Mission 300

Miktek MK300 − Großmembran-Kondensatormikrofon im Test

Dr. Andreas Hau

Bislang war Miktek ausschließlich im Mid-Price-Sektor tätig; mit dem MK300 wagt sich die junge Firma aus Nashville, Tennessee, nun erstmals ins Budget-
Segment. Trotzdem lockt das Großmembran-Kondensatormikrofon mit Vollausstattung. Aber klingt es auch so gut wie die teureren Miktek-Mikros?

Das neue Miktek-Großmembranmikrofon trägt die 300 nicht nur in der Produktbezeichnung, es ist auch seine Hausnummer im Preiswettbewerb: Rund 300 Euro kostet das Mikrofon im Laden. Gespart hat man offensichtlich an der Verpackung: Das MK300 kommt nicht im robusten Alukoffer oder einer schnieken Holzschatulle, sondern in einem schnöden Pappkarton. Aber uns ging’s ja um den Sound, richtig?

Nachtschwarz

Das MK300 kommt in der typischen, leicht geschwungenen Miktek-Formgebung; mit seinem schwarzen Gehäuse sieht es dem in S&R 4.2015 getesteten Röhrenmodell CV3 zum Verwechseln ähnlich. In technischer Hin – sicht ist das MK300 aber eher mit dem knapp dreimal so teuren, silberfarbenen Multipattern- Transistormodell C7 vergleichbar (s. S&R 1.2012). Mit einem Kampfgewicht von rund 700 g ist das Mikrofon ungewöhnlich schwer, und die Kunststoff-Spinne, respektive ihr Stativgelenk, ist geneigt, sich zu neigen, sofern man die Halteschraube nicht mit ganzer Inbrunst festzieht. Eine deutlich robustere Gelenkhalterung aus Metall, ohne dämpfende Gummis, liegt dem MK300 zusätzlich bei.

Das Mikrofon selbst wirkt sehr solide und ist sauber verarbeitet. Oberhalb des Chromrings, der den Korb vom Body optisch absetzt, sitzen drei Schalter: vorne der Pattern-Umschalter für Kugel-, Nieren- und Achter-Charakteristik, auf der Rückseite Pad (−10 dB) und Bassabsenkung (100 Hz, 12 dB/oct).

Als Schallwandler kommt eine 1-Zoll-Doppelmembran-Großkondensatorkapsel zum Einsatz, die laut Hersteller von Miktek selbst designt wurde; aber natürlich orientiert sie sich an der wohl meistkopierten Kapsel aller Zeiten, der Neumann K67 (aus dem U 67 und U 87A).

Miktek macht keinen Hehl daraus, dass viele Komponenten, u. A. die Kapseln, aus Fernost bezogen werden; beim MK300 trifft das auch auf den Ausgangsübertrager zu. Das ist ein markanter Unterschied zu den etwas teureren Miktek-Mikrofonen, die mit edlen US-amerikanischen Übertragern von AMI Audio ausgestattet sind. Irgendwo muss ja gespart werden. Trotzdem kann auch ein preisgünstiger Übertrager aus Fernost gut klingen; laut Hersteller wurde der hier verbaute T-301-Übertrager von Miktek eigens für das MK300 designt.

Die Mikrofonelektronik besteht aus drei Platinen. Die kreisrunde unter dem Korb beherbergt im Wesentlichen nur die Schaltfunktionen.

Die Hauptplatine mit dem Übertrager trägt die eigentliche Audioschaltung, die bewusst einfach gehalten ist. Wie viele Transistormikrofone der späten 60er und frühen 70er verwendet sie nur einen einzigen FET als aktives Bauelement. Solch simple Schaltungen klingen tendenziell etwas weicher als moderne, komplexere Schaltungsvarianten, die allerdings bessere technische Daten bieten. Die Platine auf der Rückseite bildet einen Spannungswandler, der aus der Phantomspeisung die optimalen Polarisationsspannungen für die Kondensatorkapsel generiert, um einen möglichst günstigen Rauschabstand zu gewährleisten. Nicht optimal ist jedoch, dass die Spannungswandlerplatine von nur einer einzigen Schraube gehalten wird und daher recht wackelig sitzt.

Aufgrund der Vintage-Elektronik entspricht die technische Performance grundsätzlich dem Niveau älterer Mikrofondesigns. Was die genauen Werte angeht, gibt es jedoch größere Diskrepanzen zwischen Bedienungsanleitung und Datenblatt. Mit einem Eigenrauschen von 15 dB-A (laut Manual) ist das MK300 nicht ganz so rauscharm wie Mikros mit modernerer Schaltungstechnik wie z. B. das Røde NT-2A oder das Sennheiser MK4 − jedenfalls auf dem Papier. In der Praxis muss man jedoch schon mächtig die Ohren spitzen, denn in den meisten Aufnahmesituationen ist das Raumgeräusch höher als das Mikrofonrauschen.

Die Empfindlichkeit beträgt laut Manual −35 dB re 1 Pa; im Datenblatt sind −29 dB an – gegeben. Die Wahrheit liegt wie so oft irgendwo in der Mitte: Das Testexemplar kommt auf −32 dB, oder in europäischer Schreibweise 23 mV/Pa. Mit einem so hohen Ausgangspegel fällt die Qualität des nachfolgenden Preamps weniger ins Gewicht. Der Grenzschalldruckpegel ist mit 137 dB angegeben, was für den Betrieb mit aktiviertem Pad gelten dürfte, das heißt, ohne Pad wären es nur 127 dB SPL. Selbst das scheint angesichts der Vintage-Schaltung etwas optimistisch. Nichtsdestotrotz genügen Rauscharmut und Pegelfestigkeit allen üblichen Anforderungen, erst recht im Homestudio.

Klangverhalten

Unsere Messungen zeigen einen sehr ausgeglichenen Frequenzgang in Nierenstellung. Bis auf eine leichte Anhebung der oberen Präsenzen bei 5,5 kHz und einer maßvollen Höhenanhebung bei 12 kHz um etwa 3 dB ist der Frequenzverlauf sehr eben. In Kugelstellung verdoppelt sich die Höhenanhebung auf 6 dB. In Achterstellung ebnet sich dagegen die Höhenanhebung zugunsten einer stärkeren, breitbandigen Präsenzbetonung.

Frequenzgänge entsprechen nicht immer so ganz der subjektiven Klangwahrnehmung, in diesem Falle aber schon: Das MK300 wirkt insgesamt gut ausbalanciert und weniger höhenbetont als die etwas teureren Miktek-Mikros, die ich bisher testete. Das kann man auf unterschiedliche Weise bewerten. Wer einen strahlenden Pop-Sound bevorzugt, sollte lieber zu den teureren Mikteks greifen, vorzugsweise dem CV3 mit Röhrenelektronik, oder gleich auf ein Brauner-Mikro sparen. Wer aber einen natürlichen bis rockigen Sound sucht, kann mit dem MK300 glücklich werden. Mein Eindruck ist, dass das MK300 eigentlich ein U 87 sein möchte. Dessen Raffinesse und Feinauflösung (die berühmten »Neumann-Mitten«) erreicht das MK300 nicht, auch der charakteristische »U-87-Honk« in den Mitten fehlt. Aber die generelle Klangbalance ist ähnlich.

Das MK300 ist aufgrund seiner milden Höhen erfreulich wenig anfällig für zischelnde S-Laute. Auch setzt der Nahbesprechungseffekt recht weich ein, sodass ein weiter Arbeitsbereich entsteht, in dem ein erfahrener Sänger bzw. Sprecher durch Variation des Lippenabstands den Tiefengehalt bzw. die gefühlte Intimität feinfühlig steuern kann.

Positiv fällt außerdem auf, dass die Kugelcharakteristik, die bei umschaltbaren Großmembranmikrofonen eher als »Zugabe« zu betrachten ist, beim Miktek MK300 ungewöhnlich brauchbar klingt. In den oberen Frequenzen wirkt die MK300-Kugel hell, aber nicht allzu scharf, und die Tiefen scheinen längst nicht so körperlos, wie man es von vielen anderen umschaltbaren Großmembranen kennt. Dieser Sound lässt sich gut für Background-Vocals mit mehreren Sängern verwenden und empfiehlt sich ebenso für Akustikgitarren.

Gut gefallen hat mir auch die Achtercharakteristik. Sie ist sehr symmetrisch ausgeprägt mit einer tiefen Auslöschung in 90 Grad zur Aufnahmeachse. Das ist in dieser Preisklasse nicht selbstverständlich. Damit lässt sich das MK300 prima als Seitenmikrofon für MS-Stereofonie einsetzen. Ansonsten weiß der Sound in Achterstellung auch für Gesangsaufnahmen zu gefallen. Die etwas dunklere Höhenabbildung in Verbindung mit einer kräftigen Präsenzanhebung schafft eine Art Late-50s-Retro-Sound.

Fazit

Das Miktek MK300 bietet eine Menge Mikro fürs Geld. Für rund 300 Euro erhält man ein umschaltbares Großmembran-Kondensatormikrofon mit einem ausgewogenen Klangbild, das sich im Mix gut formen lässt. Die technischen Daten sind nicht ganz so gut wie etwa die des Røde NT-2A, das in dieser Preisklasse seit Jahren den Ton angibt. Dafür bietet das Miktek MK300 einen dezenten, unaufdringlichen Vintage-Charakter. Verglichen mit den teureren Miktek-Mikros klingt das MK300 etwas nüchterner, die Mitten etwas »dickhäutiger «, weniger fein aufgelöst. Andererseits ist sein Klangbild insgesamt ausgeglichener; insbesondere in Kugelstellung wirken die Höhen weniger überzeichnet. Somit ist das MK300 nicht einfach nur eine Billigversion des Miktek C7, sondern ein eigenständiges Modell. Runde Sache zum guten Preis!

++
ausgewogenes Klangbild
++
umschaltbare
Richtcharakteristiken
++
gutes Preis/Leistungs-
Verhältnis
+
ordentliche technische Werte

Dem Klang fehlt es etwas an
Glanz und Raffinesse.

MK300 Hersteller/Vertrieb Miktek / Sound Service, Berlin
UvP/Straßenpreis 355,81 Euro / ca. 300,− Euro
www.soundservice.de

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