Mit zwei Rechnern gleichzeitig?

iConnectAudio4 Audio-Interface im Test

Der kanadische Hersteller konnte sich bereits mit MIDI-Interfaces einen Namen machen. Nun wird das zeitgemäße und praxisorientierte Produktrepertoire mit einem Audio-Interface ausgebaut, wobei neben Windows- und Mac-Systemen auch mobile iOS-Geräte unterstützt werden.

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Dieter Stork

Dabei liefert iConnectivity nicht einfach nur ein weiteres mobiles Interface, wie es sie schon zuhauf auf dem Markt gibt. Nein, das iConnectAudio4 ist mit einer Technologie namens »Multi-Host« ausgestattet, die den Anschluss an gleich zwei Computer erlaubt!

Hardware

Das Interface ist als klassisches Desktopgerät mit sehr stabilem Aluminiumgehäuse und schlichtem Design ausgelegt. Für den einen oder anderen ist die Stativschraube auf der Unterseite ein praktisches Schmankerl, da diese erlaubt, das Gerät etwa auf einem Mikrofonständer zu befestigen.

Außerdem ist eine USB-Buchse Typ »A« mit der Beschriftung »Host« zu finden. Mit einem aktiven Hub lassen sich hier bis zu acht MIDI-Geräte anschließen − eine zeitgemäße Ausstattung, weil die meisten Geräte für den mobilen Einsatz gar nicht mehr über MIDI-Buchse verfügen und via USB angeschlossen werden wollen. Dennoch gibt es auch noch einen MIDI-Port im traditionellen 5-Pol-Format.

Die folgende Verbindung sieht man aber eher selten in doppelter Ausführung an einem Interface. Gleich zwei USB-Buchsen (Typ »B«) legen den Grundstein für die Multi-HostTechnologie. Glücklicherweise ist sogar ein Kabel beigelegt, das von USB-B auf Apple Lightning adaptiert, um somit auch ein iPad oder iPhone direkt anschließen zu können.

Die Front ist mit vier Combibuchsen (XLR und Klinke) des Herstellers Amphenol bestückt. Da jede separat mit Phantomspeisung versorgt werden kann, eignen sich alle Buchsen zum Anschluss von Mikrofonen. Die Buchsen 1 und 2 lassen sich ebenso als hochohmiger Instrumenteneingang, die Buchsen 3 und 4 hingegen als Line-Eingang benutzen.

Als einziges physikalisches Bedienelement ziert ein gerasterter Drehregler mit PushFunktion die rechte Seite. Das ist zumindest der erste Eindruck, doch die Kunststoffscheibe mit den LEDs ist mit einer Touch-Funktion mit acht Zonen versehen und bietet somit eine Vielzahl von Funktionen.

Die Hardware ist einwandfrei und stabil verarbeitet.

In the Box

Am PC findet man nach der Treiber-Installation die grundlegenden Einstellungsmöglichkeiten im »iConnectivity ASIO Control Panel«. Die Puffergröße kann hier zwischen 64 und 4.096 Samples angepasst werden. Die Wandler arbeiten mit 24 Bit Wortbreite und einer maximalen Abtastrate von 96 kHz.

Am MacBook hingegen konnte ich sofort ohne Treiberinstallation loslegen. Ins Detail geht man dann mit der Software »iConfig«, die für PC und OS X zum Download bereit steht. Der Hersteller bietet diese Konfigurationsoberfläche selbst für iOS 6.0 kostenlos über iTunes an. Gegenwärtig gibt es noch Probleme mit dem iPad Air2, man arbeitet aber bereits an dem Problem.

Jede Menge Funktionen

Die Bedienung an der Hardware selbst geht jedoch sehr schnell und ist übersichtlich. Nun stellt sich die Frage, wie nur ein einziger Drehknopf die Steuerung der verschiedenen Kanäle übernehmen soll? Wie erwähnt, ist das schwarze Kunststoff-Panel Berührungsempfindlich. Tippt man mit dem Finger etwa auf die LED »48 V«, kann man im Nachhinein die Phantomspeisung für die Eingänge 1 bis 4 aktivieren. Die Stromzufuhr wird umgehend durch leuchtende LEDs in der oberen Reihe signalisiert. Das Messgerät zeigt übrigens nur 44,4 Volt an, allerdings liegt dieser Wert gerade noch im erlaubten Toleranzbereich von ±4 Volt.

Ganz ähnlich funktioniert das Einpegeln. Selektiert man die LED »In« und dann einen der vier Eingangskanäle, arbeitet die kleine Meter-Bridge als Pegelanzeige. Noch mal auf die »In«-LED getippt, zeigt die Meter-Bridge die aktuelle Vorverstärkung, die man nun mit dem Drehregler anpassen kann. Nach gleichem Prinzip erfolgt die Steuerung der vier Ausgangskanäle und der Kopfhörerbuchse.

Ein »Doppelklick« des Push-Reglers schaltet alle Ausgänge temporär stumm. Hält man ihn länger gedrückt, schaltet sich das Gerät nach etwa drei Sekunden ab. Sehr praktisch!

Lediglich eine Anzeige der MIDI-Aktivität wird vermisst, sowohl an der Hardware als auch in der MIDI-Matrix. Vielleicht kann der Hersteller zukünftig mit einem Software- Update einen MIDI-Monitor nachlegen.

Ansonsten ist in der Steuerungs-Software extrem viel geboten, beginnend beim integrierten MIDI-Filter über MIDI-Port-Routing bis hin zu diversen Tabs, die sich dem Remapping von MIDI-Kanälen und ControllerEvents annehmen. Dabei sind diese Parameter nicht nur für den DIN-5-Pol-Port variabel, sondern auch für die beiden »USB Device Jacks« und den »USB Host Jack«, die wiederum je acht Ports auflisten. Wer abgefahrene MIDI-Setups komplex mag, kommt hier also voll auf seine Kosten. Außerdem ist es problemlos möglich, ein Controller-Keyboard an den Laptop und/oder das iPhone weiterzuleiten.

Routing-Monster

Im Tab »Audio Info« wird schnell deutlich, dass das Interface hinsichtlich individuellen Konfigurationsmöglichkeiten aus allen Nähten platzt. Eine tolle Spielwiese für Fortgeschrittene, jedoch etwas erschlagend für Einsteiger. Auch in den anderen Tabs wie »Audio Patchbay« oder »Audio Mixer« mag die Vielfalt der Einstellungsmöglichkeiten sehr komplex wirken.

In den Werkseinstellungen werden immerhin beide Computer im Audio-Mixer zusammengeführt, und es war im Test möglich, beispielsweise Logic am MacBook und Ableton Live am PC gleichzeitig abzuhören. Die Patchbay listet dabei nicht nur das analoge I/O auf, sondern unter »USB1« und »USB2« auch separat alle Audioströme der beiden angeschlossenen Computer. Aber Obacht: Wird ein Parameter unter »Audio Info« geändert, beispielsweise die Abtastrate, ist stets ein Neustart des Treibers nötig. Nach einem Klick auf »Commit & Reset« dauert es knapp sechs Sekunden, bis das Interface wieder einsatzbereit ist.

Bei dem Betrieb von zwei unterschiedlichen Rechnern an einem Audio-Interface geht’s aber über das parallele Abhören weit hinaus. Wirklich nützlich ist das Patchen von Audio-Strömen zwischen zwei Audiorechnern. Nach einer kurzen Experimentierphase war es ein Leichtes, etwa Logics »Drummer« in einen Kanal von Live zu routen und dort auf zunehmen. Umgekehrt kann man jede Spur aus Live in den Logic-Mixer schicken. So könnte man etwa »Windows only«-VST-Instrumente oder Effekte vom Mac aus ansteuern und den Sound auch an beliebige Ziele weiterleiten. Sampling, Re-Sampling und das ohne Rücksicht auf Plattform oder analoge bzw. digitale Domäne … Allein diese Tatsache ist schon absoluter Wahnsinn!

Für eine vernünftige Arbeitsweise sollten die beiden Sequenzer jedoch irgendwie in Gleichschritt gebracht werden. Im Test wurde deshalb die »Sync«-Funktion in Live aktiviert und der Sequenzer als »Slave« betrieben. Logic sendete einen Timecode und diente als »Master«. Das funktionierte einwandfrei!

Fazit

Das Team von »iConnectivity« hat offensichtlich den richtigen Riecher, wenn es um frische Ideen auf dem Interface-Markt geht. Es ist schon erstaunlich, wie es ein so kleines Interface schafft, viele Geräte, die sich in modernen Projektstudios ansammeln, zu vereinen. Mit der kleinen Kiste sind hochkomplexe MIDI- und Audio-Routings möglich − eine perfekte digitale Patchbay, um unterschiedlichste Klangerzeuger verlustfrei in ein System zu integrieren, ob im Studio oder auf der Bühne.

Das Hauptaugenmerk liegt selbstverständlich auf der hervorragend umgesetzten »Multi-Host-Technologie«, die zwei Computer über die beiden USB-Anschlüsse verknüpfen kann.

Je komplexer das eigene Setup, desto mehr sollte man jedoch von Signalfluss verstehen. Das kann so manchen Einsteiger überfordern, allerdings helfen zahlreiche Online-Tutorials, Whitepapers und das englischsprachige Handbuch, das Audio4 an die eigenen Wünsche anzupassen.

+++ Multi-Host-Technologie

+++ sehr flexibles (aber auch komplexes) Routing

+++ umfassende MIDI-Funktionalität

++ stimmiges Konzept

++ berührungsempfindliches Front-Panel


 

Hersteller

iConnectivity

UvP / Straßenpreis

399,— Euro / ca. 380,— Euro

www.iconnectivity.com

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