Monitoring im eigenen Studio

Kopfhörerverstärker in der Übersicht

Wer in seinem Studio viel mit Kopfhörern arbeitet, sollte sich nicht nur über die Wahl der passenden Lausch-Pads Gedanken machen. Zur Ausstattung gehört auch ein vernünftiger Headphone-Amp, der eine bequeme und sichere Kontrolle der Lautstärke ermöglicht. Überhaupt: Setzt man bei Audiowandlern und Kopfhörern auf gute Qualität, macht es keinen Sinn, am Kopfhörerverstärker zu sparen, denn solch ein Gerät sollte bestmögliche Übertragungseigenschaften besitzen.

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Dieter Stork
Auch nach 30 Dienstjahren kein bisschen veraltet; Der Lake People G-109 (hier die Anniversary-Edition) bietet als klassischer Headphone-Amp Anschlüsse für zwei Kopfhörer und exzellente Audioqualität.

Die Ausgangssituationen können sehr unterschiedlich sein, und ebenso weitreichend sind die Möglichkeiten, sich mit den passenden Gerätschaften zu versorgen. Auf jeden Fall sollte klar sein: Wer mit einer DAW arbeitet, braucht zumindest irgendein Gerät, mit dem sich die Lautstärke verlässlich einstellen lässt. Anstelle also die Lautstärke mit der Maus zu regeln, ist ein Poti oder Fader die beste und sicherste Methode! Denn immer, wenn es spontan mal sehr laut wird − was gerade beim Kopfhörermix äußerst unangenehm werden kann −, ist es einfach zu blöd, wenn man sich hektisch zum rettenden Kanal- oder Master-Fader durchklicken muss.

Das Minimal-Setup

Viele kompakte Interface-Lösungen bieten einen großen Regler, mit dem sich die Lautstärke einstellen lässt. Noch besser ist es, wenn auch noch ein separater Regler für den Kopfhörerausgang vorhanden ist − damit hätte man schon die grundsätzliche Funktionalität eines klassischen Monitor-Controllers beschrieben: Die Monitorboxen lassen sich so unabhängig von den Headphones in der Lautstärke kontrollieren. Wer meistens allein an seinen Tracks schraubt, wird mit diesem Minimalsetup bereits glücklich. Gibt es sogar zwei Anschlüsse für Kopfhörer? Na bestens. So kann man auch zu zweit an einem Track arbeiten, wenn einmal der Einsatz der Monitore nicht möglich ist.

Gute Beispiele für handliche Audio- Interfaces mit integriertem Monitor-Controller wären etwa Native Instruments Komplete Audio 6, Universal Audio Apollo Twin, MOTU UltraLite, Focusrite Scarlett etc. − ein auffälliger Volume-Regler muss übrigens nicht zwingend vorhanden sein. Es lohnt sich, genauer hinzuschauen, denn das genannte MOTU-Gerät bietet z. B. auch ohne großen Regler die gewünschte Funktionalität − und noch viel mehr! In der aktuellen AVB-Version lässt sich das kleine Interface sogar in größere Audio-Netzwerke integrieren. Wer hier gleich abwinkt nach dem Motto »brauche ich eh’ nicht«, sollte in diesem Zusammenhang doch mal einen Blick auf den Monitor 8 werfen …

Auf Monitorboxen ganz verzichten?

Ausschließlich mit Kopfhörer zu arbeiten − also komponieren, aufnehmen, mischen, mastern − ist nicht wirklich eine gute Idee. Aber auch auf diese Weise sind schon vielen beachtlich gut klingende Tracks gelungen. Grundsätzlich geht aber nichts über eine richtige Abhöre und vor allem der Vergleich des Mixes auf verschiedenen Monitoren: Boxen, Kopfhörer, Kofferradio, Car-Stereo usw.

Aufnehmen im Homestudio

Auch mit dem o. g. Minimal-Setup kann man grundsätzlich schon klarkommen. Wenn man aber z. B. Gesang aufnehmen möchte, braucht man einen extra Ausspielweg für den Monitorsound, den man dem Sänger oder der Sängerin anbietet. Es geht zum einen darum, dass sich das singende Personal die Lautstärke individuell einstellen kann. Vielleicht möchte man aber darüber hinaus einen speziell abgestimmten Monitormix erstellen. Dafür wird in der DAW ein zusätzlicher Mix-Bus auf separate Ausgänge geroutet.

Sobald man zu mehreren an der DAW arbeitet und auch mal Vocals und Instrumente einspielt, sollte man über die Anschaffung eines Headphone-Amps nachdenken. Denn damit kann sich jeder seine Abhörlautstärke individuell einstellen − auch Homerecording gestaltet sich damit deutlich weniger stressig. Hat man einmal das notwendige DAW-Setup gemacht, ist man im Handumdrehen aufnahmebereit.

Headphone-Amp-Klassiker

Fällt die Ausstattung des Audio-Interfaces schlanker aus, sollte man sein Setup mit einem Kopfhörerverstärker erweitern. Ein Klassiker, der gerade sein 30-jähriges Jubiläum feiert, ist der G-109-A der Konstanzer Firma Lake People, die sich mit diesem hochwertigen Kopfhörerverstärker bereits 1986 einen Namen gemacht hat und heute eine ganze Reihe verschiedener Headphone-Amps und auch Preamps im Programm hat. Der G-109-A ist durch und durch ein klassischer Kopfhörerverstärker, der sich mit Klinken-Ein- und -Ausgängen perfekt ins Homestudio integriert. Das hervorragend verarbeitete Gerät bietet auch heute noch ausgezeichnete Klangqualität und ist − »Made in Germany« − top verarbeitet. Warum wir den G-109-A wärmstens empfehlen können, kannst du im ausführlichen Testbericht auf www.sound-andrecording.de nachlesen.

Wenn man als Band gemeinsam an seinen Stücken arbeitet oder auch mal eine Bandprobe unter Kopfhörerbedingungen durchführen muss, empfehlen sich mehrkanalige Geräte. Praktisch und vor allem handlich ist der Presonus HP4 − er hat noch nicht ganz so viele Dienstjahre wie der Lake People auf dem Buckel, ist aber längst auch ein Klassiker. Der HP4 passt in jedes Gigbag und bietet Anschluss für vier Kopfhörer. Verarbeitung und Audioqualität sind, wie man es von Presonus nicht anders kennt, bestens. Weitere Pluspunkte: Der Audioinput lässt sich zu Monitorboxen weiterleiten (Monitor Thru), die außerdem unabhängig in der Lautstärke geregelt oder stummgeschaltet (Mute) werden können. Und einen Mono-Schalter gibt’s auch noch. Bei einem Straßenpreis von unter 100,− Euro ist der HP4 von Presonus unser Preis/Leistungs-Tipp!

Wer mehrere Signalwege braucht, sollte sich dann Geräte wie den Tascam MH-8 oder Nowsonis Hexacon anschauen. Diese umfangreich ausgestatteten Headphone-Amps können mehrere Signale empfangen, die sich in jedem Kopfhörermix (acht beim MH8, sechs beim Hexacon) individuell zuschalten lassen. Außerdem gibt es Direct-Inputs. Der Hexacon bietet sogar Balance-Regler und eine einfache Klangreglung pro Kanal − und das zu einem sensationell günstigen Preis.

Headphone-Amps gibt’s für die verschiedensten Anwendungen und Ansprüche — von der einfachen mobilen Lösung für den Laptop-Mix unterwegs bis zum digitalen Monitormix über Audionetzwerke.

Monitor-Simulation

Das Arbeiten mit Kopfhörern hat gegenüber Monitorlautsprechern bestimmte Nachteile: Das Gehör ermüdet schneller, und wegen der starken Kanaltrennung entsteht nicht nur ein zu breites Stereo-Image, sondern auch die berüchtigte Im-Kopf-Lokalisation, die dazu führt, dass die Phantommitte, also dort, wo sich die Vocals befinden, nicht vor einem erscheint, sondern eben mitten im Kopf.

Wer die meiste Zeit aber mit den flauschigen Monitoren arbeitet, sollte sich unbedingt die Kopfhörer-Verstärker von SPL namens »Phonitor« anschauen. Sie helfen, diese Probleme in den Griff zu bekommen. Der Phonitor 2 (ca. 1.400,− Euro) bedeutet zwar eine nicht gerade kleine Investition, aber es handelt sich hier um ein Referenzgerät mit einzigartigen Möglichkeiten. Für den kleineren Geldbeutel gibt’s außerdem den Phonitor mini (ca. 650,− Euro), dessen Einstellmöglichkeiten eingeschränkt, aber für Homestudio- oder mobile Anwendungen optimal sind.

Was macht den Phonitor nun so besonders? Es ist zum einen SPLs 120-Volt-Technik der komplett analog aufgebauten Schaltung, die top Klangqualität verspricht, zum anderen ist es die Crossfeed-Funktion, die das Abhören über Monitorboxen simulieren kann. Während man bei Kopfhörern eine starke akustische Trennung von linkem und rechtem Kanal hat, kommt bei richtigen Monitoren immer die Raumakustik ins Spiel. Dies lässt sich über die Crossfeed-Regelung einstellen, was aber eben nicht ein simples Übersprechen zwischen linkem und rechtem Kanal ist. Die Kanaltrennung wird also nicht etwa verschlechtert, sondern in eine dem menschlichen Gehör gerechte Darstellung überführt. Dabei lässt sich virtuell sogar der Aufstellwinkel (Angle) der Boxen einstellen. Darüber hinaus bietet Phonitor auch noch eine Regelmöglichkeit für die Phantommitte.

Monitor per Audionetzwerk

Für klassische, mehrkanalige Kopfhörerverstärker in analoger Ausführung kann man unter Umständen schon eine Menge Geld loswerden, deshalb erscheint der Blick auf den MOTU Monitor 8 gar nicht abwegig. Sogar ganz im Gegenteil, denn dieses digitale Gerät lässt sich dank MOTUs neuer AVB-Technik in ein Audio-Netzwerk integrieren. Was soll das bringen? Zugegeben − man muss vielleicht etwas umdenken, aber in Verbindung mit bereits einem kleinen AVB-Interface, etwa dem UltraLite AVB macht diese Anschaffung sehr viel Sinn für kleine bis mittelgroße Aufnahmekonstellationen, bei denen sich mehrere Musiker in einem Raum aufhalten und gemeinsam einspielen. Der Vorteil ist, dass man über ein zentral gesteuertes System das gesamte Routing machen kann, wobei gleich mehrere AVB-Interfaces in einem Verbund arbeiten können. Es ist das derzeit wohl flexibelste System, das − verglichen mit anderen AudioNetzwerken − sehr einfach zu handhaben und dabei sehr viel günstiger in der Anschaffung ist.

Headphone-Amp für den mobilen Einsatz?

Eigentlich doch Unsinn − einfach den Kopfhörer an den Laptop stöpseln und loslegen, dass sollte doch in 99 % der Fälle genügen. Für viele ist das Realität − trotzdem darf man auch für diese Situation gerne über Möglichkeiten nachdenken, die bessere Audioqualität bieten können, denn für die Qualität der Laptop-Audiosysteme − besonders bei Windows Geräten − sollte man nicht die Hand ins Feuer legen. Der Apogee Groove wäre dann eine Lösung, denn der kleine und handliche Amp bietet genau das: lupenreine Audioqualität dank hochwertiger Audiowandler. Wer den Vergleich macht, hört den Unterschied und kann für sich entscheiden, ob dieser die knapp 350,− Euro wert ist. Den USB-Headphone-Amp stöpselt man an PC und Mac, und er bietet Anschluss für einen Kopfhörer per Miniklinke sowie eine Lautstärke-Regelung über zwei Buttons.

www.soundandrecording.de/kopfhoererverstaerker

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