Den richtigen Monitor finden

Studio Monitor kaufen

Du möchtest dir Studio Monitore kaufen? Die Auswahlkriterien für Monitore sind natürlich vielfältig. Der vorhandene Platz, der finanzielle Etat und womöglich auch die Optik stehen hier als nicht-technische Kriterien auf der einen Seite. Direkte Fakten sind dagegen z. B., welchen Abhörpegel du in einer Hörentfernung von „x“ Metern erzielen und welchen Frequenzbereich du mindestens abdecken möchtest.

Musiker stellt Monitor auf

 

Und natürlich hat man auch unter schiedliche Qualitätsansprüche: Welche Toleranzen im Frequenzgang gestatte ich dem Lautsprecher, welche Verzerrungen bin ich bereit, bei meiner typischen Abhörlautstärke zu akzeptieren, wie groß darf die Paarabweichung zwischen meinen beiden Monitoren sein, und wie viel darf der Monitor rauschen? Wenn du hier für dich geklärt hast, was du willst, wäre dies bereits ein erstes Kriterium für „deinen“ Lautsprecher.

Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle Studiomonitore aktive System mit integrierten Verstärkern, was nicht nur praktisch für dich, sondern auch einfacher für den Hersteller ist. Mit aktiver Elektronik und Filtern in der Box lassen sich die verwendeten Chassis viel einfacher, besser und auch kostengünstiger optimal ansteuern und die Verstärker anpassen. Nicht wenige aktive Monitore für deutlich unter 1.000 Euro pro Paar sind so teilweise mehrfach teureren passiven High-End-Boxen weit überlegen.

Der typische Monitor für ein Homestudio ist eine aktive 2-Wege-Box. Unterschiede gibt es hier im Aufbau des Gehäuses für den Tieftöner − Bassreflex oder geschlossenes Gehäuse − und bei der Auswahl des Hochtöners. Bei Letzteren sind Kalotten der Standard; sie unterscheiden sich durch das Membranmaterial, welches aus Gewebe, Aluminium, Titan, Keramik oder auch Beryllium bestehen kann. Die beiden letztgenannten Materialien finden sich aufgrund des komplexen Herstellungsprozesses nur in sehr teuren Boxen, Gewebe- oder Alu-Kalotten gibt es dagegen über alle Preis- und Qualitätsklassen, wo dann auch schon mal weniger gute Exemplare dabei sein können. Bevor du hier nur das eine oder andere Material gut findest, solltest du checken, ob der Vergleich auch fair ist.

Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal für den Hochtöner ist das Waveguide, das als eine Art Schallführung in Form eines Hornstummels meist in die Frontplatte des Gehäuses eingelassen wird. Mit seiner Hilfe wird das Abstrahlverhalten der kleinen Kalotte an das des viel größeren Tieftöners angepasst und zusätzlich als positiver Nebeneffekt noch die Sensitivity erhöht. In der Praxis bedeutet das für dich, dass es bei der Trennfrequenz zwischen Tief- und Hochtöner keine Sprungstelle vom hier schon bündelnden Tieftöner zur ohne Waveguide viel zu breit strahlenden Kalotte gibt. Und durch die Erhöhung der Sensitivity des Hochtöners wird merklich weniger Verstärkerleistung für einen bestimmten Pegel benötigt und somit die Verzerrungen reduziert.

Immer wieder auftauchende Behauptungen, ein Waveguide würde zu einem näselnden Hornklang führen, entbehren jeglicher Grundlage. Die Assoziation zu richtigen Hörnern mit Kompressionstreibern ist hier völlig fehl am Platz, da einige in der Tat manchmal vorhandene Eigenarten dieser Kombinationen meist auf den Kompressionstreiber oder mangelhafte und extreme Hornkonstruktionen zurückzuführen sind. Beides gibt es bei der Kombination aus Kalotte und Waveguide jedoch nicht. Echte Kompressionstreiber/Horn-Kombinationen gibt’s bei Studiomonitoren ohnehin nur selten und wenn, dann meist nur bei sehr großen und teuren Konstruktionen.

Noch ein kurzer Blick auf den Tieftöner. Aus akustischer Sicht ist das geschlossene Gehäuse ohne Frage die beste Wahl. Trotzdem bauen 99% der Hersteller Bassreflexsysteme.

Da fragt man sich natürlich, warum sie dies tun. Nun, mit einem Bassreflexgehäuse lässt sich bei einer vergleichbaren Gehäusegröße ein höherer Pegel im Bassbereich erzielen, weil der Treiber im Wirkungsbereich des Bassreflexresonators durch diesen kräftig unterstützt und somit entlastet wird. Auf der anderen Seite verursacht das Bassreflexsystem jedoch verstärkte Phasendrehungen und ist unterhalb seiner dedizierten Abstimmfrequenz quasi nicht mehr nutzbar. Ein geschlossenes Gehäuse erreicht dagegen zwar nicht die Pegelwert, fällt aber zu tiefen Frequenzen hin wesentlich langsamer ab und lässt sich daher auch hier bei Bedarf noch nutzen.

Speziell bei Nahfeldmonitoren ist jedoch die Gehäusegröße ein entscheidendes Kriterium und der mögliche Basspegel einer der kritischen Aspekte, sodass fast alle Entwickler das Bassreflexsystem bevorzugen. Fasst man alles zusammen, dann ist der typische Nahfeldmonitor eine kompakte, aktive 2-Wege-Box mit Bassreflexgehäuse für den Tieftöner und einer Kalotte mit Waveguide für die Hochtonwiedergabe. Die Preisspanne am Markt für diese Art Lautsprecher erstreckt sich von schon fast unglaublichen 100 Euro pro Box bis hin zu besonders edlen und exotischen Exemplaren für 5.000 Euro oder mehr pro Exemplar. Beide Extreme sind mit Vorsicht zu genießen − der Fehlkauf eines 100-Euro-Monitors lässt sich aber mit Sicherheit leichter verschmerzen.

Checkliste

Die erste und wichtigste Regel beim Kauf der Studiomonitore ist, dass übertriebene Sparsamkeit hier völlig fehl am Platze ist. Computer und Software kommen und gehen, und der Zyklus, in dem sie gegen aktuellere Versionen ausgetauscht werden, wird immer kürzer. Ein guter Monitor klingt hingegen auch nach vielen Jahren noch gut und bestimmt dabei in entscheidender Weise das Ergebnis der Arbeit im Studio — egal ob großes Profi- oder kleines Homestudio. Noch vor dem Kauf der Monitore sollte man auch ein Blick auf die Raumakustik werfen und checken, ob hier Eingriffe erforderlich und/oder möglich sind. Investitionen in eine gute Raumakustik sind immer richtig und rentieren sich langfristig auf jeden Fall. Auf exotische Konstruktionen sollte man beim Studiomonitor immer erst dann zurückgreifen, wenn man selber viel Erfahrung oder schon gut funktionierende, verlässliche Monitore hat.

Weitere Aspekte für den Kauf der Monitore sind: der verfügbare Platz, Stereo oder Surround Sound, mit oder ohne Subwoofer und natürlich auch die Art der produzierten Musik. Wenngleich ein guter Monitor natürlich alles kann, ist es doch ein Unterschied, ob man primär Aufnahmen eines Singer/Songwriters mit Gitarre und Stimme produziert oder HipHop. Für letzteres wäre ein etwas größerer Monitor für eine tiefe und kräftige Basswiedergabe vermutlich angemessener als ein kleiner 6″-Edelmonitor. Natürlich kann man für mehr Bässe auch einen Subwoofer einsetzen, der spätestens, wenn es um 5.1- Surround-Sound geht, ohnehin gebraucht wird

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