Minimalist mit Niveau

Zoom TAC-2 Thunderbolt-Audio-Interface im Test

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Im Apple-Markt tobt die Thunderbolt-Revolution. Doch die meisten Audio-Interfaces für diese innovative und leistungsfähige Schnittstelle sind recht teuer. Zum Preisbrecher avanciert — wieder einmal — die japanische Firma Zoom mit dem TAC-2: Es ist bereits für knapp 400 Euro zu haben.

front, dreh-schalter
(Bild: Dr. Andreas Hau)

Déjà vu? Optisch gleicht das Zoom TAC-2 dem Apollo Twin von Universal Audio geradezu frappierend. Da aber beide Interfaces fast zeitgleich vorgestellt wurden, ist die Ähnlichkeit wohl blanker Zufall. Oder sie verdankt sich der Tatsache, dass Zoom und UA gleicher – maßen von Apple-Designs inspiriert sind …

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Die noble silbermatte Metall-Oberfläche mit schwarz abgesetztem Display passt jedenfalls bestens zu Apples Unibody-Gehäusen. Das Format wirkt auf Anhieb sympathisch: Mit seiner fast quadratischen Grundfläche von129 mal 120 mm und einer Höhe von 51 mm nimmt das kleine Pultgehäuse in etwa so viel Platz ein wie drei Tafeln Ritter Sport. Ein leckeres Kerlchen!

KEEP IT SIMPLE

Ein kurzer Blick auf die Anschlussseite zeigt, warum Zoom das Gerät TAC-2 getauft hat: TAC steht für Thunderbolt Audio Converter, zwei ist die Zahl der analogen Ein-/Ausgangskanäle. Zusätzliche digitale Audioanschlüsse gibt’s ebenso wenig wie MIDI-Buchsen.

Die Mikrofon/Line-Eingänge sind als ComboBuchsen (XLR/Klinke symmetrisch) ausgeführt, die beiden Ausgänge (Klinke symmetrisch) sind im Pegel regelbar und für den Anschluss von (Aktiv-)Monitorboxen vorgesehen. Zwei weitere Anschlüsse liegen auf der vorderen Gehäuseflanke: nämlich ein Kopfhörerausgang und ein Instrumenteneingang mit hoher Impedanz (1 Megaohm).

Letzterer ist Input 1 zugeordnet, d. h. der linke Mic/Line-Eingang wird deaktiviert, sobald der Instrumenteneingang belegt ist. Auch der Kopfhörerausgang verfügt über keinen einen eigenen Wandlerkanal, sondern spiegelt das Signal der rückseitigen Ausgänge; die Phones-Lautstärke lässt sich aber unabhängig regeln.

Bedient wird das TAC-2 über ein großes Einstellrad, dessen Optik hochwertiger wirkt als seine Haptik. Was wie solides Metall aussieht, ist in Wirklichkeit Plastik und fühlt sich entsprechend »preiswert« an; ein bisschen wackelig ist das Rad auch.

Der Funktion tut das keinen Abbruch: Durch Drücken des Einstellrads steppt man durch die zu regelnden In- und Output-Kanäle, um dann durch Drehen das Gain bzw. den Ausgangspegel zu justieren. Schon weil es nur zwei Eingangskanäle sowie Lautsprecher und Kopfhörer zu regeln gibt, sollte jeder mit diesem Bedienkonzept schnell zurecht kommen.

KONTAKTAUFNAHME

Löblich: Ein Thunderbolt-Kabel von ca. 1 Meter Länge gehört zum Lieferumfang − bei allen anderen bislang getesteten Thunderbolt-Audio-Interfaces muss man ein solches separat erwerben, was mit 40 bis 50 Euro zu Buche schlägt. So ein Thunderbolt-Kabel ist nämlich viel aufwendiger in der Herstellung als eine simple USB-Strippe: In den Steckern sitzen winzige DSPs.

Im Fall des TAC-2 dient der Thunderbolt-Anschluss auch der Energieversorgung; es bezieht seinen gesamten Strom per Bus-Powering. Einen zusätzlichen Netzteilanschluss gibt es nicht. Wie die meisten bislang vorgestellten Thunderbolt-AudioInterfaces, verfügt auch das TAC-2 über keinen zweiten Thunderbolt-Port zum Durchschleifen; es bildet also zwangläufig das Ende der Thunderbolt-Kette. Das sollte man vor dem Kauf bedenken, denn einige Macs besitzen ebenfalls nur einen Thunderbolt-Port, der außer für Thunderbolt-Devices ja auch für Monitore benötigt wird.

Als reines Thunderbolt-Audio-Interface läuft das TAC-2 nur am Mac. Zwar ist diese Hightech-Schnittstelle prinzipiell auch für Windows-Rechner verfügbar, aber für diese wenigen Exoten mag kaum ein Hersteller Treiber programmieren − was wiederum die Schnittstelle für Windows-User wenig attraktiv erscheinen lässt. Das alte Henne-Ei-Problem. Und so dürfte das Thema Thunderbolt bis auf Weiteres auf die Mac-Plattform beschränkt bleiben.

Als Systemvoraussetzung nennt der Hersteller OS X 10.8.5. Mit einem Upgrade auf das jüngst veröffentlichte OS X 10.10 sollte man generell noch warten, bis die Hersteller ihre Software angepasst haben; auch beim TAC-2 soll es mitunter zu Problemen kommen.

Getestet habe ich unter OS X 10.9.4 (Mavericks); hier lief der Treiber (inzwischen in der Version 2.0) reibungslos. Zur Installation ist allerdings ein Neustart erforderlich, und die zugehörige Mixer-Software muss separat aufgespielt werden. Ich vermisse ein wenig den Mac-typischen Komfort.

PRAXIS

Die Niedriglatenz-Performance ist ausgezeichnet. Bereits im kleinsten Puffer-Setting von 32 Samples arbeitet das TAC-2 knackfrei. Unter Cubase 7.5.3 werden Ein- und Ausgangslatenzen von je 0,73 ms angezeigt.

Um zu ermitteln, bis zu welcher Prozessorlast die Audioausgabe störungsfrei bleibt, habe ich wieder einmal auf den Softsynth-Boliden U-He DIVA zurückgegriffen (Patch »Beautypad« im besonders CPU-intensiven »Divine«- Modus bei aktivierter Multicore-Unterstützung).

Mein kleines MacBook Pro 13 (late 2011, Intel Core i5 @ 2,4 GHz, 16 GB RAM) schaffte fünf bis sechs Stimmen, bis erste Aussetzer auftraten. Im nächsthöheren Setting mit 64 Samples (1,45 ms) waren bereits elf bis zwölf Stimmen möglich, und mit 128 Samples (2,9 ms) dann alle 16 möglichen DIVA-Stimmen (die dieses kleine Notebook auch fast vollständig auslasten).

Ebenso erfreulich sind die Audiowerte. Im Loop-Test (Ausgang auf Eingang) erreichen AD- und DA-Wandlung zusammen eine Dynamik von 113,5 dB − ein imposanter Wert für diese Preisklasse. Der Klirrfaktor von 0,0028 % wäre vor ein paar Jahren noch richtig klasse gewesen, inzwischen ist das oberes Mittelfeld; die dominanteste Harmonische ist K3 bei −96 dBFS.

In Zeiten schnurgerader Frequenzgänge fällt beim TAC-2 eine winzige Mittennase zwischen 400 und 500 Hz auf, deren Hub aber gerade mal ein halbes Dezibel beträgt. Zu hören ist das kaum; tatsächlich klingt das TAC-2 für ein Audio-Interface dieser Preisklasse sogar sehr transparent.

Auch die Mikrofonvorstufen machen einen guten Eindruck und liefern maximal 60 dB Gain in 3-dB-Schritten. Selbst bei hoher Verstärkung bleibt das Klangbild sauber und brillant ohne auffällige Verfärbungen. Das Eingangsrauschen ist mit −125 dBu spezifiziert − ein guter Wert, der für die tägliche Arbeit völlig ausreicht. Zum Vergleich: Ein ultra-rauscharmer Preamp ist in kritischen Situationen (z. B. leise Quellen mit Bändchenmikro) etwa 4 dB rauschärmer.

Bei Audio-Interfaces mit Bus-Powering ist es immer ratsam, die Phantomspeisung nachzumessen. Beim Zoom TAC-2 kann ich Entwarnung geben: Die Spannung beträgt exakt 48,0 Volt, und der maximale (Kurzschluss-)Strom liegt mit 14,3 mA voll im Soll. Hier zeigt sich einer der nicht so offensichtlichen Vorteile der Thunderbolt-Anbindung: Per Bus-Powering stellt sie deutlich mehr Energie zur Verfügung als die USB-2.0- Schnittstelle, und das begünstigt gute Audioleistungen sowie eine normgerechte Phantomspeisung.

Die Bedienung des TAC-2 ist erfreulich einfach, wobei aber nur die Grundfunktionen direkt am Interface wahrgenommen werden können. Erweiterte Funktionen wie Phasenumkehr (eigentlich Signalpolarität) und Tiefenabsenkung sind nur über die Mixer-Software zugänglich.

Ein praktisches Feature, gerade für den Heimstudio-Einzelkämpfer, ist die Auto-Gain-Funktion, die anhand des Eingangssignals die Vorverstärkung korrekt justiert, sogar mit einstellbarem Headroom. Über das Software-Panel wird auch der Kopfhörermix eingestellt, was dank der übersichtlichen Struktur schnell erledigt ist.

Der Phones-Ausgang hätte ein bisschen mehr Power vertragen können, denn in Verbindung mit weniger empfindlichen Kopfhörern sind die Lautstärkereserven recht knapp. Ein netter Bonus ist der integrierte Software-Hall, der vor allem für Gesangsaufnahmen sehr angenehm ist, damit die Stimme unterm Kopfhörer nicht gar so trocken tönt. Der Effekt dient wohlgemerkt nur dem Monitoring; aufgenommen wird der Hall natürlich nicht. Zwar lassen sich die Parameter nicht editieren, und es gibt gerade mal acht Presets; doch der Klang ist wirklich nicht übel. Hilfreich wäre jedoch ein Regler, um die Ausklingzeit bzw. die Echo-Repeats auf das Songtempo abzustimmen.

front-tac-2
(Bild: Dr. Andreas Hau)

FAZIT

Das Zoom TAC-2 ist ein wirklich angenehmes Audio-Interface für den »kleinen Hunger«. Die Ausstattung ist minimalistisch: stereo rein und raus, fertig. Digitale Audioanschlüsse gibt es genauso wenig wie MIDI oder gar DSP-Funktionen (wie beim direkten Konkurrenten Apollo Twin).

Doch diese Einfachheit spiegelt sich in einer ebenso einfachen Bedienung wider, und die Audio-Performance ist für ein Gerät dieser Preisklasse durchaus beachtlich: Die Preamps klingen sauber, die Phantomspeisung arbeitet trotz Bus-Powering 100 % normgerecht, und die Wandler bringen es auf eine Dynamik von über 113 dB − das geht schon in Richtung Profiliga.

Somit muss man dem TAC-2 trotz der spartanischen Ausstattung ein gutes Preis/Leistungs-Verhältnis bescheinigen, zumal − anders als bei seinen Konkurrenten − das teure Thunderbolt-Kabel im Preis inbegriffen ist.

Zum Schluss noch eine Eilmeldung: Just angekündigt wurde von Zoom die Modellvariante TAC-2R im Mini-Rackformat − mit MIDI-Anschlüssen!

+++

schnelle Treiber

++

gute Audioperformance

+

Thunderbolt-Kabel inbegriffen

kein zweiter Thunderbolt-Port

Kopfhörerausgang etwas schwach


TAC-2 Hersteller/Vertrieb Zoom/Sound Service

UvP/Straßenpreis 474,81 Euro / ca. 380,— Euro

www.sound-service.eu

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