Ideenfänger

Korg Sound on Sound – Unlimited Track Recorder im Test

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Wirklich Unbegrenzt? Ja, zumindest bis die Speicherkarte voll ist. Und da der SoS microSD- bzw. microSDHC-Karten bis zu immerhin 16 GB schluckt, müsste man schon außerordentlichen Eifer entfalten, um an die Grenzen zu stoßen. Die maximal möglichen 1.600 Spurminuten im fest vorgegebenen Aufnahmeformat von 44,1 kHz/16 Bit stereo, entsprächen z. B. 13 Songs von je 5 Minuten Länge mit jeweils 24 Stereospuren oder eben einem einzigen Song mit 320 Overdubs! Aber der Reihe nach …

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(Bild: Dieter Stork)

Der Korg Sound on Sound (im Folgenden kurz „SoS”) kommt in einem glänzend schwarzen, schmalen Pultgehäuse. „Faustkeil trifft Batmobil”, könnte das Motto lauten, das im Übrigen recht gut den Anspruch visualisiert, archaische Simplizität mit Hi-Tech zu verbinden. Denn im Prinzip arbeitet der Korg SoS ähnlich wie die berühmten zwei Kassettenrecorder, mit denen viele von uns in Kindertagen die ersten Overdub-Experimente gestartet haben. Nur dass der Korg SoS durch die Segnungen der Digitaltechnik eine ungleich bessere Klangqualität erzielt. Erstens weil die Aufnahmetechnik des SoS sehr viel hochwertiger ist, und zweitens, weil beim digitalen Überspielen ja keine Klangverluste entstehen. Zudem hat sich Korg einen extrem cleverenTrick ausgedacht, um alle aufgenommenen Overdubs als Einzelspuren (!) für die spätere Verwurstung und Veredelung in einem DAW-Programm bereitzustellen. Aha, jetzt wird’s interessant!

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Was geht?

Wie funktioniert das nun im Einzelnen? Nun, zunächst legt man einen neuen Song an. Eine Schlagzeugbegleitung kann entweder aufgenommen werden oder als Edel-Metronom mit laufen; vorgefertigte Rhythmen bietet der Korg in ausreichender Anzahl, und auch die Sounds können sich hören lassen. Eigene Patterns programmieren kann man allerdings nicht. Praktisch: Die Geschwindigkeit lässt sich mit dem Finger auf dem kleinen Bildschirm einstellen, der im unteren Rand als Touchscreen funktioniert.

Für Aufnahmen bietet der SoS Stereomikros von anständiger Qualität, die im unteren Gehäuserand eingebaut sind. Externe Mikros können über eine (Stereo-)Mini-Klinkenbuchse angeschlossen werden; für Elektret-Kondensatormikros ist bei Bedarf Plug-in-Power verfügbar. Für Line-Quellen wie Synths und Digitalpianos steht ein separater 3,5-mmKlinkenanschluss (stereo) zu Verfügung. Für Gitarren und E-Bässe gibt es einen hochohmigen Instrumenteneingang im „richtigen” 6,3-mm-Klinkenformat (mono). Für alle Eingänge, von denen aber immer nur einer aktiv ist, steht ein digitales Multieffektgerät zur Verfügung, dessen Bearbeitung mit aufgezeichnet werden kann. Neben Modulationseffekten – Delay, Hall, Kompressor u.v.m – zur Veredelung von Gesang, Akustikgitarre etc. bietet die Effektsektion auch eine reiche Auswahl an Gitarrensounds von clean bis Distortion, die für so eine kleine Kiste gar nicht mal übel klingen. Fürs korrekte Tuning ist ein Stimmgerät eingebaut.

Für Overdubs geht man einfach wieder zurück auf Anfang oder an eine beliebige Stelle im Song – zum Anfahren bestimmter Songpositionen kann man sich wieder des Touchscreens bedienen – und startet die Aufnahme. Der SoS nimmt nun das neue Eingangssignal, mischt es mit dem Stereofile der bis herigen Aufnahme(n) und schreibt einen neuen Stereo-Mix. Das Mischverhältnis lässt sich vor der Aufnahme justieren. Gleichzeitig schreibt der SoS aber auch ein Einzel-StereoFile für jede Aufnahme. Auf der Karte sind also später Mix-Files sämtlicher Entstehungsstufen (z. B. erst nur Drums, dann Drums + Bass, dann Drums + Bass + Gitarre, dann Drums + Bass + Gitarre + Gesang usw.) und, in einem separaten Ordner, Stereofiles mit allen Einzelsignalen (Drums, Bass, Gitarre, Gesang usw.). Letztere können später in ein beliebiges DAW-Programm importiert werden.

Damit auch später eingestartete Overdubs auf der Zeitachse präzise definiert bleiben, bietet der SoS eine Finalize-Funktion, die, wie der Fachchinese sagt, „consolidated WAV- Files” erzeugt. Soll heißen, alle Dateien haben den gleichen Startpunkt; wobei Overdub-Aufnahmen, die später eingestartet wurden, mit digitaler Stille nach vorn verlängert werden. Prima Sache, denn so muss man die Einzelspuren nur ins Fenster des Audiosequenzers rüberschieben und fertig. Oder um es mit Drei-Wetter-Taft zu sagen: Köln, 9 Uhr 30: Die Spur sitzt.

Praxis

Das Konzept des SoS ist absolut genial. Einige Details sind hervorragend gelöst. Beispielsweise muss die Länge der Aufnahme nicht im Voraus definiert werden. Geht ein Overdub über das bisherige Song-Ende hinaus, erweitert sich die Gesamtlänge des Mix-Files automatisch. So lassen sich u. a. auch Songs nach und nach fortführen; d. h., Sie spielen zuerst ein Intro und überlegen sich dann eine Strophe, die Sie in einem weiteren Aufnahmeschritt dahinter einspielen usw. Klasse auch, dass der SoS über Undo verfügt. Per Default ist nur ein Undo-Schritt vorgesehen, um Speicherplatz zu sparen, sodass Sie nur das jeweils letzte Overdub rückgängig machen können. Bei Bedarf (und entsprechend großer Speicherkarte) sind aber auch zehn oder (quasi) unendlich viele UndoSchritte möglich.

Nicht ganz so gelungen wie das Konzept ist die Bedienungsanleitung, die sich z. T. in Einzelheiten und multiplen Möglichkeiten verliert. Immerhin ist das Manual aber auch auf Deutsch verfügbar, was heute ja keine Selbstverständlichkeit mehr ist. Sehr helfen würde eine Kurzanleitung, die das Konzept umreißt und einen leichten Einstieg ermöglicht.

Hat man das Funktionsprinzip und die grundlegende Bedienung aber erst erlernt, weicht die anfängliche Skepsis der Begeisterung. Die Klangqualität ist überraschend gut; die eingebauten Effekte sind geschmackvoll programmiert. Neben vordergründigen Effekten gibt es auch Programme, die den Sound der eingebauten Mikros unauffällig „pimpen”. Auch Nebengeräusche werden effektiv unterdrückt, ohne den Klang abzuwürgen. Das Resultat sind saubere Aufnahmen, die mehr als demotauglich sind.

Das ist umso erfreulicher, weil ja die Möglichkeit besteht, besonders gelungene Spuren später in einer „richtigen” Studioaufnahme weiterzuverwenden. Sehr angetan war ich beispielsweise, wie mein guter alter Jazz Bass in der SoS-Aufnahme klang. Über dedizierte Bass-Effekte verfügt der SoS zwar gar nicht, aber die Master-Compressor bzw. Limiter-Programme leisteten auch für E-Bass sehr gute Dienste. Zwar sind die Effekte jeweils nur in einem Parameter editierbar, aber im Rahmen des Konzepts macht das Sinn. Denn der Korg SoS ist ja als Ideenfänger für Songwriting und Arrangement konzipiert, wo ein Abdriften in Editierorgien absolut kontraproduktiv wäre. Zum Skizzieren von Ideen reicht die Preset-Auswahl allemal.

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Stereo-Miniklinkenanschlüsse für Mikrofon, Line-Quellen und Kopfhörer sowie eine Mono-6,3-mm-Buchse für E-Gitarre/Bass (Bild: Dieter Stork)

Einige Dinge bleiben auf der Wunschliste. Angenehm wäre, wenn das Netzteil gleich beiliegen würde; im Batteriebetrieb bringen es die beiden AA-Zellen auf rund 10 Stunden Laufzeit. Praktisch wäre auch ein Fußschalteranschluss für Punch-In/Out – was aber nicht so sehr ins Gewicht fällt, weil es einen Pre-Roll Parameter gibt, um die Aufnahme mit etwas Vorlauf einzustarten. Gewöhnungsbedürftig ist das Display, das zwar hell und kontrastreich ist, aber so grob auflöst, dass manche Zeichen nur mit Mühe zu entziffern sind.

Der größte Minuspunkt ist aus meiner Sicht aber das Fehlen eines USB-Anschlusses. Stattdessen muss zum Datenaustausch mit dem Rechner die Speicherkarte entnommen werden. Und da die wenigsten Cardreader über einen microSD/SDHC-Slot verfügen, muss man die Mini-Karte mittels des beiliegenden Adapters erst ins Full-Size-SD/SDHC-Format bringen. An sich kein Beinbruch, aber eben doch umständlicher als nötig, schließlich hat so ziemlich jeder „popelige” Fieldrecorder einen USB-Port. Ebenfalls angenehm wäre ein dedizierter Lautstärkeregler für den Kopfhörerausgang, denn die Plus/Minus-Taster, die für den Ausgangspegel zuständig sind, sind in bestimmten Situationen anderweitig belegt, beispielsweise für den Aufnahmepegel. Positiv zu vermelden ist, dass der SoS über einen kleinen Kontrolllautsprecher verfügt, der natürlich blechern klingt, aber praktisch ist, wenn man keinen Kopfhörer dabei hat.

Fazit

Mit dem Untertitel „Unlimited Track Recorder” verspricht der Hersteller nicht zu viel. Der Korg Sound on Sound entzückt mit einem genialen Overdubbing-Konzept, das kreatives Arbeiten unterstützt. Zur Inspiration tragen auch die gelungenen Drum- und Effekt-Presets bei, die mehr als brauchbare Sounds liefern, ohne sich in unnötigen Details zu verlieren. Zugegeben, die Bedienung ist etwas gewöhnungsbedürftig und das Manual didaktisch nicht optimal aufbereitet. Hat man sich aber erst einmal eingearbeitet, erweist sich der SoS als kongenialer Partner beim Songwriting und Festhalten von Arrangement-Ideen.

Das besondere Sahnehäubchen ist natürlich die Möglichkeit, die Demoaufnahmen im Studio als Einzelspuren weiter verfeinern zu können. Da muss man dann auch keine Angst haben, besonders gelungene Takes oder glückliche Zufälle später nicht mehr reproduzieren zu können – zumal die Klangqualität der kleinen Korg-Kiste überraschend gut ist. Mit anderen Worten, das Teil macht richtig Spaß. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn man Brian Wilson einen SoS in die Hand drücken würde – Pet Sounds Reloded.

Profil

Hersteller / Vertrieb: Korg

Internet: www.korg.de

UvP / Straßenpreis: € 297,– / ca. € 230,–

+ geniales Konzept

+ ansprechende Sounds (Effekte, Amp-Modeling, Drums)

+ gute Aufnahmequalität

+ Einzelspuren zur Weiterverwertung

+ Touchscreeen

+ eingebauter Kontrolllautsprecher

+ günstiger Preis

– kein USB-Anschluss

– z. T. etwas komplizierte Bedienung

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