der eigens entwickelte Lehrplan in ständiger Referenz am einzigartigen historischen Werdegang der Abbey Road Studios, was in der Praxis den Bogen von Mikrofon- und Aufnahmetechnik der 40er-Jahre bis hin zu den jüngsten Entwicklungen im Bereich Studio-Equipment schlägt.

Die Praxis zählt

Jede einzelne Unterrichtseinheit ist mit thematisch relevanten praktischen Übungen verknüpft. Zu diesem Zweck steht jedem Studenten ein eigener DAW-Arbeitsplatz, bestehend aus einem aktuellen iMac mit Logic Pro X und Pro Tools sowie einem Universal Audio Apollo Twin Audiointerface inklusive Plugin-Vollausstattung, zur Verfügung. Neben den für den Kopfhörerbetrieb ausgelegten Einzelplätzen gibt es auch gemeinschaftlich nutz – bare Regie- und Aufnahmeräume mit B&W-Monitoren, analogen Pulten und erstklassigen Mikrofonen.

Die grundlegenden Säulen der Ausbildung gliedern sich während des Studiums in die Hauptbereiche Musiktheorie & Produktion, Sound Engineering & Akustik sowie Management & Musik Business, anhand welcher alle relevanten Themen der Audioproduktion von einfachen Schallgrundlagen bis hin zum Mastering-Prozess abgedeckt werden.

Der Abbey Road Bonus

Mit Dependencen in Melbourne, Sydney, Berlin, Frankfurt, München, Paris und London bietet das stetig expandierende Abbey Road Institute eine Palette interessanter Standorte, zwischen denen Studenten beispielsweise auch während ihrer Ausbildung wechseln können. Besonders interessant dürfte dabei der temporäre Wechsel zur Londoner Zentrale sein, da Studenten hier neben dem Lehrstudio-Angebot bei Verfügbarkeit auch Zugang zum kommerziellen Studiotrakt erhalten können.

Unabhängig vom Standort setzt das Institut flächendeckend auf ausgewählte Dozenten-Teams, bestehend aus ausgewiesenen Branchenprofis.

Für die komplette Ausbildung bis zum Advanced Diploma in Music Production and Engineering werden durch das Institut zwölf Monate in Vollzeit, unterteilt in drei Trimester zu je 16 Wochen, veranschlagt − inklusive vier Wochen Ferien. Das Schulgeld beläuft sich derweil auf knappe 1.000,− Euro pro Monat. Neben speziellen Zugangsvoraussetzungen – wie mittlerer Bildungsabschluss, musikalische oder musiktheoretische Ausbildung sowie gute Englischkenntnisse – sind für eine erfolgreiche Bewerbung aussagekräftige Arbeitsproben sowie eine Kurz-Vita (bisherige Qualifikationen, Erfahrungen) erforderlich. Sind formal alle Kriterien erfüllt, folgt im zweiten Schritt ein entsprechendes persönliches Auswahlgespräch, nach welchem über die Zulassung des Bewerbers zum Studiengang entschieden wird.

Wer sich für einen der Anfang März an den hiesigen Standorten Berlin und Frankfurt startenden Kurs interessiert, kann sich noch für kurze Zeit über die Website des Instituts bewerben.

Links:

Abbey Road Institute

Zu Besuch im Abbey Road Institute London

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Das könnte Dich auch interessieren: